UNO-Konferenz über wandernde Tierarten in Samarkand

Haie laut Report besonders gefährdet © APA/@TheMalibuArtist/HANDOUT

Unter dem Motto „Natur kennt keine Grenzen“ hat an diesem Montag in der usbekischen Hauptstadt Samarkand eine internationale UNO-Konferenz zur Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) begonnen. Ein zeitgleich publizierter UNO-Report zum Zustand dieser Spezies warnt vor einem rückläufigen Bestand. „Fast die Hälfte der gelisteten Populationen wandernder Arten sind weltweit rückläufig“, warnte die Meeres-Expertin Simone Niedermüller, die für den WWF Österreich dabei ist.

Demnach sei jede fünfte Art ist sogar akut in ihrem Bestand bedroht – bei den wandernden Fischarten sind das ganze 97 Prozent, so Niedermüller weiter. Vielen sogenannten wandernden Tierarten geht es schlecht: So nimmt der Bestand von 44 Prozent dieser Spezies ab, 22 Prozent sind vom Aussterben bedroht, wie aus dem am Montag veröffentlichten UNO-Bericht hervorgeht. Unter wandernden Arten versteht man Tiere, die regelmäßig große Strecken zurücklegen und dabei zum Teil auch Ländergrenzen überqueren. Nur bei 14 solcher Arten hat sich demnach der Erhaltungsstatus verbessert, darunter bei Blau- und Buckelwalen und beim Seeadler.

Der erste Bericht zum Zustand wandernder Arten wurde vom Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS) in Bonn veröffentlicht und auf der Tagung in Usbekistan vorgestellt. Regierungsvertreter, Wissenschafter und Naturschützer beraten bis zum 17. Februar über die Herausforderungen für den Naturschutz mit Blick auf Zugvögeln sowie wandernde Land- und Meerestiere. Zudem geht es um Bedrohungen dieser Tiere durch Fischfang, Lebensraumverlust und Klimawandel.

Milliarden von Tieren unternehmen jedes Jahr Wanderungen zu Land, zu Wasser und in der Luft, überqueren nationale Grenzen und Kontinente, sind auf der Suche nach Nahrung und Paarungspartnern. Dazu gehören Lachse, Störche und Seeschwalben, Gnus und Elefanten. Daher fordert der WWF einen ebenso grenzüberschreitenden Artenschutz durch Ausweitung von Schutzgebieten für diese Spezies.

Besonders schlecht ist es um die Fischpopulationen bestellt: Fast alle – 97 Prozent – der unter der CMS aufgeführten Fischarten sind demnach vom Aussterben bedroht. Dazu gehörten wandernde Haie, Rochen und Störe, deren Bestände seit den 1970er-Jahren um 90 Prozent zurückgegangen seien. Die beiden größten Bedrohungen für wandernde Arten sind demnach übermäßige Nutzung etwa durch Fischfang sowie Lebensraumverlust durch menschliche Aktivität. Klimawandel, Verschmutzung und invasive Arten hätten ebenfalls stark negative Auswirkungen.

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Die Weltgemeinschaft müsse jetzt handeln, forderte Inger Andersen, Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). „Angesichts der prekären Situation vieler dieser Tiere können wir es uns nicht leisten zu zögern und müssen gemeinsam daran arbeiten, die Empfehlungen in die Realität umzusetzen.“ Wandernde Arten spielten eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der Ökosysteme der Welt, indem sie Pflanzen bestäubten, wichtige Nährstoffe transportierten, Schädlinge bekämpften und zur Speicherung von Kohlenstoff beitrügen.

„Straßen, Bauwerke oder der Schiffsverkehr versperren den Tieren zunehmend ihre lebensnotwendige Wander-Routen – sie kommen also nicht mehr an ihre Fortpflanzungs- und Futterplätze. Hinzu kommen Belastungen durch die Klimakrise wie etwa Dürreperioden“, warnte die WWF-Expertin.

Von der Zusammenkunft der 133 verhandelnden Staaten erhofft sich der WWF die Ausweitung und Verbindung von wichtigen Schutzgebieten, um sichere Korridore für die Wanderungen der Tiere zu gewährleisten – insbesondere für stark bedrohte Fische, wie Störe, Aale und Haie, aber auch für viele Vogelarten oder Säugetiere, wie die Saiga Antilopen und Jaguare. „Tiere kennen weder Ländergrenzen noch Schiffsrouten – sie wandern instinktiv seit Jahrhunderten und erfüllen überaus wichtige, grenzüberschreitende Funktionen in globalen Ökosystemen. Ihr Schutz kann nur durch internationale Zusammenarbeit gelingen“, sagt Niedermüller.

Besonderes Augenmerk müsse laut der Umweltschutzorganisation dabei auf die wichtigen Futter- und Fortpflanzung-Gebieten für Haie und Rochen gelegt werden – beispielsweise im durch Menschen sehr stark genutzten Mittelmeer: „Mehr als die Hälfte der Haie- und Rochenarten im Mittelmeer sind bedroht. Die Schutzmaßnahmen der unterschiedlichen Mittelmeerländer gleichen aber einem Flickenteppich – das muss sich dringend ändern“, schloss Niedermüller.

UNO-Report unter: cms.int

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