Chance am ersten Arbeitsmarkt

Markus Lumetsberger ist überglücklich, dass er trotz Beeinträchtigung eine Lehre als Betriebslogistikkaufmann in einem auf Dacharbeiten spezialisierten Unternehmen machen kann. Für ihn ist der Wechsel von einer Tätigkeit in einer Werkstätte auf den ersten Arbeitsmarkt eine große Chance. „Markus zeigt Wille und daraus machen wir was“, heißt es aus dem Unternehmen.

Vier Jahre lang war Markus Lumetsberger in der Außengruppe der Lebenshilfe-Werkstätte Perg beschäftigt. Vor einigen Monaten hat er eine Lehre als Betriebslogistikkaufmann in der Köppl Alexander GmbH begonnen – eine Chance, die nicht viele Menschen mit Beeinträchtigung erhalten.

Für den 24-jährigen Perger hat sich vieles geändert seit dem Beginn seiner Lehre. Nicht nur die Aufgaben und die Arbeitskollegen, sondern auch der Wechsel vom Chancengleichheitsgesetz, das als Arbeitsentgelt lediglich einen Betrag in Taschengeldhöhe vorsieht, in ein Arbeitsverhältnis mit Kollektivvertragslohn und Pensionsversicherung.

„Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung erhalten durchschnittlich rund 50 Euro pro Monat für ihre Arbeit in Tagesstrukturen außerhalb des offenen Arbeitsmarktes und haben keinen Pensionsanspruch. Diese Regelung, die gesetzlich verankert ist, wird von der Lebenshilfe seit Jahren kritisiert. Menschen mit Beeinträchtigung leisten einen wertvollen Arbeitsbeitrag, der auch entsprechend entlohnt werden soll. Markus Lumetsbergers Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt ist seit unzähligen Jahren der erste Fall und keine Selbstverständlichkeit für die Beschäftigten der Lebenshilfe“, erklärt Barbara Brehmer-Rinderer, agogische Leiterin der Lebenshilfe Oberösterreich.

Neuer Lebensabschnitt

„Wenn man einen Willen hat, schafft man alles“, so das Credo von Markus. Er liebt es, Lagermaterial für seine Kollegen am Bau vorzubereiten und ist bereits geübt darin, Bleche zu biegen, Styropor zu schneiden und für Ordnung in der Lagerhalle zu sorgen.

Mit der Übersiedelung ins neue Firmengebäude inklusive neuem Lagersystem wird sich sein Aufgabenbereich auch um Kommissionierungsarbeiten erweitern. Der Berufsschulzeit sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen – kann bei dieser Herausforderung aber auf zahlreiche Unterstützer zählen.

Seine Kollegen Arnold Schimpl und Michael Nötstaller haben bereits ihre Hilfe zugesagt und neben dem Rückhalt aus der Familie kann Markus auch auf das Jugendcoaching der „Soziale Initiative Perg“ zählen, das am Wochenende Förderunterricht anbietet. Auch der Rückhalt der Geschäftsführung ist ihm gewiss. „Markus kann sich immer an uns wenden, wenn er Hilfe benötigt“, sagt Petra Köppl-Haslinger.

Lumetsberger ist bereits der zweite integrative Lehrling beim Dachspezialisten Köppl, ein Lehrling mit einer Lernschwäche befindet sich schon im dritten Lehrjahr zum Dachdecker. Zudem beschäftigt das Unternehmen einen weiteren Mitarbeiter mit Teilqualifikation. „Die Arbeitsleistung beim Schnuppern ist das, was zählt. Markus zeigt Wille und daraus machen wir was – Leute die nicht motiviert sind, hatten wir schon viele“, so Köppl-Haslinger.

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