China-Taiwan-Konflikt sorgt für Unruhe in europäischer Wirtschaft

Weltweite Chipkrise würde durch Konflikt noch einmal deutlich verschärft

Taiwan liefert Halbleiter für de wichtigsten Industrien (Auto, Telekom, Maschinenbau, Energie) in die ganze Welt.
Taiwan liefert Halbleiter für de wichtigsten Industrien (Auto, Telekom, Maschinenbau, Energie) in die ganze Welt. © ryanking999 - stock.adobe.com

Der politische Konflikt zwischen China und Taiwan sorgt zunehmend für Unruhe in der europäischen Wirtschaft.

„Ein militärischer Konflikt in Taiwan ist vermutlich die größte Gefahr für die über die vergangenen Jahrzehnte aufgebauten engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China“, sagte etwa am Freitag Max Zenglein, Chefökonom beim Berliner Mercator Institute for China Studies.

Eine Eskalation würde eine Kettenreaktion mit weitreichenden negativen wirtschaftlichen Folgen nach sich ziehen, wobei Störungen wichtiger Lieferketten oder Wirtschaftssanktionen gegen China wegen einer Aggression gegen Taiwan mit massiven wirtschaftlichen Kosten verbunden wäre, so der Experte.

Weltmarktanteil von 90 Prozent bei Halbleitern

Besonders von einer Eskalation in der Taiwan-Krise betroffen wären die europäische Telekom,- Auto- und Maschinenbauindustrie. Der Grund: Taiwan nimmt eine zentrale Rolle in der globalen Chip-Industrie ein.

„Taiwan ist das mit Abstand wichtigste Land für die modernsten Halbleiter, die es aktuell auf dem globalen Markt gibt“, sagte Julia Hess, Expertin des Think Tanks „Stiftung Neue Verantwortung“.

Den Marktanteil Taiwans in diesem Bereich beziffert sie mit 90 Prozent. Die Halbleiter werden u.a. in Mobiltelefonen, Computern und im Bereich der künstlichen Intelligenz gebraucht. Nimmt man alle Halbleiter-Kategorien zusammen, produziere Taiwan jeden zweiten Chip auf der Welt, so Hess.

Das IT-Exportvolumen Taiwans lag 2020 bei 164,4 Milliarden US-Dollar – das ist rund ein Viertel des 2020 erwirtschafteten BIP Taiwans in Höhe von 670 Milliarden Dollar (2021: 789 Mrd. Dollar, China: 17,5 Bio. Dollar). Schon seit Beginn der Coronakrise, als die globalen Lieferketten unter Druck gerieten, gibt es Engpässe bei der Chipversorgung in Europa.

Stillstand in europäischer Autoindustrie

Besonders stark spürte das die Autoindustrie: Bei Volkswagen, Mercedes, BMW &Co mussten ganze Werke über Wochen in Zwangspause gehen und Belegschaften kurzarbeiten.

Der Mangel betraf die österreichische Industrie sowie viele Zulieferer deutscher Werke wie BMW Motoren in Steyr. Halbleiterkunden gibt es auch bei Erneuerbaren Energien. Sie sind für Automation, Robotik und Infrastrukturen, die von Wechsel- auf Gleichstrom umgestellt werden, nötig.

Taiwan verkauft auch Informations- und Kommunikationstechnologie nach Europa. Nicht zuletzt würde eine militärische Konfrontation China und Taiwan selbst schaden: Der Anteil von Exporten aus Taiwan nach China lag 2020 bei 26 Prozent. Chinesische Importe machten 21 Prozent aus. Beide Ländern pflegen also engste Wirtschaftsbeziehungen, die trotz aller politischen Unterschiede in den vergangen Jahrzehnten zum Wohlstand beider Volkswirtschaften beigetragen haben.

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