Chancen und Herausforderungen

So sehen oö. Klub-Verantwortliche und Trainer Fortsetzung der 2. Fußball-Liga

Auf Blau Weiß (Bild: Bernhard Janeczek/l.), Steyr (Josip Martinovic) und die anderen Klubs warten einige Herausforderungen. © GEPA

Eines eint die vier oberösterreichischen Fußball-Zweitligisten: Die Freude darüber, auf den Trainingsplatz zurückkehren und die Saison auf sportlichem Weg fortsetzen zu können. „Wir sind ja schließlich zum Fußballspielen da“, meinte Steyr-Trainer Willi Wahlmüller.

„Die Freude steht im Vordergrund“, pflichtete Juniors-Coach Gerald Scheiblehner bei. Er konnte die Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung nachvollziehen: „Man hat wenig Informationen bekommen, nie genau gewusst, wie es weitergeht. Ich hätte kein Funktionär sein wollen. Jetzt muss man aber allen ein Riesenlob aussprechen.“

Am 5. Juni soll die erste von elf ausstehenden Runden angepfiffen werden. Diese Herausforderungen und Chancen erwarten die Klubs:

Vorbereitungsphase:

Nach mehr als zweimonatiger Pause sind drei Wochen Teamtraining trotz des Heimprogramms, das die Spieler absolviert haben, sehr kurz bemessen. „Ich befürchte, dass man das hinsichtlich Verletzungen merken wird“, sagte Vorwärts-Sportchef Jürgen Tröscher.

„Fingerspitzengefühl“ und „die richtige Dosis“

„Wichtig wird sein, Fußball zu spielen, viel in Spielformen zu arbeiten. Man darf aber auch nicht überbelasten, da ist Fingerspitzengefühl notwendig“, ergänzte Trainer Wahlmüller. BW-Coach Ronald Brunmayr sieht vor allem längerfristige Auswirkungen: „Es wird deswegen ein Thema sein, weil es vermutlich bis Dezember durchgehen wird. Da muss man die richtige Dosis finden.“ Scheiblehner wies aber auch darauf hin, dass die einzige Alternative gewesen wäre, gar nicht mehr zu spielen. Deshalb nehme man das so an.

Saison:

Weil es keinen Absteiger gibt, geht es sportlich nur noch für Tabellenführer Ried und Verfolger Klagenfurt um Zählbares.

Ohne Druck und Angst befreit aufspielen

„Das ist schon eine etwas skurrile Situation“, meinte Brunmayr, der darin aber auch Chancen sieht: „Die anderen können ausprobieren und ohne Ergebnisdruck und Abstiegsangst Fußball spielen. Vielleicht kann man da auch befreiter aufspielen.“ Ähnlich schätzte Wahlmüller die Lage ein: „Vielleicht können sich auch Spieler zeigen, die zuletzt eher am Abstellgleis waren.“ Im Innviertel ist man freilich guter Dinge für den Aufstiegskampf: „Ich habe großes Vertrauen in unsere Mannschaft und unser Trainerteam, dass wir auch diesen letzten Schritt schaffen werden“, so Finanzchef Roland Daxl.

Amateurspieler:

Jene Akteure, die noch einem Brotberuf nachgehen, müssen erst mit ihren Arbeitgebern abklären, ob sie spielen dürfen. „Wir werden nicht jeden Spieler einsetzen können, weil manche auch in systemrelevanten Berufen, etwa als Lehrer oder Verkäufer, arbeiten“, erklärte Steyr-Sportchef Tröscher. „Ich hoffe, dass sich das nicht auf die sportlichen Entscheidungen auswirkt.“

Verträge:

Ebenfalls zu klären ist die vertragliche Situation, weil die Saison ja bis Ende Juli verlängert wurde, zu diesem Zeitpunkt aber einige Verträge schon ausgelaufen sind. Besonders betroffen ist hier Blau Weiß Linz: „Bei uns laufen 13 Verträge mit Saisonende aus, am Montag und Dienstag werden wir mit jedem Einzelnen ein Gespräch führen. Es braucht mit jedem Spieler eine Vereinbarung zur Verlängerung, um eine rechtliche Absicherung zu erreichen“, sagte Geschäftsführer Stefan Reiter. In Steyr dagegen sollte dies gedeckt sein, meinte Wahlmüller: „Es gibt einen Passus im Vertrag, dass die Spieler gebunden sind, solange die Meisterschaft läuft.“

30.000 Euro fehlen pro Heimspiel ohne Fans

Finanzen:

Die zugesagte Unterstützung der Vereine, unter anderem durch den Infrastruktur-Fonds, war einer der Knackpunkte für die Fortsetzung. „Auch die Pool-Testung ist den Vereinen sehr entgegengekommen“, glaubt Scheiblehner. Die Einbußen schmerzen dennoch. „Durchschnittlich verlieren wir bei einem Geisterspiel rund 30.000 Euro“, sagte Ried-Finanzvorstand Roland Daxl. Den gleichen Betrag für Heimspiele ohne Fans hat Vorwärts Steyr errechnet.

Die Sorgen betreffen aber weniger die aktuelle Spielzeit, sondern vielmehr die Zukunft. „Was ich kritisch sehe, ist, dass die Entscheidung der Fortsetzung auf Kosten der Professionalisierung im nächsten Jahr geht“, gab Tröscher zu bedenken. Schließlich wolle man auch nächste Saison konkurrenzfähig sein. „Wir werden aber nicht ligatauglich sein, wenn die Spieler eine Bosna und ein Bier bekommen.“ Vielleicht birgt die Situation aber auch eine Chance für die Klubs, noch mehr junge Spieler zu integrieren.

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