Cornelia Pöttinger: „War früher kein Fan von Quoten“

Cornelia Pöttinger wird online zur Landesleiterin der „Frauen in der OÖ Volkspartei“ gewählt

Cornelia Pöttinger
Cornelia Pöttinger © ÖAAB/Wakolbinger

Anfang des Jahres wurde Cornelia Pöttinger als Landesleiterin der OÖVP Frauen designiert, noch bis Freitag läuft nun die Online-Abstimmung — über Vorstand und neuen Leitantrag.

VOLKSBLATT: Wie kann man sich einen digitalen Landestag vorstellen?

PÖTTINGER: Bis 23. Oktober um 17 Uhr kann über Leitantrag und Wahlvorschlag im Internet abgestimmt werden. Wir können garantieren, dass das Wahlgeheimnis gewahrt wird. Die Delegierten bekamen einen personalisierten Link und können seit Freitag ihre Stimme abgeben.

Gab es Rückmeldungen?

Wir haben sehr positive Rückmeldungen, dass das sehr vernünftig sei. Ursprünglich wollten wir einen konventionellen Landestag abhalten, aber das wäre doch über 200 Personen gewesen. Wie wir uns dann entschieden haben es online zu machen, haben sich auch Delegierte gemeldet, die zu einem Präsenz-Landestag gar nicht gekommen wären.

Die persönlichen Kontakte sind derzeit eingeschränkt, wie haben Sie den in den vergangenen Monaten den Kontakt zu Mitgliedern gehalten?

Es war schon anders als sonst. Aber ich habe im Sommer alle Bezirke besucht und Gespräche mit allen Bezirksobfrauen und den Mitgliedern der Bezirksleitung gehabt – meist waren wir draußen unterwegs. Einen Teil davon haben wir mit Video begleitet und haben dann kurze Clips online gestellt – ohne die sozialen Medien wäre es in diesen Tagen nicht so einfach.

Von Home-Schooling und Distance-Learning waren Frauen oft mehr betroffen und auch in der Arbeitswelt waren die Helden meist weiblich. Sind die Frauen die Verlierer der Corona-Krise?

Das ist die falsche Bezeichnung, aber Frauen waren und sind in der Corona-Krise anders betroffen. Dieser Lockdown hat allen gezeigt, dass in systemrelevanten Bereichen viele Frauen arbeiten – im Handel, in der Pflege, im Gesundheitsbereich. Aber der Bund und die Landesregierung haben auch konkrete Maßnahmen gesetzt, die Frauen unterstützen, etwa den Bonus im Gesundheitsbereich oder den Familienhärtefonds oder die Verlängerung der Sonderbetreuungszeit.

Irgendwann ist auch die Corona-Krise vorbei, in der Frauenpolitik gibt es aber noch einige Baustellen. Wo muss der Hebel angesetzt werden?

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Ganz wichtig ist das automatische Pensionssplitting. Das ist ganz wichtig im Kampf gegen die Altersarmut. Und natürlich gibt es noch immer die Einkommensschere. Es braucht aber gleichen Lohn für gleiche Arbeit und Transparenz. Und es muss auch bei der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf etwas getan werden. Und wir sollten die veralteten Rollenbilder bei der Berufswahl überwinden.

Die Frauenministerin kommt nun aus OÖ, konnten Sie schon Anregungen bei ihr deponieren?

Ich habe sie schon persönlich getroffen und auch schon per Video mit ihr konferiert. Wir freuen uns natürlich, dass wir mit Susanne Raab eine lösungsorientierte Ansprechperson haben.

Kommendes Jahr stehen in Oberösterreich Wahlen an, wie können Frauen für die Politik begeistert werden?

… indem wir aufzeigen, dass man die eigene Lebenswelt politisch mitgestalten kann. Mit unserem Landestag gehen ja auch Statutenänderungen einher, wir nennen uns jetzt „Frauen in der OÖ Volkspartei“ und nicht mehr OÖVP Frauen. Damit wollen wir noch mehr das verbindende Element sein, zwischen den Frauen in den verschiedensten Teilorganisationen und Bünde und in den verschiedensten Lebenssituationen. Und das spiegelt sich auch im neuen Vorstandsteam wider. Wir wollen auch als Vorbild wirken.

Der Landtag hat nun beschlossen, die Höhe der Parteienförderung an eine Frauenquote zu knüpfen, reicht das?

Ich war früher kein Fan von Quoten. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es nötig ist. Die Verknüpfung der Parteienförderung ist ein guter Ansatz, denn Anreizsysteme sind oft zielführender als Sanktionen – aber es braucht sicher noch mehr. Auch die Quote in Aufsichtsräten ist ein wichtiges Signal. Aber es wird noch mehr solcher Mosaiksteinchen brauchen.

Wo kann man ansetzen?

Wir müssen an die Frauen appellieren, damit sie das Selbstbewusstsein haben, diesen Schritt zu wagen. Auch wenn sie noch nicht alles weiß und auf „Learning bei Doing“ setzen muss. Die Männer machen es ja nicht anders. Auch ich war im Gemeinderat und es war in Sprung ins kalte Wasser und ich habe es gut geschafft. Solche Geschichten müssen wir auch erzählen, damit sich mehr Frauen den Sprung in die Politik trauen.


Zur Person

Cornelia PÖTTINGER ist 42 Jahre alt, Mutter von zwei Töchtern und lebt in Kirchdorf an der Krems. Sie ist ausgebildete Elementarpädagogin und Betriebsratsvorsitzende des OÖ Hilfswerks sowie Kammerrätin und Fraktionsvorsitzende des Teams ÖAAB-FCG in der AK OÖ.

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