Corona-Virus: Bereits mehr Tote als bei SARS

Österreich-Rückkehrer sind nicht infiziert — Chinesische Regierung gesteht Fehler ein

Nach wie vor werden Europäer aus der Region Wuhan heimgeholt. Am Montag landete ein Militärflieger mit Italienern in Rom.
Nach wie vor werden Europäer aus der Region Wuhan heimgeholt. Am Montag landete ein Militärflieger mit Italienern in Rom. © AFP Italian Defence Ministry

Chinas Führung hat am Montag „Fehler und Schwierigkeiten“ im Umgang mit der Coronavirus-Epidemie eingeräumt. Der Ständige Ausschuss des Politbüros der Kommunistischen Partei forderte daher ein besseres Notfallmanagement und eine verstärkte Überwachung von Märkten.

Der illegale Handel mit Wildtieren müsse verboten werden. Es wird vermutet, dass der Erreger der Lungenkrankheit auf einem Markt in Wuhan von einem Wildtier auf den Menschen übergegangen ist.

Mehr Tote als bei SARS

Mittlerweile hat der Ausbruch des Coronavirus in Festland-China schon mehr Menschenleben gefordert als die SARS-Pandemie vor 17 Jahren. Die Gesundheitskommission in Peking meldete am Montag den bisher stärksten Anstieg der Infektionen und Todesfälle innerhalb eines Tages.

Die Zahl der Toten erhöhte sich auf mindestens 426, die Zahl der bestätigten Infektionen in China kletterte auf über 20.000 Fälle. Zudem gibt es mehr als 3225 neue Verdachtsfälle.

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Höhepunkt in zehn Tagen

Die Virus-Epidemie wird ihren Höhepunkt nach Einschätzung chinesischer Experten erst in zehn Tagen bis zwei Wochen erreichen. Dafür müssten aber vorbeugende Maßnahmen verstärkt werden, sagte der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus, Zhong Nanshan. Weltweit sind rund 180 Erkrankungen durch das Virus in zwei Dutzend anderen Ländern bestätigt. In China sind zudem 16 Ausländer infiziert.

Nachdem am Sonntag in Frankreich ein Flieger mit 250 Rückkehrern aus Wuhan eintraf, wurden 20 Franzosen wegen Symptomen unter Beobachtung gestellt. Bei allen fielen die Tests negativ aus, hieß es.

Die Schutzausrüstungsproduktion läuft auf Hochtouren.
Die Schutzausrüstungsproduktion läuft auf Hochtouren. © AFP/Panthaky

Auch alle sieben Österreicher, die mit dieser Maschine am Sonntag zurück nach Österreich gekommen sind, wurden unterdessen negativ auf das Coronavirus getestet. Das gaben die Behörden Montagmittag bekannt. Die sechs Erwachsenen und ein Kind waren noch am Sonntag ins Hygienezentrum Wien gebracht worden. Sie bleiben 14 Tage in Quarantäne. Wo genau sie untergebracht werden, wurde nicht mitgeteilt. Aktuell gibt es in Österreich laut Gesundheitsministerium fünf neue Coronavirus-Verdachtsfälle: je einer in Tirol und in der Steiermark, drei in Kärnten.

Schutzmasken benötigt

In China werden unterdessen vielerorts Schutzausrüstungen knapp. Nach Angaben des Industrieministeriums können chinesische Fabriken pro Tag nur rund 20 Millionen Atemmasken produzieren — bei voller Auslastung. In vielen Fabriken läuft die Produktion nach den Ferien zum chinesischen Neujahrsfest aber gerade erst wieder an. Die Behörden versuchen nun, zusätzliche Masken aus Europa, Japan und den USA zu besorgen. Der Vatikan hat bereits rund 700.000 Schutzmasken nach China geschickt.

In einigen Ländern gibt es bereits Einreisebeschränkungen für Chinesen — etwa in den USA. Hongkong hat ebenfalls Grenzübergänge nach China geschlossen. Russland erwägt, ausländische Corona-Patienten abzuschieben. Und auch China selbst hat seinen Staatsbürgern von Auslandsreisen abgeraten. In Österreich sind derzeit keine Einreiseeinschränkungen für chinesische Staatsbürger geplant, hieß es am Montag auf VOLKSBLATT-Anfrage aus dem Gesundheitsministerium.

Warnung vor Gerüchten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Falschinformationen über das neuartige Coronavirus den Kampf angesagt. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte am Montag in Genf vor der Verbreitung von „Gerüchten“ über die Atemwegserkrankung. Mitarbeiter der WHO seien rund um die Uhr im Einsatz, um im Internet kursierende Fehlinformationen ausfindig zu machen. Man arbeite u. a. mit Google zusammen.

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