906 tödliche Unfälle wegen zu hohem Tempo seit 2014

Vorbeifahrendes Auto

In den vergangenen zehn Jahren verursachte nicht angepasste Geschwindigkeit in Österreich 906 tödliche Verkehrsunfälle, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt.

„Damit war jeder 4. tödliche Verkehrsunfall (26 Prozent) die Folge von zu schnellem Fahren“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest. Seit 2014 gab es auch 40.000 Verletzte aufgrund von zu schnellem Fahren.

Und allein in den ersten drei Quartalen des Vorjahres waren 82 tödliche Verkehrsunfälle (28,6 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle) die Folge von nicht angepasster Geschwindigkeit. Das waren um drei mehr als im gesamten Jahr 2022. Die meisten tödlichen „Raser“-Unfälle, nämlich 103 (32 Prozent), gab es im ersten Corona-Jahr 2020.

Verlängerter Anhalteweg

Mit niedrigeren Tempolimits kann die Verkehrsplanung bzw. die Verkehrspolitik wesentlich dazu beitragen, die Zahl schwerer Verkehrsunfälle zu reduzieren und Menschenleben zu retten, betont man beim VCÖ: Ein Pkw, der auf der Freilandstraße bei Tempo 80 einen Anhalteweg (Reaktions- und Bremsweg) von 51 Metern hat, steht mit Tempo 100 erst nach 74 Metern und hat nach 51 Metern noch eine Geschwindigkeit von über 60 km/h. Im Ortsgebiet wiederum halbiert Tempo 30 statt 50 den Anhalteweg und verringert die Zahl der Verkehrsunfälle und Unfallopfer.

„Tempo 30 statt 50 ist eine Maßnahme, die Menschenleben rettet. Das zeigt die Erfahrung in jenen Städten, wo großflächig Tempo 30 umgesetzt wurde“, so Jaschinsky. Graz war im September 1992 ein Pionier in Europa. Der VCÖ begrüßt, dass nun auch in Bregenz flächendeckend auf den Gemeindestraßen höchstens 30 km/h gefahren werden darf.

Auch die 35. StVO-Novelle, deren Begutachtungsfrist nun endet, und den Gemeinden und Städten die Umsetzung von Tempo 30 erleichtert, sei ein Schritt zu mehr Verkehrssicherheit. Der VCÖ betont in seiner Stellungnahme, dass für Kinder der gesamte Schulweg sicher sein muss und nicht nur der Abschnitt direkt vor der Schule.

Bewusstsein schärfen

Wichtig für die Vermeidung von Verkehrsunfällen sei auch das Schärfen des Bewusstseins, dass Tempolimits als Höchstgeschwindigkeit einzuhalten sind. Und, dass bei schlechten Sicht- oder Fahrbahnverhältnissen das Tempo stark zu reduzieren ist. „Weder sind Tempolimits eine Mindestgeschwindigkeit, noch ist zu schnelles Fahren ein Kavaliersdelikt“, stellt die VCÖ-Expertin fest.

Auch 10 km/h schneller verlängert den Reaktionsweg und Bremsweg. Der VCÖ kritisiert die hohen Toleranzgrenzen beim Überschreiten von Tempolimits und drängt darauf, diese nach Schweizer Vorbild zu reduzieren. Neben Bewusstseinskampagnen und einem stärkeren Fokus bei der Führerscheinausbildung sei auch die Vorbildrolle der Erwachsenen den mitfahrenden Kindern und Jugendlichen gegenüber wichtig.

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