US-Firma gelingt erste kommerzielle Mondlandung

SpaceX Falcon 9 © APA/AFP/GREGG NEWTON

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist eine kommerzielle Landung auf dem Mond geglückt. Der Lander „Nova-C“ der US-Firma Intuitive Machines setzte in der Nacht auf Freitag in der südlichen Region des Erdtrabanten auf, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte. Es ist die erste – wenn auch unbemannte – US-Mondlandung seit den legendären Apollo-Missionen vor über 50 Jahren. NASA-Chef Bill Nelson sprach von einem „Triumph“, den Befund teilt auch ESA-Chef Josef Aschbacher.

„Heute sind die USA zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert auf den Mond zurückgekehrt“, so Nelson in einer Videobotschaft. Zum ersten Mal „in der Geschichte der Menschheit“ habe zudem ein privates Raumfahrtunternehmen erfolgreich eine Mondmission „gestartet und geleitet“.

Angesichts der erfolgreichen Landung sprach auch der Grazer Weltraumforscher Günter Kargl gegenüber der APA von einem „sehr wichtigen Schritt“. Es werde oft unterschätzt wie „hart“ es auch im Jahr 2024 ist, eine autonome weiche Landung auf dem Mond hinzubekommen. Auch der aus Österreich stammende ESA-Chef Josef Aschbacher kommentierte die Landung auf X (vormals Twitter) mit: „Wirklich bemerkenswert!“

Man dürfe laut Kargl nicht vergessen, dass bei den einstigen bemannten Landungen im Rahmen des Apollo-Programms die Astronauten in der letzten Phase der Landung teils noch manuell eingreifen mussten, um etwa großen Felsen an anvisierten Landeplätzen auszuweichen. So sei der Erfolg von Nova-C auch für astronautische Vorhaben wichtig. Bei bemannten Landungen brauche es nämlich vor allem Präzision, wenn es etwa gilt, in sicheren Abständen zu einer etwaigen Mondstation aufzusetzen.

Im Fall von Nova-C hatte man mehrere Systeme an Bord, die hier helfen. So etwa ein Laser-Ranging-System, mit dem kurz vor der Landung in Echtzeit der Boden exakt vermessen und Gefahrenmeldungen erstellt werden können. Hier habe man sicher „technologisch einiges gelernt“ und befinde sich aber weiter „an der vordersten Grenze“, was das technisch Machbare betrifft, so der Experte vom Institut für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Institut für Physik der Universität Graz.

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In welchem Zustand sich „Nova-C“ nach der Landung befand, war zunächst nicht klar. Es seien zuerst nur schwache Signale empfangen worden, hieß es aus dem Kontrollzentrum. Man arbeite daran, stärkere Signale zu bekommen und mehr über den genauen Zustand des Landers zu erfahren, hieß es.

Nun steht die sechseckige Sonde in einem Krater nahe dem Südpol des Mondes. Mittlerweile teilte Intuitive Machines mit, die Sonde mit dem Spitznamen „Odysseus“ habe wie geplant senkrecht aufgesetzt und sei funktionsfähig: Nach einer „Fehlerbehebung bei der Kommunikation“ mit dem Lander habe das Kontrollzentrum bestätigt, „dass Odysseus aufrecht steht und mit dem Senden von Daten beginnt“, erklärte das Unternehmen im Onlinedienst X (vormals Twitter). Noch am Freitag sollten die ersten Bilder von der Mondoberfläche heruntergeladen werden.

Odysseus war vor einer Woche an Bord einer SpaceX-Trägerrakete vom US-Raumfahrtbahnhof Cape Canaveral in Florida ins All gestartet. Transportmittel war eine „Falcon 9“-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Technologie-Milliardär Elon Musk.

Im Mondkrater Malapert A, der 300 Kilometer vom Südpol des Mondes entfernt ist, soll die Sonde nun eine Woche lang unter anderem Temperatur- und Strahlungsmessungen sowie Bodenuntersuchungen vornehmen. Ziel der Mission ist es, in dem Gebiet die Voraussetzungen für bemannte Mondmissionen zu erforschen. Die NASA will mit ihrem Artemis-Programm 2026 Astronauten zum Mond bringen.

Der Lander ist etwa so groß wie eine altmodische britische Telefonzelle, hat Aluminium-Beine, wiegt rund 700 Kilogramm und kann etwa 130 Kilogramm Ladung befördern. Einen großen Teil davon hat die NASA mit Forschungsgeräten und anderem Material belegt, darunter Kameras, die unter anderem Bodenveränderungen durch den während der Landung aufgewirbelten Staub untersuchen sollen. Den Rest haben sich vor allem kommerzielle Unternehmen für ihre Vorhaben gesichert. Zudem hat der US-Künstler Jeff Koons 125 Miniaturskulpturen aus rostfreiem Stahl mitgeschickt. Odysseus hat mehrere NASA-Geräte an Bord.

Die Mission ist Teil des NASA-Programms „CLPS“ (Commercial Lunar Payload Services). Mit diesem Programm will die US-Raumfahrtbehörde auf ihrem eigenen Weg zurück zum Mond vergleichsweise günstig und effizient so viel Wissen ansammeln wie möglich, indem sie Verträge für Mondlandungen an private Firmen vergibt und mit diesen zusammenarbeitet. Mit ihrer Hilfe will sie den Mond zudem als Zwischenstation für künftige bemannte Flüge zum Mars rüsten. Der Südpol kommt als Standort für ein Basislager auf dem Mond in Frage, weil sein Eis möglicherweise für die Produktion von Trinkwasser und Raketentreibstoff genutzt werden könnte. Insgesamt sind für das „CLPS“-Programm bis 2028 rund 2,6 Milliarden Dollar (etwa 2,4 Milliarden Euro) veranschlagt.

Intuitive Machines bekam für die „Nova-C“-Mission rund 77 Millionen Dollar. Das Unternehmen mit Sitz im texanischen Houston war 2013 unter anderem vom US-iranischen Unternehmer Kam Ghaffarian gegründet worden, der auch hinter der Firma Axiom Space steht, die gerade erst wieder mit einer kommerziellen Mission Raumfahrer zur Internationalen Raumstation schickte.

Mondlandungen gelten als technisch höchst anspruchsvoll und gehen häufig schief. Allein in diesem Jahr liefen schon zwei geplante Landungen anders als erhofft: Das US-Unternehmen Astrobotic mit Sitz in Pittsburgh schickte im Jänner die „Peregrine“-Kapsel los – ebenfalls Teil des „CLPS“-Programms der NASA. Schon kurz nach dem Start gab es jedoch Probleme aufgrund einer Störung des Antriebssystems. Den Ingenieuren gelang zwar zeitweilig eine Stabilisierung der Kapsel, das Ziel einer Mondlandung musste aber aufgegeben werden. Wenige Tage später verglühte „Peregrine“ in der Erdatmosphäre.

Kurz darauf setzte der Lander „SLIM“ (Smart Lander for Investigating Moon) der japanischen Raumfahrtbehörde Jaxa zwar sanft auf dem Mond auf, hatte allerdings zunächst Probleme mit der Energieversorgung. Erst nach tagelangem Stromausfall konnte „SLIM“ dann doch noch in Betrieb gehen. Damit ist Japan – nach den USA, Russland, China und Indien – das fünfte Land, das erfolgreich eine unbemannte Landung auf dem Mond vollbracht hat. Im April vergangenen Jahres war eine japanische Firma mit einer ähnlichen Mission gescheitert.

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