Corona dämpfte 2020 die Lust auf Glücksspiel

Im Coronajahr 2020 waren auch einmal die Glücksspielanbieter die großen Verlierer – infolge der monatelangen Lockdowns und der massiven Einschränkungen von Sportveranstaltungen gingen die Bruttospiel- bzw. Wetterträge der Branche im Vergleich zum Jahr davor um 14,9 Prozent auf 1,66 Mrd. Euro zurück.

Das geht aus Daten einer Marktstudie des Marktforschungsinstituts Branchenradar.com hervor. Einzeln betrachtet gibt es aber auch Gewinner – vor allem im Geschäft via Internet.

Entgegen dem Trend auf dem Gesamtmarkt habe es im Internet ein „nahezu ungebremstes“ Wachstum gegeben. Vom Einbruch des heimischen Marktes für Glücksspiel und Sportwetten war der Marktanalyse zufolge „ausschließlich der stationäre Sektor betroffen“, also Spielbanken, beim Automatenglücksspiel außerhalb von Casinos und bei landbasierten Sportwetten.

Im Jahresabstand schrumpften die Erlöse (Einsätze abzüglich ausgeschütteter Gewinne) der stationären Anbieter 2020 im Durchschnitt um 39 Prozent auf insgesamt 516 Mio. Euro. Bei den Spielbanken halbierten sich die Einnahmen im Jahresabstand sogar auf nur noch 160 Mio. Euro – auch weil infolge der coronabedingten Reisebeschränkungen ein erheblicher Teil der sonst gewohnten ausländischen Gäste fehlte.

Im Automatenglücksspiel außerhalb von Casinos sank der Bruttospielertrag gegenüber 2019 hingegen verhältnismäßig moderater um 30,5 Prozent auf 257 Mio. Euro. Das war laut Branchenradar dem „sprunghaften Anstieg der Nutzung von nicht-lizensierten Glücksspielautomaten“ geschuldet. Die Finanzbehörden konfiszierten um 16 Prozent mehr illegale Geräte als im Jahr davor.

Auch die Wettlokale mussten spürbare Einbußen hinnehmen – dort brachen die Bruttowetterträge den Angaben zufolge um 36 Prozent auf knapp 100 Mio. Euro ein; bei den Sportwetten gab es einen Rückgang von vergleichsweise moderaten 13,3 Prozent.

Sportwetten erobern jedoch zusehends das Internet. Die Erlöse der Online-Plattformen legten im vergangenen Jahr trotz des rückläufigen Gesamtmarktes um 7,5 Prozent zu. Im nahezu selben Ausmaß wuchs das Online-Glücksspiel und damit der Online-Sektor (Online-Glücksspiel und Online-Sportwetten) und zeigte ein Plus von 7,4 Prozent auf 467 Mio. Euro. Das Volumen von Glücksspiel und Sportwetten im Internet lag der Marktanalyse zufolge nur noch um etwa zehn Prozent unter jenem des stationären Sektors. Auf diesen zielt der überwiegende Teil des Glücksspielgesetzes und der landesrechtlichen Bestimmungen für Sportwetten ab.

Eine positive Tendenz zeigten 2020 auch die Lotterie-Glücksspiele. Die Einnahmen abzüglich der Gewinnausschüttung erhöhten sich hier im Jahresabstand um 1,2 Prozent auf 680 Mio. Euro.

Für 2021 erwarten die Marktforscher einen leichten Anstieg bei den Bruttospiel- und Wetterträgen von 3,1 Prozent. Der stationäre Sektor war heuer zwar bereits mehr als fünf Monate geschlossen, doch soll nicht zuletzt die Fußball-Europameisterschaft EURO die Nachfrage „deutlich anschieben“. Das Niveau von 2019 erreiche der Markt aber vermutlich erst 2022.

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