Christoph Biebl – Josef Schlegel: Jurist-Politiker-Mensch

Wer sich mit der Geschichte Oberösterreichs zwischen 1918 und 1938 befasst, wird vor allem auf die Namen zweier Landeshauptmänner stoßen: Johann Nepomuk Hauser, einer der Gründerväter der Republik, und Heinrich Gleißner, der auch nach dem Krieg bis 1971 dieses Amt bekleidet hat.

Im Schatten dieser bekannten Namen steht ein Mann, der immerhin sieben Jahre lang an der Spitze des Landes stand: Josef Schlegel war von 1927 bis 1934 Landeshauptmann von Oberösterreich. Ein Band des OÖ Landesarchivs aus der Reihe „Oberösterreich 1918-1938“ holt nun den Juristen, Politiker und Menschen Josef Schlegel aus seinem Schattendasein. Der Historiker Christoph Biebl weist zu Recht darauf hin, dass sich an der Biografie des 1969 in Nordböhmen geborenen Alt-Österreichers Schlegel die wechselhafte und erschütternde Geschichte Österreichs von der Monarchie bis zum Wiederaufbau nach 1945 widerspiegelt.

Sie ersparte dem pflichtbewussten und gesinnungstreuen ehemaligen Richter auch nicht die Enttäuschung seines Politikerlebens: Da er sich 1934 den neuen undemokratischen Regeln des Ständestaat-Regimes nicht beugen wollte, wurde er durch Heinrich Gleißner, damals Staatssekretär in der Regierung Dollfuß, ersetzt. Besonders bitter für den christlichsozialen CVer Schlegel, dass ihm seine eigene Gesinnungsgemeinschaft diese Enttäuschung zugefügt hatte. Nach 1945 kam es zwar zur Aussöhnung mit Heinrich Gleißner und der ÖVP und zu einer politischen Rehabilitierung: Josef Schlegel wurde Präsident des österreichischen Rechnungshofes.

Schlechtes Gewissen der neuen politischen Führung mag mitgespielt haben, dass das Wirken dieses unbeirrbaren Demokraten in Vergessenheit geriet. Erst relativ spät wurde im Jahr 2012, und damit 57 Jahre nach seinem Tod, in Linz eine Straße nach Landeshauptmann Josef Schlegel benannt.

C. Biebl: Josef Schlegel: Jurist-Politiker-Mensch. OÖ Landesarchiv, 384 S., € 19,90

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