Aus für Fossile womöglich nicht in COP28-Schlussdokument

Die Proteste und Forderungen rund um den Gipfel sind verständlich © APA/AFP/KARIM SAHIB

Bei der Weltklimakonferenz in Dubai drehen sich die Verhandlungen zunehmend um die Frage nach der künftigen Nutzung fossiler Brennstoffe. Aus einem Entwurf für die Abschlusserklärung geht hervor, dass sich die Staaten auf ein Ausstiegsszenario für die Nutzung von Kohle, Öl und Gas zur Energiegewinnung verständigen könnten. Dem entgegen steht der Ansatz, lediglich die Emissionen bei der Verbrennung fossiler Energieträger zu reduzieren.

Dabei tagt die sogenannte COP28 unter dem Eindruck neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Demnach wird erwartet, dass der CO2-Ausstoß von Emissionen aus fossilen Brennstoffen in diesem Jahr einen Rekordwert erreichen wird. Dies steht dem Ziel der Pariser Klimakonferenz von 2015 entgegen, die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die Bundesregierung tritt dafür ein, dass die COP28 den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen festschreibt.

Große Energiekonzerne, die bei der Konferenz in Dubai ebenfalls vertreten sind, wollen indes zumindest Öl und Gas weiterhin nutzen, dabei aber den Ausstoß des Treibhausgases Methan reduzieren. „Wir sind große Burschen, und wir können große Dinge tun“, sagte Jean Paul Prates, Chef des staatlichen brasilianischen Öl-Konzerns Petrobras. „Wir können Ergebnisse liefern.“ Allerdings müsse die Neuordnung der Energiegewinnung auf faire Art und Weise gestaltet werden.

Der Chef des französischen Konzerns TotalEnergies, Patrick Pouyanne, betonte, der Übergang weg von Öl und Gas werde Zeit brauchen. Also müsse es darum gehen, Öl und Gas vorerst weiter zu produzieren und dabei die Emissionen zu reduzieren. „Und das können wir machen, wir haben die Technologie.“ Das allerdings habe seinen Preis. Auf der COP28 in Dubai sind nach Angaben von Klimaaktivisten mindestens 2.400 Lobbyisten registriert, die für die weitere Nutzung fossiler Brennstoffe eintreten.

Die Klimakonferenz dauert noch bis zum 12. Dezember, Delegierte aus fast 200 Staaten sind vertreten. In dem Entwurf für die Abschlusserklärung sind drei Optionen enthalten: Der „geordnete und gerechte Ausstieg aus fossilen Brennstoffen“ – wobei „gerecht“ hier darauf hindeutet, dass Industriestaaten schneller aussteigen müssten als Entwicklungsländer. Die zweite Option zielt lediglich darauf ab, „die Bemühungen für einen Ausstieg aus reinen fossilen Brennstoffen zu beschleunigen“. In einer dritten Variante würde ein Ausstieg nicht erwähnt.

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Die USA und die 27 Staaten der Europäischen Union sowie vom Klimawandel besonders betroffene Inselstaaten treten für einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ein. Die Wissenschaft ist überzeugt, dass die daraus entstehenden Treibhausgase für die Erderwärmung und damit zunehmende Naturkatastrophen verantwortlich sind. Es gehe nicht darum, „über Nacht das Licht auszumachen“, sagte die deutsche Staatssekretärin und Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt, Jennifer Morgan, die derzeit die Delegation der deutschen Bundesregierung führt.

Dagegen betonte der saudiarabische Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman bei Bloomberg TV, sein Land werde einem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen „absolut nicht“ zustimmen. In dem Entwurf wird auch die Möglichkeit der CCS-Technologie einbezogen, mit der CO2 und Methan abgetrennt und gespeichert werden könnten („Carbon Capture and Storage“). Klimaschützer sehen darin aber lediglich den Versuch, die weitere Nutzung vor allem von Öl und Gas zu rechtfertigen.

Die Klimaschützer prangerten zudem die Expansionspläne des staatlichen Ölkonzerns des Gastgeberlandes Vereinigte Arabische Emirate angeprangert. Die Projekte seien „ein todsicheres Rezept, um den katastrophalen Klimawandel zu beschleunigen“, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Organisationen Urgewald, Lingo, Reclaim Finance und Banktrack. Tatsächlich plant der Adnoc-Konzern nach eigenen Angaben, seine Ölförderung bis 2030 um 25 Prozent zu erhöhen.

Die Organisatoren schrieben, es bleibe schockierend, dass ausgerechnet der Adnoc-Chef, Sultan al-Dschaber, nun Präsident der laufenden UN-Klimakonferenz von knapp 200 Staaten sei. Dies sei ein „atemberaubender Interessenskonflikt“, der einen „unauslöschlichen Fleck“ auf der COP28 hinterlasse. „Der COP-Präsident hat keine Vision von einer Zukunft ohne fossile Energien“, hieß es weiter. Stattdessen treibe seine Firma Adnoc die Expansion von Öl und Gas voran, wolle aber nur einen winzigen Teil der entstehenden Treibhausgasemissionen unter der Wüste speichern.

Nach dem am Dienstag veröffentlichten Global-Carbon-Budget-Bericht wird der steigende CO2-Ausstoß vor allem von Indien und China befeuert. Erwartet wird demnach, dass der Ausstoß im noch laufenden Jahr auf 36,8 Milliarden Tonnen und damit um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigen wird.

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