„Coaching wird meist überbewertet“

Beim Kommunalpolitischen Forum der OÖVP spricht am Samstag Körpersprache-Experte Stefan Verra

Am Freitag und Samstag treffen sich wieder Gemeindepolitiker aus ganz Oberösterreichs in Bad Schallerbach beim Kommunalpolitischen Forum der OÖVP. Es gilt als der größte kommunalpolitische Kongress in Österreich und stellt eine der wichtigsten Plattformen für den kommunalpolitischen Dialog dar.

Neben LH Thomas Stelzer wird am Freitag auch ÖVP-Chef Sebastian Kurz erwartet. Der  Abschluss am Samstag ist ein Vortrag von Körpersprache-Experte Stefan Verra sein.

 

Zur.Person

STEFAN VERRA

Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten im deutschen Sprachraum. Er hält weltweit Vorträge, ist Gastdozent, Bestsellerautor und teilt seine Tipps und Körpersprache-Analysen auf www.stefanverra.com. In seinem aktuellen Buch „Leithammel sind auch nur Menschen — die Körpersprache der Mächtigen“ analysiert er sieben Weltpolitiker und zeigt auf, was wir persönlich von ihnen für unser eigenes Leben lernen können.

VOLKSBLATT: Sie gelten als „Rockstar“ der Körpersprache. Wie kann man es lernen, Körpersprache besser zu verstehen?

VERRA: Als Kinder haben wir Körpersprache wunderbar lesen können. Das Geheimnis ist, sich auf den Gesamteindruck zu konzentrieren — und nicht Einzelsignaldeuterei zu betreiben. Als Baby mussten wir die Grundhaltung der Mutter erkennen: Ist Mama heute hektisch und nervös? Oder ist sie völlig entspannt und mir zugewandt? Daraus haben wir unbewusst ein Aktivitäts- bzw. Sicherheitsgefühl abgeleitet. Kein Kind deutet Einzelsignale wie ein Zucken ihrer linken Augenbraue oder das Verschränken der Finger. Genau das bringe ich den Menschen in Seminaren bei: Woran erkennt man den Gesamtzustand eines Menschen.

Auf was soll man als erstes schauen?

Auf sich selbst. Wer nämlich meint, nur der andere hat eine Körpersprache, vergisst, dass man mit seiner eigenen den anderen beeinflusst. Immer! Wer also das Gefühl hat, er ist von lauter griesgrämigen Unsympathlern umgeben, sollte sich mal im Spiegel betrachten. Vielleicht sendet er selber solche Signale aus.

In Ihrem Buch analysieren Sie die Körpersprache der Mächtigen. Der „Putin-Blick“, der „Trump-Finger“ oder die „Merkel-Raute“ — gibt es Gemeinsamkeiten bei den Mächtigen?

Ja, eine sehr große! Alle, die es bis ganz nach oben geschafft haben, erzeugen über ihre Körpersprache eine starke Bindung zu Menschen. Trump mit seiner aufgeregten bis aggressiven Körpersprache spiegelt die Verärgerung vieler Amerikaner wider. Die fühlen sich damit mehr verstanden, als von einer Körpersprache, wie sie zum Beispiel Merkel zeigt. Die wiederum spricht mit ihrer unbewegten, stabilen Körpersprache jene Menschen an, die den Status Quo beibehalten wollen. Im Übrigen tun wir das genau so bei Kindern. Wir spiegeln ihre Körpersprache wider — traurigen Kindern begegnen wir mit einer traurigen Mimik, freudigen Kindern mit erfreuter Mimik — um ihnen zu vermitteln: Ich bin emotional mit dir verbunden.

Sie analysieren in diesem Buch auch Sebastian Kurz. Schon einmal persönlich mit ihm darüber gesprochen?

Nein. Es ist wichtig, immer in der Position des Wählers zu bleiben. Was bekommen wir zu sehen, wenn wir Politiker im TV oder im Internet sehen? Danach entscheiden wir, ob wir ihn als kompetent, sympathisch und vertrauenswürdig ansehen, oder eben nicht. Deswegen lege ich keinen besonderen Wert darauf, Politiker persönlich zu treffen. Im übrigen lehne ich Coaching-Aufträge von Politikern grundsätzlich ab.

Jeder spricht sie zwar, aber kann man Körpersprache erlernen?

Das schöne ist, dass wir sie nicht lernen müssen. Als Kinder war es unsere einzige Kommunikati- onsmöglichkeit. Wir müssen ein Leben lang lernen, die kindliche Vielfalt am Leben beizubehalten. Oft reduzieren wir aber die Vielfalt aus Angst vor Fehlern, aus Angst, peinlich zu wirken. Dabei gibt es ein Gesetz, das besagt: Der, der die meiste Vielfalt hat, hat die größte Wirkung auf Menschen.

Wie wichtig ist heutzutage das Coaching? Und kann man noch ohne ein solches in der Spitzenpolitik reüssieren?

Dieses Coaching wird meist überbewertet. Wichtig ist, dass ein Talent vorhanden sein muss. Ein guter Coach kann dieses Talent dann fördern. Wer aber meint, man könne einen charismatischen Politiker „produzieren“, wird feststellen, dass das Ergebnis immer unauthentisch sein wird.

Die Fragen an STEFAN VERRA stellte Herbert Schicho

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