„Corona ein Soldat Allahs“

Das Covid-19-Virus löst bei Islamisten widersprüchliche Fantasien aus

Obwohl Islamisten das Coronavvirus für ihren Verbündeten halten, müssen sich auch Muslime dagegen schützen. © AFP/Tholala

Covid-19 ist ein gefundenes Fressen für Extremisten aller Art. Endlich wieder Stoff zum Aufwärmen alter Verschwörungstheorien oder Endzeitszenarien, an welche sich Heilsversprechungen knüpfen lassen.

Die Realität neigt dazu, solche Geschichten ad absurdum zu führen. Was der Fantasie eines aufrechten Fundis wie Jamil Al-Mutaw aber keinen Abbruch tut.

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Der im Gazastreifen predigende Hamas-Imam verkaufte seinen Glaubensbrüdern das Virus als Verbündeten im Kampf gegen Israel: „Dieses Virus ist ein Soldat Allahs! Seht, wie leer ihre (die israelischen, Anm.) Straßen sind und wie überfüllt diese Moschee ist. Wer hat uns beschützt und ihnen geschadet? Allaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!” Das war am 20. März, einen Tag, bevor in Gaza die erste Corona-Infektion bestätigt wurde.

Drohung mit Viren-Terror

Aber auch dafür ließe sich eine ins islamistische Weltbild passende Erklärung erfinden. Sie könnte vom im US-Exil lebenden Muslimbruder Bahgat S. kommen, der Infizierte als Teil von Allahs Corona-Armee betrachtet. „Wer grippeähnliche Symptome hat sollte seinen ‘Freunden’ einen Besuch abstatten, die für die Regierung von (Ägyptens Präsident) Abdel Fattah Al-Sisi arbeiten”, empfahl der Ägypter in einem inzwischen nicht mehr abrufbaren Video, welches das in Washington ansässige Middle East Media Research Institute (MEMRI) ausgewertet hat. Er fügte hinzu, dass er, sollte er an Corona erkranken, zum ägyptischen Konsulat in New York gehen und die dort arbeitenden Menschen infizieren werde.

China und Iran bestraft

Aus der Perspektive des deutschen Islamisten Mahmoud Ahmed betrachtet täten Bioterroristen ohnehin nichts anderes, als den Spieß umzudrehen: Denn der Direktor des Hamburger Al-Azhari-Institutes vertritt auf Youtube diese Überzeugung: „Die Medikamentenfirmen auf der ganzen Welt machen selber Virus (sic) und Mikroben und dann verkaufen sie uns Impfstoffe dagegen.” Ahmed widerspricht sich allerdings selbst mit der Feststellung, dass Allah Corona geschickt habe.

Sheik Mahmoud Ahmed: Corona ist eine Bestrafung von Allah an diesen Chinesen! © Screenshot: Youtube

„Es ist eine Bestrafung von Allah an diesen Chinesen”, weil diese die muslimischen Uiguren unterdrückten. Dem Chef des Institutes, dessen Islam-Auffassung der Hamburger Verfassungsschutz für „mit der demokratischen Grundordnung nicht vereinbar” hält, ist aber auch aufgefallen, dass das Virus in der Islamischen Republik Iran grassiert. Daraus leitet Ahmed aber keine Falsifizierung der göttlichen Bestrafungsthese ab. Für sunnitische Islamisten sind Irans Schiiten schlicht Ungläubige die also Allahs Strafe besonders verdienen. Die iranischen Mullahs sehen das naturgemäß anders und neigen jener Verschwörungstheorie zu, wonach die USA das Virus ausgestreut hätten, um Feinde wie China oder Iran zu schwächen.

Diese USA-Connection wird — antisemitisch untermalt — auch in der Türkei gern verbreitet. So berichtete der Nachrichtensender „A Haber” in großer Aufmachung darüber, dass die „jüdische Familie Rockefeller” das Coronavirus schon vor 10 Jahren beschrieben habe. Die unausgesprochene Botschaft des der AK-Partei von Staatschef Recep Tayyip Erdogan nahestehenden Senders: Die Amerikaner und die Juden wussten längst Bescheid über das Virus, müssen also irgendetwas mit Covid-19 zu tun haben. Tatsächlich hat die Rockefeller-Fundation 2010 eine Studie veröffentlicht, in der infolge einer Pandemie verhängte Restriktionen beschrieben werden, die den heute von Regierungen in aller Welt verhängten entsprechen. Allerdings kommt in dem Report der Begriff Corona nicht vor, er resultierte vielmehr aus Erkenntnissen der Schweinegrippe-Pandemie im Jahr 2009.

Mit Corona ins Paradies

Ebenfalls aus der Türkei kommen schlechte Nachrichten für alle Nichtmuslime. Der prominente Prediger Nureddin Yildiz weist zwar die Behauptung, Corona sei eine Strafe Allahs als „unnötige Aussage” zurück, sieht aber Muslime bei dieser Pandemie im Vorteil: Nichtmuslime könnten „nicht nur ihr Leben … verlieren, sondern auch ihr Jenseits, wenn sie als Nichtmuslime versterben sollten. Muslime jedoch könnten „hoffen, dass die diesseitigen Erschwernisse zum Vorteil im jenseitigen Leben führen werden, indem ihre Sünden gelöscht werden”, so Yildiz, der seine Fatwas auch auf Deutsch verbreiten lässt (fatwazentrum.de).

Indirekt schließt sich der Prediger damit dem Rat von El Kaida an: Die Terrororganisation fordert in einem von der Al-Kaida-nahen Al-Sahab-Stiftung veröffentlichten Dokument alle Nicht-Muslime auf, den Islam anzunehmen. Diese sollten „ihre Zeit der Quarantäne nutzen und über die Verdienste lesen, die den Islam von allen anderen Religionen und Systemen abheben”.

Eine Analyse von Manfred Maurer

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