Missbrauch bei Pfadfindern: Über 100 Betroffene

Opfer sowohl Mädchen als auch Burschen

Die „riskantesten Orte“ waren laut der Studie, Pfadfinderlager, Reisen und Stammestreffen.
Die „riskantesten Orte“ waren laut der Studie, Pfadfinderlager, Reisen und Stammestreffen. © New Africa-stock.adobe.com

123 Betroffene und mindestens 50 Beschuldigte listet eine neue Studie auf, die sexuelle Missbrauchsfälle bei den Pfadfindern in Deutschland im Zeitraum von 1976 bis 2006 aufgearbeitet hat. Hinzu kommen laut der Studie des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) 24 Beschuldigte und 26 Betroffene, die zwar aus dem „Pfadfinderkontext“ stammen, aber nicht zum Verband gehören.

Betroffen waren nach Angaben der Wissenschafter bei den Pfadfindern ebenso viele Mädchen wie Buben. Die Täter seien allerdings nahezu ausschließlich männlich. Dabei gebe es „zwei Prototypen“, heißt es in der Studie: der ältere, erwachsene Pfadfinder und der Jugendliche oder junge Erwachsene, „der seine Stellung als Leitungsfigur benutzt, um Jüngere sexuell auszubeuten“.

Die „riskantesten Orte“ waren laut der Studie, Pfadfinderlager, Reisen und Stammestreffen. Übergriffe habe es „im Rahmen von Spielen und Ritualen“ gegeben, aber auch in privaten Situationen, etwa wenn Kinder und Jugendliche nach Hause gefahren worden seien.

Laut Peter Caspari vom IPP gebe es Andeutungen, dass Menschen sehr viel wussten, aber nichts sagen wollten, seine Kollegin Helga Dill berichtete von „anonymen Briefen, in denen schwere Formen von sexualisierter Gewalt geschildert wurden“. Als mögliche Gründe, warum Opfer bis heute schweigen, nannte sie Angst vor dem Täter, aber auch „überdauernde Loyalitäten gegenüber der eigenen Pfadfindergruppe“. Man wolle kein Nestbeschmutzer sein. Außerdem sei die Angst groß, nicht mehr dazuzugehören.

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