Corona-Krise: Österreichs Hotels öffnen ab Pfingsten in Wellen

Ab Freitag dürfte der österreichische Tourismus wieder durchstarten – der behördlich verordnete Lockdown endet am 29. Mai. „Je nach Auslastung öffnen die Betriebe in Wellen – Ende Mai, Mitte und Ende Juni“, sagte der Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer, im Gespräch mit der APA. Die Buchungen sind infolge der Coronakrise auf Rekordtief.

„Die ersten Zahlen zeigen, dass wir mit Öffnung im Schnitt 20 bis 30 Prozent Auslastung haben in der Branche – das heißt, da ist noch viel Luft nach oben“, betonte Gratzer.

„Wir haben Betriebe, die sehr gut gebucht sind, mit 90 Prozent dank ihrer Stammgäste, aber auch welche, die bei 10 Prozent liegen, was natürlich sehr schwach ist.“

Der Nachfragerückgang wird sich auch auf die Preise niederschlagen, ist sich ÖHV-Sprecher Martin Stanits sicher. Im Sommer ist das Geschäft auf 80 Millionen Nächtigungen ausgelegt. Dieses Angebot wird heuer bei weitem nicht ausgeschöpft. „In stark nachgefragten Regionen – an den Seen und in Thermenregionen – sowie in der Oberklasse werden sich die Hoteliers eine Spur leichter tun mit der Preisdurchsetzung“, meinte der Branchensprecher. „Es gibt ein bisschen einen ‚Run‘ auf wenige Hotels.“

Österreichweit 16.000 Hotels zu füllen

Für Ende Mai und Juni liegt die Auslastung in der Qualitätshotellerie einer Umfrage der Hoteliervereinigung zufolge im bundesweiten Schnitt jedenfalls bei nur 22 Prozent – gegenüber 44,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. „Das ist eine Halbierung“, so Stanits. Im Juli und im August, betrage sie aus heutiger Sicht jeweils nur knapp 33 Prozent gegenüber 68 bzw. 74 Prozent im Vorjahr, also wieder ein Rückgang von mehr als 50 Prozent. „Das kann sich noch ändern – je nach Änderungen bei den Möglichkeiten bei der Anreise“, so Stanits mit Blick auf die Öffnung von Airports und Grenzen.

Österreichweit gibt es laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) knapp 16.000 Hotels mit fast 1,1 Millionen Betten, die zu füllen wären. Die meisten davon entfielen im Sommer 2019 auf Tirol (330.690), Salzburg (204.575), Kärnten (119.685), die Steiermark (115.024) und Wien (81.389).

„Die meisten Hotels im Bundesgebiet werden einen Auslastungsrückgang von mehr als 50 Prozent verzeichnen, über die gesamte Saison – und auch da sieht die Lage in der Stadt schlechter aus als im Rest von Österreich“, erwartet der ÖHV-Sprecher. „Mit dieser Auslastung kann man nicht wirtschaftlich arbeiten.“ Dafür sei mindestens eine Auslastung von 55 Prozent nötig, in Thermenhotels wegen der hohen Energiekosten sogar 70 Prozent.

Am Land habe jedes zweite Hotel heuer im Sommer weniger als halb so viele Gäste wie im Vorjahr. „Das ist ein Wahnsinn, da hängen so viele Arbeitsplätze dran“, ist Stanits alarmiert. Im Sommer verdienten die Betriebe normalerweise das Geld, mit dem sie Mitarbeiter, Lieferanten (Bäcker, Fleischer und Biobauern) sowie gewerbliche Auftragnehmer wie etwa Bautischler bezahlten.

Städte am härtesten getroffen

Die Stadthotellerie ist am härtesten von der Krise betroffen. In der Stadt liegt der Auslastungswert bei der Hälfte der ohnehin schon schlecht gebuchten Ferienhotellerie. „Hier haben wir die zweifache Herausforderung, dass der klassische Business-Gast ausbleibt und dass die Stadthotellerie stark von internationalen Urlaubern abhängig ist – und da sehen wir noch lange kein Licht am Ende des Tunnels“, so Gratzer. Die Airports sind noch nicht offen. Weiters gebe es in den Städten noch kein Programm, das akzeptabel sei, ergänzte Stanits unter Verweis auf Kulturveranstaltungen. „Hier fehlen in fast jedem Hotel mehr als die Hälfte der Buchungen.“

Es sei noch völlig ungewiss, wann Businessveranstaltungen wieder möglich seien und wie die Betriebe konkret weiter unterstützt würden. Die Kurzarbeit etwa müsste laut Hoteliervereinigung bis nächstes Jahr verlängert werden. Auch der Fixkostenzuschuss werde nicht ausreichen – weder von der Dauer (drei Monate) noch von der Höhe her. Es sei ein generelles Problem, dass der Zuschuss auf gesunde Unternehmen abstelle, mit positivem Eigenkapital. „Die Branche hat aber ein geringes oder negatives Eigenkapital“, betonte Gratzer. Viele Betriebe hätten investiert und zahlten ihre Kredite ab.

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