Tiroler Almsaison brachte deutlich weniger Schafsrisse

Der diesjährige Sommer ist für die Tiroler Almbauern deutlich glimpflicher ausgegangen als im Jahr zuvor. Während im Jahr 2022 413 Nutztiere von Wolf, Bär oder Goldschakal getötet worden waren, waren es heuer bisher nur 183. 134 Schafe wurden von Wölfen gerissen. „Das hat auch mit der Abschussverordnung-Regelung der Tiroler Landesregierung zu tun“, sagte LHStv. Josef Geisler (ÖVP) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Dort bilanzierten indes drei Pilotalmprojekte positiv.

Denn durch diese sei der „Jagddruck klar erhöht worden“, konstatierte Geisler, der für Land- und Forstwirtschaft ressortzuständig ist, in Landeck. „Aufgrund dieser Regelung und der Verordnungen sind nämlich dutzende Jäger im Land unterwegs und die Wölfe ziehen sich deshalb zurück“, skizzierte er die Auswirkungen der Verordnung, die von der schwarz-roten Landesregierung auf Schiene gebracht wurde. Bisher wurden drei Wölfe in Tirol erschossen, einer wurde überfahren. Insgesamt wurden nach dem rechtlich umstrittenen, neuen Regelwerk 16 Abschuss-Verordnungen erlassen.

Das allein reiche aber nicht aus, strich Geisler heraus. „Der Schutzstatus des Wolfes muss auf EU-Ebene gesenkt werden“, wiederholte Geisler eine Forderung, die von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) abwärts immer wieder aus Tirol zu hören gewesen war. Auch der aus Tirol stammende Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sprach sich mehrmals dafür aus. Zuletzt war diesbezüglich Anfang September Bewegung in die Sache gekommen. Die EU-Kommission überlegte Änderungen beim Schutzstatus von Wölfen in der EU, wollte aber noch mehr Daten zum Thema sammeln. „In Brüssel bewegt sich derzeit zweifellos etwas, zumal es in Teilen Europas auch Problemen mit Wölfen gibt,“ erklärte auch Geisler dazu.

Klar sei jedenfalls, dass es eine EU-weite Vorgehensweise in Sachen Wolf brauche, fügte der Landeshauptmannstellvertreter noch hinzu. „Von Seiten des Landes Tirol haben wir jetzt alle Möglichkeiten ausgereizt“, so Geisler. Der Wolf mache aber definitiv nicht vor Grenzen halt und es müsse ein „europaweites Wolfsmanagement“ auf Schiene gebracht werden, erklärte er.

Auf Landesebene ging man unabhängig davon den Weg von Pilotalmprojekten mit Herdenschutz weiter, für die man im Jahr 2023 rund 430.000 Euro in die Hand nehmen werde, führte Geisler aus. „Bei den derzeit drei Projektalmen des Landes investieren wir beispielsweise in eine gelenkte Weideführung, ständige Behirtung sowie in wolfsabweisende eingezäunte Übernachtungsplätze“, berichtete er. Dieser wichtige Mosaikstein im Umgang mit großen Beutegreifern sei aber nicht beliebig auf alle Tiroler Almen übertragbar, sagte Geisler. „Aufgrund der Lage von manchen Tiroler Almen ist das nur bei rund 50 Prozent machbar“, merkte Geisler an. Zudem kämpfe man mit Personalproblemen: „Zum Teil würden wir auch das dafür notwendige Personal nicht finden, denn der Fachkräftemangel spielt auch in diesem Bereich eine große Rolle.“

Dem schlossen sich die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesenden Obmänner der drei Pilotalmen an. „Es ist nicht ganz einfach, aber die Hirten und Hunde arbeiten gut“, gab sich der Obmann der Alminteressensgemeinschaft Spisser Schafberg, Robert Hueber, dennoch optimistisch. Josef Gitterle, im Land Tirol zuständig für Herdenschutz, zog ebenfalls trotz aller Herausforderungen eine positive Bilanz: „Der Sommer verlief gut.“ Auch auf der Verwall Alm zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden.

Die von Geisler als wichtiger Beitrag des Landes zum tirolweiten „Wolfsmanagement“ bezeichnete Verordnungs-Regelung ist nicht unumstritten. Von Experten war etwa die Rechtmäßigkeit der von der schwarz-roten Landesregierung – und anderen Bundesländern – gewählten Vorgangsweise in Zweifel gezogen worden. Die beiden an der Uni Innsbruck lehrenden Europarechtler Walter Obwexer und Peter Hilpold hatten diese gegenüber der APA als eindeutig EU-rechtswidrig bezeichnet. Auch die Tiroler Koalitionäre selbst sprachen von einem „juristischen Grenzgang“.

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