WWF-Kritik an Fischotter-Tötungen: Kein Nutzen für Fischerei

Der Fischotter ist den Fischern ein Dorn im Auge © APA/dpa/Georg Wendt

Seit 2022 erlaubt die Oberösterreichische Fischotterverordnung die – begrenzte – Jagd auf die an sich geschützten Tiere. Man folgte damit dem Wunsch der Fischereiwirtschaft, die beklagte, dass der Fischotter den Fischbestand dezimiere. Allerdings: Eine damals schon vorliegende, aber erst jetzt veröffentlichte Studie im Auftrag des Landes kam zum Ergebnis, dass Entnahmen keine Auswirkungen auf den Bestand in den Fließgewässern haben dürften, wie der WWF aufmerksam machte.

Die Entnahme – als vorübergehende Ausnahme von der Schonzeit – wurde ab September 2022 zunächst bis in den Herbst 2028 gestattet. Eine wissenschaftliche Begleitung und ein jährliches Monitoring wurden in der Verordnung festgelegt. Allerdings hatte das Land offenbar schon im Vorfeld eine Studie beauftragt. Sie wurde vom ezb – TB Zauner, Technisches Büro für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft, durchgeführt und im April 2022 fertiggestellt. Von 2018 bis 2021 wurden vier oberösterreichische Gewässersysteme – Steinerne Mühl, Große Rodl, Obere Steyr sowie Pech- und Neustiftgraben – und Referenzgewässer untersucht. Im Studienzeitraum wurden dort insgesamt 52 Fischotter-Entnahmen gemeldet.

Das Ergebnis: An der Steinernen Mühl sei „kein signifikanter Nachweis einer positiven Reaktion des Fischbestands“ festgestellt worden, heißt es wörtlich, ebenso wenig an der Großen Rodl. Im Referenzgewässer Waldaist habe sich der Fischbestand ganz ähnlich entwickelt. „Das deutet darauf hin, dass andere Faktoren als die Entnahme von einigen Fischottern pro Gewässer und Jahr die zeitlich-räumlichen Muster der Fischbestandsentwicklung im beobachteten Zeitraum geprägt haben“.

Die Forellenbestände in den flussabwärts gelegenen Abschnitten dieser Gewässer im Mühlviertel hätten sich sogar verschlechtert. Im Pech- und Neustiftgraben waren die Ergebnisse ähnlich, lediglich in der Oberen Steyr gab es einen Anstieg des Fischbestandes. Dieser begann laut der Studie aber bereits vor den Otterentnahmen und könnte im Zusammenhang mit intensiven Besatz-Maßnahmen stehen.

Aus dem zuständigen Agrarressort des Landes Oberösterreich hieß es auf APA-Anfrage, Grundlage für die Fischotter-Verordnung sei eine andere „landesweite aussagekräftige Studie der Universität Graz aus dem Jahr 2021“ gewesen, die dem Fischotter einen „günstigen Erhaltungszustand“ bescheinigt habe.

Die Publikationen, auf die sich der WWF beziehe, hätten aufgrund von Hochwasser etc. „keine gesicherten aussagekräftigen Ergebnisse“ geliefert. Dass sie erst veröffentlicht wurden, nachdem der WWF vor das Landesverwaltungsgericht gezogen war, begründet man damit, dass die Behörde „zunächst vom Vorliegen gesetzlicher Mitteilungsschranken ausging“.

Christina Wolf-Petre vom WWF kritisierte im Gespräch mit der APA, dass man den Fischotter zum „Sündenbock“ mache. Seit seiner Wiederausbreitung in den 2000er-Jahren werde er für die sinkenden Fischbestände verantwortlich gemacht – „und das ohne jede wissenschaftliche Basis“. Die rückläufigen Bestände seien vielmehr auf den schlechten Zustand der Gewässer, etwa durch höhere Wassertemperaturen und infolge dessen eine stärkere Ausbreitung von Krankheiten, auf Sauerstoffmangel, Hormone, Antibiotika, Pestizide, Reifenabrieb oder Straßenabwässer etc. zurückzuführen. Hier wäre ein Maßnahmenbündel sinnvoller, so die Artenschutzexpertin. Sie kritisiert auch, dass man den Fischern vermittle, dass sich der Bestand durch die Fischotterentnahmen verbessern werde, das sei aber nicht der Fall.

Darüber hinaus bezweifelt der WWF, dass die Entnahme-Verordnungen in Einklang mit der FFH-Richtlinie der EU stehen würden, wonach Ausnahmen vom strengen Schutz nur in Einzelfällen genehmigt werden dürften. Derzeit würde es nicht nur in Oberösterreich, sondern auch in Niederösterreich, Kärnten, Salzburg und der Steiermark Entnahmen geben, „das summiert sich auf 200 Exemplare im Jahr“.

Die Entnahmerate des Fischotters in Oberösterreich liege laut Land bei rund zehn Prozent und damit unter der jährlichen Zuwachsrate. Das begleitende von der Universität Graz durchgeführte jährliche Monitoring habe 2023 gegenüber 2021 mehr Losungsfunde ergeben. Daher sei die Entnahmerate von 64 auf 67 erhöht worden.

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