Cixin Liu: Supernova

Mit seiner fantastischen „Drei-Sonnen“-Trilogie ist Cixin Liu, einer der erfolgreichsten chinesischen Science-Fiction-Autoren, zum Genre-Star geworden. Mit „Supernova“ kam nun das im Original 2003 erschienene Roman-Debüt des 58-Jährigen in deutscher Fassung in den Handel. Doch so gut der Ansatz der Geschichte, so plump die Ausführung. Man stelle sich eine Welt vor, in der es plötzlich nur noch Kinder gibt. Wie würde sich die Gesellschaft entwickeln, wenn über Nacht alle Erwachsenen weg sind? Der Brite William Golding ist mit „Herr der Fliegen“ bereits in den 50er-Jahren dieser Frage nachgegangen und hat eine düstere Antwort geliefert: Unter den in seinem Roman auf einer Insel gestrandeten Jugendlichen bricht tödliche Gewalt aus. Mit „Supernova“ überträgt Cixin Liu, der in dem 500-Seiten-Buch sogar Goldings Klassiker erwähnt, das Szenario auf die ganze Welt — und zeichnet eine ähnlich pessimistische Entwicklung, auch wenn das Ende doch Hoffnung bietet.

Eine Strahlenwolke durchdringt die Erde. Für alle über 13 hat das letale Auswirkungen, nur ein Jahr bleibt den Betroffenen bis zum kollektiven Ableben, um ihren Nachwuchs auf eine Welt ohne Erwachsene vorzubereiten. Zwar versuchen die Kinder zunächst, die Berufe ihrer Eltern zu übernehmen, aber bald wollen sie nur eines: spielen. Und bald lassen sich alle Kinder dieser Welt für ein globales Kriegsspiel begeistern … „Supernova“ beginnt vielversprechend. Cixin Liu präsentiert mit viel Fantasie, wie die Menschheit auf die Herausforderung reagiert, sich auf die Folgen der Katastrophe vorzubereiten. Die Komplexität und Genialität der Trisolaris-Trilogie bietet dieses Frühwerk des Autors aber nicht, der hier auch zu viele Stereotypen bedient. In einer Zeit, in der sich junge Menschen intensiv für ihre Umwelt einsetzen und sozial engagieren, wirkt der Roman in dem Kinder bloß spielen antiquiert.

Cixin Liu: Supernova, Heyne Verlag, 512 Seiten, 15,95 Euro

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