Christina Morina: Die Erfindung des Marxismus

Man müsste wohl rund um die Uhr lesen, wollte man alle Neuerscheinungen zu den aktuellen Jubiläen zumindest überfliegen. Sogar einen doppelten Anlass fand Christina Morina, die im Vorjahr ihr Buch „Die Erfindung des Marxismus“ herausbrachte: 2017 gedachten wir der Oktoberrevolution, heuer würde Karl Marx seinen 200. Geburtstag feiern. Morina versucht in ihrem Werk, „ausgetretene Pfade“ zu verlassen. Die 1976 in der damaligen DDR geborene Historikerin wählt die Form des Gruppenporträts, um zu erklären, wie das Theoriegebäude von Marx unter die Menschen kam. Die neun Porträtierten — Karl Kautsky (1854 in Prag geboren), Eduard Bernstein (geboren 1850 in Berlin), Rosa Luxemburg (1871 in Zamosc), Victor Adler (1852 in Prag), Jean Jaurès (geboren 1859 in Castres), Jules Guesde (1845 in Paris), Georgi W. Plechanow (1856 in Gudalowka), Wladimir Iljitsch Lenin (1870 in Simbirsk) und Peter Struve (geboren 1870 in Perm) – gehörten allesamt zur geistigen Gründergeneration des Marxismus. Sie alle waren laut Morina selbstbewusst, ehrgeizig, gebildet und mobil. Sie wollten Geschichte machen und prägten das „Goldene Zeitalter“ des Marxismus. Morina konzentriert sich auf die prägenden Anfangsjahre. Anhand der eng miteinander verbundenen Marx-Aneignungen dieser neun „Revolutionären“ versucht sie, die Gründungsgeschichte des Marxismus als Generationsprojekt zu erzählen – wissenschaftlich fundiert, bisweilen aber etwas langatmig. hs

Christina Morina: Die Erfindung des Marxismus. Siedler Verlag. 592 S., 25,70 Euro