Corona-Krise: Mehr Menschen kommen ins Trudeln

Psychiater sieht zwei Trends der Corona-Krise: Rückzug oder Gleichgültigkeit

Psychiater Günter Klug, Präsident von pro Mente Austria, hat indes den Eindruck, dass auch immer mehr psychisch stabile Menschen durch die Corona-Krise ins Trudeln kommen. Denn die Rahmenbedingungen führten zu Unsicherheit und psychischen Problemen.

„Schon vor der Pandemie haben wir uns in Zeiten gewaltiger Veränderungen befunden. In der Wirtschaft wird seit geraumer Zeit zunehmend auf Digitalisierung gesetzt – und die Pandemie hat dies noch verstärkt. Niemand weiß genau, wie sich die Arbeitsplätze in einer Wirtschaft 4.0 entwickeln. Sicher ist nur, dass es ohne stabile Ausbildung, lebenslanges Lernen und enorme inhaltliche, zeitliche und örtliche Flexibilität für den Einzelnen nicht mehr gehen wird. Gleichzeitig verändere sich die Gesellschaft. Es komme zu stärker werdenden Individualisierung, immer mehr Menschen hätten immer weniger ‚reale‘ soziale Kontakte. Dazu komme eine steigende Zahl von Alleinerziehern und das Problem der Versorgung älterer pflegebedürftiger Menschen.“

„Wir beobachten hier zwei Trends: Einerseits führt die Verunsicherung dazu, dass die Menschen sich zurückziehen und den Covid-Rückzug zum Teil bewusst, zum Teil unabsichtlich fortsetzen. Oder aber sie kippen in die andere Richtung und leben jetzt nach dem Motto ,Eh schon egal!“, so Klug: „Die Covid-Krise hat bestehende Probleme deutlicher aufgezeigt. Hoffentlich hat sie den Nutzen, dass die Probleme nun auch erkannt und ernsthaft angegangen werden.“

Kürzere Quarantäne

Nach OÖ verkürzt jetzt auch NÖ die Corona-Quarantänezeit von 14 auf zehn Tage. Das bestätigte das Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Beide Bundesländer folgen damit Empfehlungen des Gesundheitsministeriums sowie des Robert-Koch-Instituts.

„Es ist doch ein erheblicher Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte und wenn es medizinisch indiziert ist, dass zehn Tage genug sind, dann würde ich sagen, ist das ein guter und wichtiger Schritt, den wir auch in Niederösterreich mitgehen“, so die Landesrätin. Man verlasse sich auf Experten und gehe zudem davon aus, dass der Schritt medizinisch gut abgewogen sei.

Schnupfen könnte helfen

Forscher gehen zudem in einer Studie davon aus, dass eine zuvor erfolgte Infektion mit anderen Coronaviren die Immunabwehrzellen ein Stück weit auf SARS-CoV-2 vorbereitet. Darin sieht ein Team um die in den USA tätige Tiroler Forscherin Daniela Weiskopf eine mögliche Erklärung für die großen Unterschiede im Verlauf der Covid-19-Erkrankung.

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