Corona-Hotspots in Südtirol sind derzeit die Altenheime

Ausgefallenes Pflegepersonal wird in den Spitälern rekrutiert

Während es dem ersten oö. Corona-Patienten (80), der sich Ende Februar beim Skifahren in Südtirol angesteckt hatte – wie berichtet – wieder gut geht, hofft auch das Nachbarland auf eine Trendwende.

„So wie es derzeit aussieht, dürften wir mit den Beatmungsgeräten durchkommen“, sagt Herbert Heidegger, Sanitätskoordinator und Gynäkologie-Primar am KH Meran, im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

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Beatmungskapazität dürfte reichen

Herbert Heidegger, Sanitätskoordinator und Gynäkologie-Primar am KH Meran ©privat
Herbert Heidegger, Sanitätskoordinator und Gynäkologie-Primar am KH Meran ©privat

Am 2. April mussten noch 65 Patienten auf den Intensivstationen beatmet werden, elf Personen wurden wegen Kapazitätsengpässen nach Österreich und Deutschland zur Behandlung ausgeflogen, am Montag hatte man aber nur noch 47 beatmete Covid-Patienten.

Besonders erfreulich sei auch, dass jene mit dem Coronavirus infizierte junge Mutter, die am 14. März per Kaiserschnitt im KH Bozen einen gesunden Buben zur Welt gebracht hat, und später auf der Intensivstation im KH Meran behandelt wurde, auf dem Weg der Besserung ist. Sie darf bald nach Hause.

„Das größte Problem bei uns sind die Altenheime. Etwa 30 Prozent des Pflegepersonals ist dort wegen SARS-CoV-2 ausgefallen, so dass jetzt versucht wird, Pflegekräfte aus Spitalsbereichen, in denen bewusst die Arbeit heruntergefahren wurde, zu rekrutieren“, schildert Heidegger den absoluten Hotspot. Vor allem im Osten von Südtirol gebe es Dörfer mit hohen Infektionszahlen, was dem Tourismus geschuldet sei. Ausgangspunkt der Coronakrise in Südtirol waren Ende Februar die Skigebiete im Grödner Tal und in Alta Badia.

Mit Blick auf die dramatische Lage in Italiens Spitälern, dessen hygienische Zustände aber keineswegs mit jenen in Südtirol zu vergleichen seien, wurden vor rund vier Wochen rigorose Ausgangsbeschränkungen verhängt.

„Mein Bewegungsradius abseits vom Einkaufen und dem Arbeitsweg, der auch von der Polizei kontrolliert wird, sind maximal 200 Meter Entfernung von der Wohnung und das nur mit Schutzmaske“, schildert Primar Heidegger. Bei den Eingängen zu den Spitälern wird Fieber gemessen und penibel darauf geachtet, das Virus nicht ins Krankenhaus zu bringen. „Das war der große Fehler in Italien, dass sich viele Menschen aus den Altenheimen im Krankenhaus angesteckt haben.“

Südtirol hat die Zahl der Beatmungsgeräte auf rund 70 verdoppelt und die Intensivbehandlung auf das KH Meran konzentriert. Privatkliniken wurden für Covid-19-Patienten, die einen leichteren Verlauf haben, aber dennoch nicht zu Hause betreut werden können, umgerüstet. Mit Stand Dienstag sind 1791 Personen positiv getestet, 290 wurden geheilt und 172 Menschen sind verstorben.

Zahl der Herzinfarkte hat sich halbiert

Von einem interessanten Phänomen weiß der Arzt noch zu berichten: „Die Leute sind durch die Ausgangssperren offensichtlich so relaxt, dass wir derzeit um 50 Prozent weniger Herzinfarkte zu verzeichnen haben und auch die Erste-Hilfe-Fälle sind deutlich zurückgegangen.“

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