Cannabidiol: Ein Multitalent?

Hilfe bei Schlafproblemen, Rheuma, Schmerzen aller Art und sogar bei Epilepsie und Schizophrenie – Cannabidiol (CBD) werden viele positive Wirkungen zugeschrieben. Doch noch nicht alle sind ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen. CBD ist ein nicht-psychoaktiver Inhaltsstoff der Cannabis-Pflanze, der in der Schmerztherapie unter ärztlicher Aufsicht, etwa bei Krebspatienten, erfolgreich eingesetzt wird.

Cannabidiol (CBD) ist ein nicht-psychoaktiver Inhaltsstoff der Cannabis-Pflanze. Ihm werden unter anderem entzündungs- und schmerzhemmende sowie zellschützende Eigenschaften nachgesagt. In verschiedenen Quellen wird ein komplementärer Einsatz u. a. bei Stress, Burn-out, Schlafstörungen, Epilepsie und speziellen Formen von Schizophrenie empfohlen.

Bei der Fülle an versprochenen Wirkungen ist es für Patienten schwierig zu erkennen, welche davon wissenschaftlich haltbar sind. „Die versprochenen Effekte dieser Präparate sind in vielen Fällen noch nicht ausreichend nachgewiesen“, sagt Prim. Margot Peters, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin und ärztliche Leiterin des Zentrums für psychosoziale Gesundheit Sonnenpark in Bad Hall: „Eine generelle Empfehlung auszusprechen, ist daher schwierig.“

Es sei aber nichts dagegen einzuwenden, wenn etwa Patienten mit Schlafstörungen ausprobieren, ob ein paar Tropfen CBD-Öl vor dem Zubettgehen Abhilfe schaffen können. „Bei schweren Erkrankungen wie Epilepsie oder Schizophrenie sollte allerdings immer vorher der behandelnde Arzt konsultiert werden, bevor ein zusätzliches Präparat eingenommen wird“, rät Peters – vor allem weil bei CBD durchaus die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bestehe. „Die Gefahr dabei ist, dass die Wirkung anderer Medikamente verstärkt, abgeschwächt oder sogar ganz neutralisiert werden kann“, warnt Peters.

Steigerung der Lebensqualität

Weniger umstritten ist der Einsatz von CBD in der Schmerztherapie unter ärztlicher Aufsicht, etwa bei Krebspatienten. Ziel ist dabei nicht, hochwirksame und bewährte Medikamente zu ersetzen, sondern vielmehr eine zusätzliche positive Wirkung auf die Lebensqualität der Patienten zu erzielen: „CBD lässt sich beispielsweise in der Tumorschmerztherapie mit gängigen Opioid-Präparaten kombinieren und ist dabei in den meisten Fällen gut verträglich“, sagt Prim. Univ.-Prof. Christian Lampl, Schmerzspezialist und ärztlicher Direktor des Ordensklinikums Linz Barmherzige Schwestern.

Bisherige Erfahrungen hätten unter anderem auch Verbesserungen bei depressiven Stimmungslagen, Schlafproblemen und (Krebs)therapiebedingter Übelkeit bzw. Erbrechen gezeigt. Auch bei chronisch therapieresistenten neuropathischen Schmerzen könne eine Umstellung auf CBD erwogen werden.

Skeptisch sollten Patienten vor allem dann sein, wenn Heilung versprochen wird, rät die oö. Ärztekammer. So könne CBD zwar durchaus zur Linderung von Symptomen wie Übelkeit – die mit vielen Erkrankungen einhergeht – beitragen, Behauptungen wie etwa die von einer Wirkung gegen das Wachstum von Tumoren, wie sie auf diversen Internetseiten aufgestellt werden, sollten hingegen mit Vorsicht genossen werden.

Das im Goldmann-Verlag erschienene Buch: „Dem Schmerz entkommen“ von Martin Pinsger und Thomas Hartl setzt sich mit der Cannabis-Therapie auseinander. Es finden sich darin auch Fallgeschichten von Patienten.

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