Verkehrschaos durch Schnee in weiten Teilen Österreichs

Tiefwinterliche Fahrbahnverhältnisse bei Kaprun © APA/EXPA/ STEFANIE OBERHAUSER/EXPA/ STEFANIE OBERHAUSER

Ergiebiger Schneefall hat am Samstag in weiten Teilen Österreichs zu umfangreichen Verkehrsbehinderungen geführt. Tiefwinterliche Fahrverhältnisse führten nicht nur ganz im Westen – Vorarlberg und Tirol -, sondern auch in Ober- und Niederösterreich und im Süden zu Problemen. Die Wiener Außenring Autobahn A21 in Niederösterreich wurde aufgrund mehrerer hängen gebliebener Fahrzeuge Samstagmittag in beide Richtungen gesperrt – wann diese aufgehoben wird, ist unklar.

Wie die Asfinag informierte, wurde eine großräumige Umleitung eingerichtet. Zwischen den Knoten Steinhäusl und Vösendorf musste eine Komplettsperre verhängt werden, nachdem mehrere Fahrzeuge aufgrund des starken Schneefalls im Bereich des Wienerwaldes in den Steigungsbereichen stecken geblieben waren. Es wurde empfohlen, die A21 großräumig zu umfahren über die Kremser Schnellstraße S33, die Stockerauer Schnellstraße S5 und die Donauuferautobahn A22. Im Laufe des Nachmittags war der größte Teil der Bergungsarbeiten dann abgeschlossen. Noch gebe es aber Restarbeiten, erklärte ein Sprecher auf APA-Anfrage. Weiterhin gelte es daher, die Umleitungsstrecken in Anspruch zu nehmen.

Der ÖAMTC berichtete vor allem an der Alpennordseite und am Alpenostrand von tiefwinterlichen Fahrbahnverhältnissen, wobei sich am Nachmittag die Niederschläge nach Süden verlagerten. Zahlreiche Hauptverbindungen waren seit Samstagmorgen nur schwer passierbar, es kam immer wieder zu Staus und Unfällen. Auch Autobahnen waren betroffen, Fahrzeuge blieben hängen, was wiederum die Straßenräumungsarbeiten erschwerte. „Im Laufe der Nachmittagsstunden hat sich die Lage auf Österreichs Straßen leider nicht entschärft. Zahlreiche Bäume sind unter der Schneelast umgeknickt und müssen entfernt werden“, teilte eine ÖAMTC-Sprecherin am späten Nachmittag auf APA-Anfrage mit. Es seien bedauerlicherweise auch etliche, nicht auf den Wintereinbruch vorbereitete, schlecht ausgerüstete Verkehrsteilnehmende unterwegs: „Fahrzeuge stellen sich quer oder bleiben auf Bergstraßen hängen und stellen so ein großes Verkehrshindernis dar.“

Gesperrt waren neben der A21 die Süd Autobahn (A2) bei Wolfsberg Nord und dem Gräberntunnel Richtung Graz und die Pyhrn Autobahn (A9) zwischen dem Knoten St. Michael und dem Knoten Peggau-Deutschfeistritz, wobei sich laut ÖAMTC auf der Umleitungsstraße (S6-Knoten Bruck – S35) zahlreiche Staus und Unfälle ereigneten, was Verzögerungen von bis zu zwei Stunden zur Folge hatte. Die B317 (Friesacher Straße) musste wegen umgefallener Bäume zwischen Scheifling und Neumarkt gesperrt werden, die B110 (Plöckenpass Straße) auf italienischer Seite nach einem Felssturz. Auf der B7 (Brünner Straße) war am Samstagnachmittag der Grenzübergang aufgrund von Überlastung vorübergehend gesperrt, auf der A1 (West Autobahn) wurden ausgedehnte Staus zwischen dem Knoten Steinhäusl und der Westeinfahrt verzeichnet. Die B38 (Böhmerwald Straße) musste zwischen Freistadt und Rohrbach gesperrt werden.

Auch im Bahnverkehr führte der Wintereinbruch zu erheblichen Beeinträchtigungen. Das Deutsche Eck zwischen Salzburg und Kufstein beziehungsweise nach München ist bis Sonntag gesperrt. Es wurde zwar eine Umleitung über Zell am See eingerichtet, Verspätungen von bis zu zwei Stunden mussten aber in Kauf genommen werden. In Tirol gab es zeitweise immer wieder Unterbrechungen auf der Arlberg- und der Brennerstrecke, weil Bäume auf die Oberleitung stürzten. Betroffen war etwa auch die Karwendelbahn. ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair riet in Westösterreich von nicht notwendigen Zugreisen dringend ab. Am Flughafen Innsbruck wurde der Flugbetrieb eingeschränkt, neun Flüge wurden gestrichen.

In Vorarlberg und Tirol war über Nacht im Gebirge vielerorts 50 Zentimeter Neuschnee oder mehr gefallen, weshalb aufgrund der Verhältnisse die zweithöchste Lawinenwarnstufe (groß, Stufe 4) ausgerufen wurde. Diese bezog sich auf Lagen oberhalb der Waldgrenze bzw. 2.000 Meter Seehöhe. Spontane Lawinenauslösungen waren jederzeit möglich und und konnten exponierte Bereiche gefährden. Als problematisch wurde von den Lawinenwarndiensten der Bundesländer die oft nur schwache Bindung zwischen Neu- und Altschnee beschrieben. Wintersportler wurden zu äußerster Vorsicht aufgerufen.

Aufgrund des starken Schneefalls ereignete sich in Dornbirn-Gütle gegen 4.00 Uhr ein Erdrutsch, der Teile der Ebniterstraße sowie den Parkplatz des Nachtklubs „Conrad Sohm“ verlegte. Damit saßen die 91 Lokalgäste zunächst fest, ehe gegen 9.30 Uhr die Evakuierung des Gebäudes möglich wurde, informierte die Stadt Dornbirn. In Vorarlberg absolvierten die Feuerwehren bis zum frühen Nachmittag über 130 Einsätze. Die in das Kleinwalsertal führende deutsche B19 wurde wegen gefährdender Bäume von der Polizei vorerst bis Sonntag früh (09.00 Uhr) gesperrt.

In Tirol waren aufgrund von Straßensperren sechs Ortsteile vorübergehend nicht erreichbar: Ginzling im Zillertal, Gries am Brenner, Grameis (Bez. Reutte) sowie Unterberg, Großvolderberg und Volderwildbad (alle Gemeinde Volders). In Großvolderberg stürzte ein Baum auf ein Hausdach, verletzt wurde aber niemand. Im westlichen Bundesland setzte der Schnee jedoch nicht nur dem Straßen- und dem Bahnnetz, sondern auch dem Stromnetz zu. Wegen eines Stromausfalls hatte zum einen der Roppener Tunnel auf der Inntalautobahn (A12) vorübergehend gesperrt werden müssen, zum anderen ging aber auch in tausenden Haushalten das Licht aus. Nach Angaben der Tinetz – Tiroler Netz GmbH gegenüber ORF Radio Tirol waren insgesamt über 27.000 Kunden betroffen, am Abend waren es noch 1.300.

Im Bundesland Salzburg verschärfte sich durch die Neuschneemengen die Lawinensituation besonders im Bereich Hohe Tauern. Der Lawinenwarndienst des Landes Salzburg stufte die Gefahr eines Schneebretts als „groß“ ein. Speziell warnte man vor hoher Störanfälligkeit im Neuschnee. Die Alpinpolizei warnte in einer Presseaussendung am Samstag vor einer „heiklen Lawinensituation“ und mahnte „bewusste Zurückhaltung beim Geländefahren abseits der Pisten beziehungsweise bei Skitouren“ ein.

Beim Landesfeuerwehrkommando Salzburg berichtete man von bisher 100 Einsätzen. Hauptbetroffen waren der Flachgau und der Tennengau. Das Gros der Alarmierungen lag wie in Oberösterreich bei umgeknickten Bäumen und hängen gebliebenen Fahrzeugen. Sowohl die Feuerwehr als auch die Landespolizei berichteten hauptsächlich von Sachschäden. Personen seien nicht erheblich verletzt worden.

Der Wintereinbruch hielt auch in Oberösterreich die Einsatzkräfte auf Trab. Das Landesfeuerwehrkommando absolvierten allein von Mitternacht bis Samstagmittag (von etwa rund 900 Wehren in ganz Oberösterreich) 430 Feuerwehren über 790 Einsätzen mit ca. 6.400 Einsatzkräften, teilte das Landesfeuerwehrkommando in einer ersten Bilanz mit. Die meisten Einsätze betrafen hängen gebliebene Fahrzeuge sowie massiven Schneedruck, der Stromleitungen kappte. Etwa 26.000 Haushalte waren laut Netz OÖ gegen 10.00 Uhr ohne Strom.

„Bitte bleiben Sie zuhause, vermeiden Sie unnötige Fahrten mit dem Auto“, appellierte Hannes Niedermayr vom Landesfeuerwehrkommando (LFK) Oberösterreich im APA-Gespräch. Vom Zentralraum bis Innviertel seien die Einsatzkräfte schon „ziemlich gestresst“. Durch Schneelast umgestürzte Bäume blockierten Straßen landesweit und rissen Stromleitungen ab, in allen Bezirken müssen Fahrzeuge geborgen werden. Allein durch die landesweiten Stromausfälle werden die Kräfte gebunden. Seitens des LFK gibt es nämlich die Order, die Stützpunkte „in machbarer Stärke“ bei Blackouts zu besetzen, damit die Bevölkerung dort Hilfe suchen kann. Besonders im Bezirk Braunau bezeichnete der Offizier vom Dienst die Lage als „intensiv“ von den Einsätzen her. „Und wir haben erst Vormittag“, betonte Niedermayr.

In Walding (Bezirk Urfahr-Umgebung) wurde zwei Kameraden der Schneeeinsatz am Samstag fast zum Verhängnis. Während ein 55-Jähriger und ein 23-Jähriger dabei waren, einen umgestürzten Baum von der Fahrbahn zu bekommen, brach ein weiterer Stamm unter der Last des Neuschnees und traf die beiden Männer. „Sie trugen alle Schutzausrüstung“, teilte Kommandant Dominik Angerer der APA mit. Bei dem Älteren hatte der Helm auch einiges abbekommen. Der erfahrene Kamerad blieb vorerst noch im Spital, sein jüngerer Kollege konnte das Klinikum bereits verlassen. Durch Neuschnee und sogenannten Triebschnee stieg die Lawinenwarnstufe auf „erheblich“ (Stufe 3). Trotz der winterlichen Fahrverhältnisse erwischte die Polizei in der Nacht auf Samstag bei Schwerpunktkontrollen insgesamt 45 Alkolenker und sechs Fahrer unter Rauschgifteinfluss, wie diese in einer Presseaussendung mitteilte.

In Niederösterreich sorgte der heftige Schneefall in der Nacht auf Samstag dafür, dass die Feuerwehren in den vergangenen zwölf Stunden zu rund 120 Fahrzeugbergungen ausrücken mussten. Auf der B36 im Bezirk Melk etwa war am Freitagabend ein Tanklaster umgekippt, teilte Feuerwehrsprecher Klaus Stebal mit. Rund 130 Einsätze wurden aufgrund umgestürzter Bäume und Stauden verzeichnet. Das Haupteinsatzgebiet war das Wald- und das Weinviertel. Im Bezirk Amstetten führten die winterlichen Bedingungen in der Nacht auf Samstag zu knapp 30 Einsätzen, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando. Die Wehren wurden vor allem zu Fahrzeugbergungen und Sturmeinsätzen, etwa weil Bäume die Straße blockierten, gerufen. Außerdem kam es durch umgestürzte Bäume zu kleinräumigen Stromausfällen, die laut EVN rasch behoben werden konnten. Am Nachmittag mussten etwa 1.600 Haushalte in Pottenstein (Bezirk Baden) für ein paar Minuten ohne Strom auskommen, im Bezirk Krems Land waren es 60 und in Wilhelmsburg waren ebenfalls mehrere Trafostationen betroffen. Durch Umschaltungen konnten die Kunden meist in kurzer Zeit wieder mit Strom versorgt werden, hieß es.

Im benachbarten Burgenland wurden bis Mittag laut Landessicherheitszentrale acht Fahrzeugbergungen vor allem in den Bezirken Mattersburg und Oberpullendorf verzeichnet.

Auch in Kärnten und der Steiermark sorgte die winterliche Witterung für Probleme. Im steirischen Murtal bzw. den Bezirken Murtal und Murau waren wegen eines geknickten Hochspannungs-Strommasts am Abend 20.000 Haushalte ohne Strom, die Situation spitzte sich zu. Energie Steiermark-Sprecher Urs Harnik: „Wir müssen davon ausgehen, dass bis zu 20.000 Haushalte im Murtal auch über Nacht keinen Strom haben. Wir müssen davon ausgehen, dass die Mobilfunknetze über Nacht zusammenbrechen könnten.“ Die Feuerwehr werde die Rüsthäuser vorsorglich besetzen, diese wären dann über Nacht zentrale Kommunikationspunkte für Notfälle. Man arbeite mit allen verfügbaren Monteuren an der Behebung der Störung, seit Einbruch der Nacht ist die Arbeit aber noch schwieriger geworden. Die Landeswarnzentrale Steiermark teilte mit, dass auch die Rotkreuz-Dienststellen über Nacht und den Sonntag besetzt werden. Rotes Kreuz und Feuerwehren können im Notfall über den Behördenfunk Hilfe organisieren.

In Kärnten waren gegen 13.30 Uhr rund 4.000 Haushalte ohne Strom, die betroffenen Gebiete lagen von Villach ostwärts. Wie die Asfinag berichtete, sorgten massive Schneefälle dafür, dass schlecht ausgerüstete Lkw auf den Steigungsstrecken der Südautobahn (A2) insbesondere im Bereich Wolfsberg sowie auf der Pyhrnautobahn (A9) beim Gleinalmtunnel die Fahrbahnen blockierten. Die Schwerfahrzeuge waren teilweise ohne Winterreifen und Schneeketten unterwegs gewesen. Beim Gleinalmtunnel stürzten auch noch mehrere Bäume unter der Schneelast um. Erst nach Beseitigung dieser Hindernisse konnte sich die Feuerwehr zu den auf allen Fahrspuren quer stehenden Lkw vorkämpfen. Die A2 bei Wolfsberg wurde noch vor 15.00 Uhr wieder freigegeben. Die A9 war beim Gleinalmtunnel am Nachmittag weiterhin in beiden Richtungen gesperrt.

Das Rote Kreuz Steiermark berichtete von zahlreichen Unfällen und Verkehrsbehinderungen wegen der Schneefälle. Während die meisten Unfälle glimpflich ausgingen, forderte ein Frontalzusammenstoß zweier Pkw auf der B65 im Ilztal drei Verletzte, darunter ein Kind. Am Bahnhof Judenburg mussten rund 200 Zugpassagiere versorgt werden. Zwei S-Bahnen sind ohne Strom liegen geblieben. Die Menschen bekamen Tee und Decken, um sich warm zu halten.

Die Kärntner Feuerwehren waren ab den frühen Morgenstunden im Einsatz. Allerdings waren es hier zunächst Regen und teilweise auch Sturm, die für Probleme sorgten. Hohe Lufttemperaturen hatten die Schneefallgrenze auf über 1.700 Meter ansteigen lassen, berichtete die Landesalarm- und Warnzentrale. Im aufgeweichten Boden verloren Bäume den Halt und stürzten um. Im Tagesverlauf sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, der Regen ging in nassen Schneefall über, der die Fahrbahnen rutschig werden ließ. Die Feuerwehren mussten zu einigen Fahrzeugbergungen ausrücken. Bis 15.00 Uhr wurden 120 Feuerwehreinsätze in Kärnten verzeichnet, die meisten davon in den östlichen Landesteilen.

Schnee gab es am Samstag auch in Wien, zur Erleichterung der Einsatzkräfte hielten sich aber die damit einhergehenden Behinderungen in Grenzen. Die Berufsfeuerwehr berichtete Samstagmittag auf APA-Anfrage von „kleineren Einsätzen“, das Arbeitsaufkommen sei überschaubar.

Die ÖAMTC-Verkehrsexpertinnen und -experten appellierten an die Autofahrer, nicht dringend notwendige Fahrten auf einen anderen Tag zu verschieben. „Wer trotzdem unterwegs ist, sollte die Geschwindigkeit unbedingt an die Fahrbahnverhältnisse anpassen und möglichst vorausschauend fahren um gegebenenfalls auch Fahrfehler von anderen Verkehrsteilnehmern ‚abfedern‘ zu können“, hieß es.

Alle Informationen sind in Echtzeit im verkehrsmittelübergreifenden ÖAMTC-Routenplaner im Web unter oeamtc.at, in der ÖAMTC-APP (oeamtc.at) oder als Übersicht unter oeamtc.at einsehbar.

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