Corona-Krise: Fieberhafte Suche nach dem reichen Onkel Dagobert

Wo sitzen die Milliarden, die nun die Welt retten sollen? — Eine Reise zu den höchsten Finanz-Gipfeln

Erste Station der suchenden Weltreise: Der Sitz des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington (USA). Dort beziffert man den aktuellen Gesamtwert der weltweit grenzüberschreitend gehaltenen Aktienpakete, Fondsbeteiligungen und Anleihen mit 54.504 Milliarden US-Dollar (54,5 Billionen USD).

Eine erste Spur zu möglichen Investoren für die jetzigen Krisenzeiten taucht auf: Die potentesten Finanzinvestoren — gemessen am Überschuss ihrer internationalen Guthaben gegenüber ihren internationalen Verbindlichkeiten — sitzen in Japan, Deutschland, China (Hongkong), Irland, Singapur, Luxemburg, Norwegen und in den USA. Die weltumspannend zusammengetragenen Wertpapierpakete dieser Sitzländer übersteigen den Wert der Verbindlichkeiten um insgesamt 9,5 Billionen US-Dollar.

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Wir haben also jene Investoren lokalisiert — zumindest geografisch — die die Welt schon im Lauf der letzten Jahrzehnte am intensivsten mit ihrem Geld überhäuft haben. Analysiert man nur die Wertpapierkäufe der letzten fünf Jahre, kommen das karibische Steuerparadies Cayman Islands, Kanada und Italien als Sitzländer auffallend rühriger, global tätiger Geldverleiher hinzu. Norwegen dagegen fällt aus der Spitze.

Diese dann zehn pulsierendsten Finanzstandorte der Welt haben laut IWF zwischen 2015 und 2019 in Summe 10,3 Billionen Euro auf den weltweiten Finanzmärkten platziert und damit den Geldhungrigen rund um dem Erdball vorübergehend zur Verfügung gestellt.

Von Washington nach Basel

Bleibt die Frage, wer nun diese milliardenschweren Personen und Institutionen sind. Zur Beantwortung dieser Frage reisen wir von Washington weiter zur internationalen Finanzmarktaufsicht „International Stability Board“ in Basel (Schweiz). Dort verweist man zunächst auf die Ergebnisse einer Studie von 2019, wonach es weltweit zwei große Lagerstätten für Finanzkapital gibt: Den Bankensektor mit einem Anteil von 39 Prozent an den weltweiten Guthaben und an zweiter Stelle bereits die Investmentfonds, Versicherungsmakler und Leasinggeber mit einem Anteil von insgesamt 30 Prozent.

Dahinter folgen im Ranking der weltweiten Geldhalter noch Pensionsfonds (9,4 %), die Versicherungsunternehmen (8,7 %) und die Zentralbanken (7,9 %). Noch etwas gibt man uns in Basel mit auf den Weg: Die Einlagen bei Nicht-Banken steigen mit plus 7,8 Prozent pro Jahr derzeit deutlich schneller als die bei den Banken (plus 3,4 Prozent). Fazit des „International Stability Boards“: es lagert mit 48,5 Prozent mittlerweile fast die Hälfte des Finanzkapitals in Bereichen, die mit dem klassischen Bankgeschäft eigentlich nichts am Hut haben — Tendenz weiter steigend. Hinweise und Stichworte, die uns auf der Suche nach den großen Investoren dieser Welt wichtige Schritte weiterbringen.

Die Rendite-Spürhunde

Denn: Auch von den Aktien, Fondsanteilen und Anleihen in den weltweit führenden Investorländern sind laut Internationalem Währungsfonds (IWF) nur mehr 8,6 Prozent in der Hand klassischer Geschäftsbanken, aber bereits 79 Prozent außerhalb des eigentlichen Bankensektors angesiedelt. Ein Fünftel dieser externen Bestände halten Versicherungen, Pensionsfonds und kurzfristig orientierte Geldmarktfonds. Den Löwenanteil aber haben Investmenthäuser unter ihren Fittichen.

Private Haushalte fallen dagegen als Wertpapier-Investoren nur mit einem Anteil von 3,2 Prozent ins Gewicht. Heißt: die großen Player auf Seite der internationalen Investoren sind Fonds und Investmenthäuser, die für sich und ihre Kundschaft ständig auf der Suche nach optimalen Renditen sind. Bleibt in Zeiten der erhofften solidarischen Krisenfinanzierung die Frage, inwieweit diese „Rendite-Spürhunde“ gebeutelten Ländern und Firmen Geld zur Verfügung stellen — vor allem, welchen Ländern und Firmen zu welchen Bedingungen?

Noch einmal in die Schweiz

Auf der Suche nach möglichen Geldquellen für die Aufbauhilfen nach der Corona-Krise kehren wir noch einmal in die Schweiz zurück, konkret in das global tätige Züricher Bankhaus „Credit Suisse“. Dort liegen Daten, die die vermögendsten Privathaushalte der Erde auflisten — und damit auch eine Spur zu möglichen Geldgebern in Zeiten der Corona-Krise legen.

Laut diesem „Wealth Report“ beläuft sich der Gesamtwert der globalen Haushaltsvermögen auf 360,6 Billionen US-Dollar (entspricht im Schnitt 70.849 US-Dollar pro Kopf). Die größten Anteile daran haben laut Credit Suisse Nordamerika (114,6 Billionen USD), Europa (90,7 Billionen USD) sowie der asiatisch-pazifische Raum (64,8 Billionen USD) und China (63,8 Billionen USD). Weltweit zählt Credit Suisse 46,8 Millionen Dollar-Millionäre, davon 18,6 Millionen in den USA.

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