Frühester Hitzetag mit 30 Grad in Österreichs Messgeschichte möglich

Wäre zehn Tage früher als beim bisherigen Rekord am 17. April 1934 © APA/THEMENBILD/GEORG HOCHMUTH

In den kommenden Tagen ist der früheste Hitzetag mit 30 Grad in einem Kalenderjahr in Österreich im Bereich des Möglichen. Das Wochenende und der Montag bringen viel Sonnenschein und sommerliche Temperaturen. Tagsüber wird es ungewöhnlich warm, mit Höchstwerten zwischen 23 und 28 Grad. Vereinzelt sind sogar 30 Grad möglich, besonders am Sonntag und am Montag, informierte Geosphere Austria am Freitag. Ein Hitzetag am Sonntag wäre zehn Tage früher als beim bisherigen Rekord.

Den bisher ersten „30er“ gab es am 17. April 1934 in der Stadt Salzburg. Der zweitfrüheste Termin für einen Hitzetag in Österreich war am 20. April 2018, ebenfalls in der Stadt Salzburg. Die höchsten in einem April gemessenen Temperaturen liegen in allen Bundesländern um 30 Grad und stammen fast alle erst von Ende des Monats. Den Temperaturrekord für April hält Niederösterreich mit 32,0 Grad am 28. April 2012 in Waidhofen/Ybbs, in Oberösterreich lag der Spitzenwert am selben Datum bei 31,8 Grad in Braunau/Ranshofen. Die Salzburger Höchsttemperatur in einem April waren 31,5 Grad am 27. April 2012 in Salzburg/Freisaal.

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In Vorarlberg stehen 31,2 Grad am 28. April 2012 in Bregenz im Geschichtsbuch, in Tirol 31,2 Grad am selben Tag in Kufstein. Der Wiener April-Rekord waren 31,2 Grad am 30. April 2012 bei der Messstelle Innere Stadt, dicht gefolgt am gleichen Datum vom Burgenland mit 31,0 Grad in Neusiedl/See. Die Höchsttemperatur in einem April in der Steiermark liegt mit dem 24. April 1968 und exakt 30,0 Grad in Leibnitz schon länger zurück. In Kärnten gab es im vierten Kalendermonat noch nie einen „30er“, hier sind 29,9 Grad am 7. April 2011 in Pörtschach der Temperaturrekord.

Die vorhergesagten Höchstwerte der kommenden Tage liegen etwa zehn bis 15 Grad über den für Anfang April typischen Werten. Durch die Klimaerwärmung treten sehr warme Wetterlagen immer früher auf, informierte Geosphere. Die 30-Grad-Marke wird mittlerweile auch in durchschnittlichen Jahren deutlich früher erreicht als noch vor einigen Jahrzehnten.

„In der jüngeren Vergangenheit, in der Klimaperiode 1991 bis 2020, wurde in Österreich der erste 30er im Durchschnitt am 19. Mai erreicht, wobei die typische Schwankungsbreite von Anfang Mai bis Anfang Juni reichte“, erläuterte Alexander Orlik, Klimatologe bei Geosphere Austria, „in der Klimaperiode 1961 bis 1990 wurde die 30-Grad-Marke im Durchschnitt am 30. Mai erreicht, mit einer typischen Schwankung von Mitte Mai bis Mitte Juni.“

Die milde Südströmung bringt in den nächsten Tagen wieder Saharastaub nach Europa. Nach aktuellem Stand der Prognose wird das aber in Österreich nicht so stark ausfallen wie am vergangenen Wochenende und die höchsten Konzentrationen der Staubwolke ziehen am Sonntag über Spanien, Frankreich und Deutschland.

Die Meteorologin, Klimaforscherin und -aktivistin, Helga Kromp-Kolb, bezeichnete den am Wochenende möglichen bzw. wahrscheinlichen frühesten Hitzetag in einem Statement gegenüber der APA als durchaus „ungewöhnlich“. Die Warmluftzufuhr aus Nordafrika sei an sich „nicht so außergewöhnlich“, dass sie nun aber derart warm ausfällt, so früh im Jahr kommt und hier auf ebenfalls bereits stark erwärmte Luftmassen trifft, hingegen schon.

Klar sei, dass die Luft aus Nordafrika nun „mit hohen Temperaturen sehr weit nach Norden“ vordringe. Gleichzeitig mache jedoch „der mittransportierte Saharastaub die exakte Temperaturprognose schwierig“, so die Wissenschafterin vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien. Den Einfluss des großflächigen, langfristigen Klimawandels auf derartige kurzfristige Wetterlagen abzuschätzen, ist wissenschaftlich freilich schwierig: „Dass das Temperaturniveau an sich höher ist, auch in den Ursprungsgebieten der Luftmassen“, sei jedoch „zweifellos eine Folge des Klimawandels“, betonte Kromp-Kolb.

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