Comics à la Alfred Kubin

Landesgalerie Linz beteiligt sich erstmals an Nextcomic-Festival

ATAK: Daily Painting, 11. 8. 2008, Mischtechnik auf Papier
ATAK: Daily Painting, 11. 8. 2008, Mischtechnik auf Papier © ATAK

Von Mariella Moshammer

„Sie dürfen sich keine Sprechblasen und Superhelden erwarten“, führt Kuratorin Jasmin Haselsteiner-Scharner in die erste Ausstellung der Landesgalerie Linz im Zuge des Nextcomic-Festivals, das in Linz, Traun, Steyr und Steyrermühl stattfindet, ein. Zum 10. Jubiläum beteilige man sich erstmals, sagt die Leiterin der Landesgalerie, Gabriele Spindler. „Wir wollten aber nicht irgendeinen Beitrag leisten, sondern etwas, das mit unserem Bau zu tun hat.“ So hat man einen Meister der Illustration zum Mittelpunkt gemacht, der eng mit dem Haus verbunden ist und dessen Todestag sich heuer zum 60. Mal jährt. Immerhin befindet sich der weltweit größte Bestand an Arbeiten Alfred Kubins darin. Sein Zyklus „Phantasien im Böhmerwald“ — zu sehen aktuell im Kubin-Kabinett — erinnert frappierend an heutige Comics.

Täglich Gezeichnetes wird zum Comicstrip

„Es zog mich durch die Bilder … Kubin@Nextcomic“ zeigt Arbeiten von acht Künstlern, die sich mit Kubins Werk, aber auch mit seinen großen Themen — Groteskes, Monströses, Grauenhaftes, Bedrohliches … — auseinandersetzen, teils konkret, teils assoziativ. Motiviert, sowohl als Zeichner, als auch als Schriftsteller tätig zu sein, hat Kubin den Künstler Nicolas Mahler, der mit Ausschnitten seines Buchs „Der fremde!“ in der Landesgalerie vertreten ist. Jeden Tag erweitert ATAK sein seit 2006 entstehendes Werk „Daily Paintings“. Kleine Bilder werden zum Comicstrip, ein „buntes Sammelsurium“, so Haselsteiner-Scharner, von SpongeBob bis da Vinci, immer wieder kubinsche Momente. Eigens für die Schau kreierte ATAK eine Schultafel, stark „gekennzeichnet vom Frühwerk Kubins“, sagt die Kuratorin Sabine Sobotka. Eingebaut hat der Künstler sogar eine Zeichnung des zehnjährigen Kubins, Tiger und Krokodil inklusive.

Dem „surrenden Mikrokosmos“ der Parasiten widmet sich Brigitta Falkner in dicht gehängten reduzierten Drucken. Auch die erste Fotoarbeit der Wienerin ist in Linz zu sehen.

Bewusst wurde in den Räumen auf die Beschriftungen verzichtet, das Saalheft bietet Informationen und erörtert die Beziehungen der Künstler zu Kubin. Darin beschreibt etwa Thomas Ott, dass er bereits als Teenager von dessen düsteren, traumartigen Schwarz-Weißzeichnungen fasziniert war. „Die Welt von Kubin liegt nicht weit von meiner Welt.“ An der Wand großformatige Dreifaltigkeit: Vater, Mutter, Kind, die Organe morbid zur Schau gestellt. In einem Comicstrip ist der „Held“ ein erfolgloser Selbstmörder. Kubin lässt auch hier grüßen. Der Linzer Franz Suess schickt seine kindlichen Helden in eine verwahrloste Hütte, um Wein und Sexheftchen zu konsumieren, was sie zu Kubins Satz verleitet: „Es zog mich durch die Bilder“.