Wie ein Manager aus dem Innviertel über die Liebe zum Kaffeeröster wurde …

... und welche Rolle das afrikanische Land Äthiopien dabei spielt

Erich Fussl (55) betreibt in Reichersberg unter dem Markennamen „Habeshawit“ (steht für „Äthiopien repräsentieren“) eine Kaffeerösterei, in der neben hochqualitativem Kaffee aus äthiopischen Hochlandbohnen auch Kaffeelikör hergestellt wird. Die Rösterei kann besichtigt werden.
Erich Fussl (55) betreibt in Reichersberg unter dem Markennamen „Habeshawit“ (steht für „Äthiopien repräsentieren“) eine Kaffeerösterei, in der neben hochqualitativem Kaffee aus äthiopischen Hochlandbohnen auch Kaffeelikör hergestellt wird. Die Rösterei kann besichtigt werden. © Röbl

Dass es ihn einiges Tages als als Kaffeeröster nach Reichersberg verschlagen würde, hätte sich Erich Fussl auch selber nie gedacht. Wie so vieles nicht: Nach Wirtschaftsstudium in Wien und Bankakademie in Mannheim führte sein beruflicher Werdegang den gebürtigen Rieder hinaus in die weite Welt.

Kein Wunder, dass sein Lebenslauf denn auch eher wie eine Mischung aus Abenteuerroman und Weltreise klingt. Nach mehrjährigen Stationen in Texas oder British Columbia war es der heute 55-Jährige gewohnt, als Fondsmanager selbst vor Ort in Asien und Afrika Projekte zu entwickeln.

Dass ihm ausgerechnet ein „privates Projekt“ in Afrika einen beruflichen Neustart bescheren würde, stand nicht ganz am Plan. Das „private Projekt“ heißt Semarit und ist heute seine Ehefrau.

Kennen und lieben gelernt hat er sie in Äthiopien. Und weil schon bald eine Familiengründung mit mittlerweile zwei Kindern (2,4) im Raum stand, besann er sich seiner Wurzeln im Innviertel.

Back to the Roots

Dass die Familie seiner Frau über gute Kontakte zu Kaffee-Plantagenbesitzern verfügt, war bei der Wahl eines neuen beruflichen Standbeines höchst hilfreich. Vor vier Jahren begann man damit, biologisch erzeugte Kaffeebohnen zu importieren und in Reichersberg selbst zu rösten.

Dass ihm seine beruflichen Erfahrungen bei der Vermarktung und ein angeborener Hang zur Perfektion bei der Produktion dabei hilfreich waren, zeigt mittlerweile auch der Erfolg: Die Nachfrage wuchs beständig. Zahlreiche Stammkunden aus Bayern und Oberösterreich schwören auf die Röstungen, denen auch wissenschaftliche Atteste besonders magenschonende Bekömmlichkeit bescheinigen.

Ein Handwerkspreis für den ebenfalls erzeugten Kaffeelikör unterstreicht zudem die Qualität der Produkte. Weil mittlerweile auch der Handel eine immer größere Nachfrage entwickelt, fand sich das Familienunternehmen vor einem Scheideweg: Klein bleiben oder wachsen.

Man entschied sich für Zweiteres, allerdings mit einem Hintergedanken: Auch hier hieß das Motto „Back to the Roots“: „Wir wollen wachsen, gleichzeitig aber auch helfen“. Konkret vor Ort in Afrika. Ein Teil der Wertschöpfung soll daher zurück nach Äthiopien verlagert werden. Zwei Röstmaschinen wurden angekauft und sollen zu Beginn des kommenden Jahres in Addis Abeba aufgestellt werden. „Damit schaffen wir Arbeitsplätze dort, wo der Rohstoff herkommt“, sieht Fussl einen Beitrag zur oft beschworenen „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Von Andreas Röbl

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