Christian Futscher: Mein Vater, der Vogel

Manche Bücher erzählen eine Geschichte mit dem, was nicht da steht. Eines davon ist Christian Futschers neues Werk „Mein Vater, der Vogel“, in dem er aus Schnipseln eine Familiencollage zusammenträgt.

Der Vater als zentrale Figur ist ein ewiger, manchmal trauriger Clown und Lebenskünstler, ein schräger Vogel, der eines Tages einen Abflug macht. Vieles bleibt in der Geschichte im Dunkeln. Dabei muss man sich bei Futscher vorsehen: Vordergründig ist sein Buch eine Ansammlung von Erinnerungsbruchstücken, Sprachspielen, Anekdoten und Nonsense-Witzeleien.

So betätigt sich der Vater, meist zur Freude seines Sohnes, als Erbsentöter, schickt sich selbst Briefe, macht Furzgeräusche in der U-Bahn, beschießt Leute mit Papierkügelchen und glaubt an die Reinkarnation der Hauskatze als Fliege. Doch unter der Oberfläche lauert etwas Düsteres: Er hat oft kaum Geld, fantasiert mit morbidem Humor über Selbstmord und ergibt sich gelegentlich dem Rotwein und dem „Katzenjammer“.

Und da ist die Mutter, die im Buch nur in ihrer Rolle als einzige Erwachsene der Familie auftritt. Der mehrfach ausgezeichnete Roman-, Kinderbuchautor und Lyriker Futscher hat mit seinem neuen Buch in übermütiger, aber sparsamer Sprache ein mosaikhaftes, tragikomisches Porträt geschaffen, das durch seine Leerstellen seine Wirkung erst auf den zweiten Blick entfaltet.

Christian Futscher: Mein Vater, der Vogel. Czernin Verlag, 112 Seiten, 20 Euro

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