Corona-Tote in Wiener Heim: “Ein Restrisiko bleibt immer”

Nachdem seit Anfang Juni neun Bewohner eines privaten Wiener Pflegewohnheims im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind, hat die stellvertretende Landessanitätsdirektorin Ursula Karnthaler am Donnerstag betont, dass die vorgegebenen Schutzmaßnahmen in allen Häusern “sehr konsequent” umgesetzt würden – allerdings: “Ein Restrisiko bleibt immer.”

“Covid-19 gibt es noch. Und somit gibt es immer ein Risiko, egal wie gut man die Maßnahmen umsetzt”, sagte Karnthaler. Die Bewohnerstruktur in den Heimen sei zudem sehr unterschiedlich: “Es gibt Häuser, wo fitte und rüstige Bewohner einziehen und das Freizeitangebot von Kartenspielen bis Yoga in Anspruch nehmen. Und es gibt Häuser, wo eher sehr viele Hochbetagte mit hohem Pflegebedarf leben.”

In den betroffenen Stationen der privaten Einrichtung in Wien-Liesing würden Menschen der letzteren Kategorie leben. Das Risiko, im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion zu sterben, sei umso höher, je älter die Personen seien und je mehr Grunderkrankungen sie hätten.

Karnthaler verwies darauf, dass in Wien die Sozialeinrichtungen – der überwiegende Teil davon sind Pflegewohnhäuser – seit Mitte April systematisch gescreent werden. Das heißt, Bewohner und Personal werden ohne konkreten Anlassfall durchgetestet. Bei bisher 28.500 vorgenommenen Untersuchungen seien 110 Bewohner und 24 Mitarbeiter positiv getestet worden. Das entspreche einer Quote von 0,7 Prozent. Von rund 90 stationären Pflegeeinrichtungen wurden laut der stellvertretenden Sanitätsdirektorin bisher nur in acht Infektionsketten festgestellt. Das Haus in Liesing ist darin schon inkludiert.

Durch diese Screenings habe man auch die Infektion der Mitarbeiterin in Liesing – sie ist vermutlich Auslöserin der dortigen Infektionskette – zufällig entdeckt. Die Frau hatte keine Symptome. Danach seien sofort alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden. Das Problem: “Bis dahin erfolgte Infektionen konnte man nicht mehr ungeschehen machen”, betonte Karnthaler.

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Bedarf für eine Nachschärfung oder Adaptierung der geltenden, laut Stadt ohnehin schon recht strikten Besucherregelungen sieht die Expertin nicht. Es sei in solchen Einrichtungen stets “eine Gratwanderung zwischen Schutz und Freiheit, um den Menschen ein schönes Leben zu ermöglichen”.

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