Lage auf Straßen entspannt sich – Zugverkehr weiter gestört

Feuerwehr beseitigt umgestürzte Bäume © APA/NÖLFK/FRANZ RESPERGER

Mit dem abklingenden Schneefall hat sich die Lage auf den Straßen in Österreich in der Nacht auf Sonntag etwas beruhigt. Wegen umgestürzter Bäume waren in der Früh aber noch zahlreiche Straßensperren in Kraft, so etwa auf der B154, im Bereich der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich, oder der A12 im Raum Innsbruck. Der Zugverkehr wird laut ÖBB noch länger beeinträchtigt sein. Es wird empfohlen, nicht dringende Reisen zu verschieben. Die Lawinengefahr war groß.

Vom ÖAMTC hieß es auf APA-Anfrage, es gebe zahllose Sperren in ganz Österreich wegen Unwetterschäden, dazu Kettenpflichten. Das Unfallgeschehen über die Nacht sei jedoch im Normbereich gewesen. Es sei vielfach zu Defekten gekommen, für die Witterung schlecht ausgerüstete Fahrzeuge seien unterwegs hängengeblieben. Die Wiener Außenring Autobahn A21, die am Samstag stundenlang in beiden Richtungen gesperrt war, ist mittlerweile wieder für den Verkehr freigegeben.

Die Pinzgauer Straße (B311) im Bundesland Salzburg musste Sonntagfrüh wegen einer Lawinensprengung im Bereich Brandlhof zwischen Saalfelden und Weißbach für rund eine Stunde gesperrt werden. In Großarl werde es erst einen Erkundungsflug geben, um die Gefahren-Lage durch vom Schnee belastete Bäume beurteilen zu können. Dabei werde auch versucht, mittels Flug-Wind, der durch die Rotoren des Hubschraubers verursacht wird, den Schnee von den Bäumen zu blasen, wie das Landesmedienzentrum Salzburg in einer Presseaussendung mitteilte.

Trotz entspannterer Wetterlage auch in Bayern fuhren am frühen Sonntag weiterhin keine Züge am Münchner Hauptbahnhof. Von Österreich konnte man via Bahn nicht in die bayerische Landeshauptstadt reisen. Abschnittsweise gesperrt war zudem die Ennstalstrecke bei Schladming. Am Deutschen Eck sind zwischen Salzburg und Kufstein beziehungsweise München bis zumindest morgen, Montag, keine Fahrten möglich, wie das ÖBB Medienzentrum in einer Presseaussendung in der Nacht auf Sonntag mitteilte. In einer Mitteilung am Samstagnachmittag war man noch von einer Sperre bis Sonntag ausgegangen. Züge zwischen Salzburg und Tirol werden teilweise über Zell am See umgeleitet, mit Verspätungen mit bis zu zwei Stunden müsse gerechnet werden. Der Münchner Flughafen nahm unterdessen um 06.00 Uhr planmäßig den Flugbetrieb wieder auf, teilte der Airport auf seiner Website mit. Es werde aber „weiterhin Einschränkungen im Luftverkehr“ geben. Der Flughafen in Innsbruck kehrte zum Normalbetrieb zurück.

Wegen großer Lawinengefahr der Stufe 4 auf der fünfstufigen Gefahrenskala mahnte der Lawinenwarndienst in Tirol Wintersportler am Sonntag zu „großer Zurückhaltung“. In Vorarlberg war die Lawinengefahr erheblich (Stufe 3), aber auch dort erging ein Appell an die Bevölkerung. Nach dem Ende der Schneefälle normalisierte sich das Geschehen in den beiden westlichsten Bundesländern, auch wenn nach wie vor viele Beeinträchtigungen wie Straßensperren bestanden.

Die große Lawinengefahr in Tirol war oberhalb und im Bereich der Waldgrenze gegeben. Das Auslösen von Lawinen war sehr leicht und auch durch nur einzelne Wintersportler möglich. Gefahrenstellen waren „auch unmittelbar neben den Pisten ausgeprägt vorhanden“, hieß es im Bericht des Lawinenwarndiensts. In Vorarlberg wurde betont, dass Aktivitäten abseits gesicherter Pisten Erfahrung in der Gelände- und Lawinenbeurteilung erforderten. In beiden Bundesländern wurde ausdrücklich vor dem Abgang großer Lawinen gewarnt.

Weiterer Neuschnee soll in weiten Teilen von Österreich am Sonntag ausbleiben, nur vereinzelt sollen in den nächsten Stunden vor allem in Niederösterreich und der Steiermark Flocken fallen. Doch es wird sehr kalt: Die Meteorologen rechnen im Laufe der Abend- und Nachtstunden mit gebietsweisen Tiefstwerten um minus 15 Grad. Auch am Montag und Dienstag bleibt es weiter kalt. Mit Glatteis ist zu rechnen, in den Kammlagen gilt außerdem erhöhte Lawinengefahr.

Die niederösterreichischen Feuerwehren verzeichneten am Samstag aufgrund des Schneewetters einen der arbeitsreichsten Tage der vergangenen Jahre: 1.200 Einsätze von 437 Wehren mit fast 6.000 Mitgliedern wurden gezählt, berichtete das Landesfeuerwehrkommando am Sonntag. Im Kritzendorfer Strombad (Bezirk Klosterneuburg) beispielsweise drohten dutzende Bäume entlang einer Allee auf die Stromleitung zu stürzen. Um einen großflächigen Stromausfall in der ganzjährig bewohnten Donausiedlung zu verhindern, entschied sich der Einsatzleiter dazu, den Schnee mit Wasser von den Bäumen zu spritzen – mit Erfolg, wie das Landesfeuerwehrkommando berichtete.

Laut dem Lawinenwarndienst Niederösterreich war am Sonntag Vorsicht geboten: In den Ybbstaler Alpen, dem Rax-Schneeberggebiet, am Semmering und den Tuernitzer Alpen etwa war die Lawinengefahr über 1.000 Meter erheblich. Frischer spröder Triebschnee konnte in Hängen über 30 Grad bereits bei geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden, wurde gewarnt. In den mittleren Lagen waren Gleitschneelawinen möglich. In den Gutensteiner Alpen wurde die Lawinengefahr mit mäßig beurteilt.

In der Bundeshauptstadt hatte die Berufsfeuerwehr auch alle Hände voll zu tun, um die mit dem für Wiener Verhältnisse heftigen Wintereinbruch einhergehenden Kalamitäten zu beseitigen. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste mussten entfernt werden, hängen gebliebene Lkw wurden von den Fahrbahnen geschafft. Es kam auch zu etlichen Verkehrsunfällen – meist blieb es bei Blechschäden. Die Wiener Berufsrettung registrierte keine witterungsbedingten Einsatz-Spitzen, appellierte am Sonntag aber an die Bevölkerung, weiterhin Vorsicht und Umsicht walten zu lassen. Vor allem Rad- und Gehwege waren großteils noch nicht von Schnee und Eis befreit.

Die Wiener Berufsfeuerwehr hatte von Samstag, 7.00 Uhr bis Sonntag, 7.00 Uhr zusätzlich zur Anzahl an üblichen Einsätzen weitere 400 zu bewältigen, die – wie ein Sprecher der APA darlegte – in Blöcken abgearbeitet wurden. Unterstützung kam dabei von den Freiwilligen Feuerwehren in der Bundeshauptstadt sowie dem Katastrophenhilfsdienst des Wiener Landesfeuerwehrverbands.

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