Contact Tracer: „Es ist täglich detektivische Kleinarbeit“

Klaus Schneider, Software-Entwickler in der Hochbau-Abteilung des Landes, spürt seit Herbst Kontakte von Corona-Positiven auf

Klaus Schneider hilft als Contact Tracer des Landes mit, Corona-Positive aufzuspüren, damit das Infektionsgeschehen in Ober- österreich eingedämmt werden kann.
Klaus Schneider hilft als Contact Tracer des Landes mit, Corona-Positive aufzuspüren, damit das Infektionsgeschehen in Ober- österreich eingedämmt werden kann. © Land OÖ

Statt Software in der Hochbau-Abteilung des Landes zu entwickeln, hängt Klaus Schneider (36) seit vergangenem Herbst täglich stundenlang am Telefon.

Er ist einer von etwa 150 Contact Tracern im Landes-Pool, die die 15 Bezirkshauptmannschaften bei der Nachverfolgung der Kontakte von Personen, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben, unterstützen. Aktuell liegt die Nachverfolgungsquote bei 69 Prozent.

Landes-Pool unterstützt BH-Mitarbeiter

„Wir fangen die Spitzen ab und versuchen die von den Bezirkshauptmannschaften eingemeldeten Fälle möglichst am gleichen Tag abzuarbeiten“, schildert Schneider im VOLKSBLATT-Gespräch. Konkret finden er und seine Kollegen auf einer digitalen Oberfläche die aktuell zu bearbeitenden Fälle vor.

„Die erste Person wird kontaktiert, ihr das positive PCR-Ergebnis und die sofort gültige Quarantäne freundlich mitgeteilt. Nach der Erhebung der grundsätzlichen Daten erkläre ich, nach welchen Gesichtspunkten der Betroffene alle seine Kontakte in den vergangenen 96 Stunden auflisten soll. Dabei geht es um Personen, mit denen man länger als 15 Minuten ohne Corona-Maßnahmen zusammengetroffen ist, bzw. direkten Körperkontakt hatte. Dafür hat er eine Stunde Zeit, dies auf einer Plattform zu melden, ein Mail zu schicken oder eine Liste zusammenzuschreiben, die ich dann telefonisch noch einmal mit ihm durchgehe“, erläutert Schneider den Vorgang.

„Mittlerweile wissen die Menschen schon sehr genau, was sie sagen müssen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass wir richtig informiert werden, manche verstricken sich aber in Widersprüche und ganz selten hat man es mit einem Corona-Leugner zu tun“, weiß der 36-Jährige aus Erfahrung.

Kontaktpersonen der Kategorie 1 und 2 müssen sich dann ebenfalls testen lassen, K1-Personen kommen zusätzlich in Quarantäne.

In Einzelfällen bis zu 80 Kontaktpersonen

Handelt es sich um ein größeres Aufkommen in einem Betrieb, wird auch mit dem Firmenchef Kontakt aufgenommen, im Fall einer Schule mit der Direktion.

Schneider hat es ständig mit einer „detektivischen Kleinarbeit“ zu tun. In der Regel kommen pro Neuinfizierten zwischen fünf und zehn Kontakte zusammen. Es könne aber auch vorkommen, „wenn zum Beispiel ein Lehrer an mehreren Schulen tätig ist, dass es bis zu 80 Kontaktpersonen gibt. Dann helfen wir zusammen, um diese möglichst rasch alle zu erreichen“, so Schneider.

Normalerweise kann ein Contact Tracer pro Tag zwei bis drei Ursprungsfälle komplett abarbeiten. Wenn ein Neuinfizierter als Kontaktperson bereits in Quarantäne war, geht es rascher und man schafft mehr. Derzeit werden rund 100 bis 150 Fälle pro Schicht abgewickelt, während der zweiten Welle im Herbst waren es bis zu 500. Dazwischen saß Schneider auch schon am Impftelefon.

Nach vier Schichten von 7.30 bis 15 Uhr und vier zwischen 15 bis 22 Uhr gibt es vier freie Tage, an denen der Contact Tracer nichts mehr von SARS-CoV-2 hören will.

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