„Corona wird eine wichtige Rolle spielen“

Künftige Generaldirektorin des NHM, Katrin Vohland, über China, Projekte und Dino-Krankheiten

Die deutsche Biologin Katrin Vohland übernimmt am 1. Juni die Leitung des Naturhistorischen Museums in Wien.
Die deutsche Biologin Katrin Vohland übernimmt am 1. Juni die Leitung des Naturhistorischen Museums in Wien. © APA/Hochmuth

Die 51-jährige Biologin Katrin Vohland vom Museum für Naturkunde Berlin tritt am 1. Juni ihr Amt als Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums (NHM) in Wien an.

Noch vor ihrem Amtsantritt spricht sie über aktuelle und künftige Herausforderungen von naturwissenschaftlichen Museen und ihre Vorhaben. Das NHM hat seit 20. Mai wieder Teile geöffnet, am 1. Juni öffnen alle Bereiche.

Was ist Ihre Meinung: Müssen Museen aufsperren, sobald sie dürfen?

Ich denke, die einzelnen Museen sind da etwas unterschiedlich zu behandeln. Sie haben teilweise unterschiedliche Aufgaben und auch unterschiedliche Besucherströme. Naturhistorische Museen haben beispielsweise große Sammlungen, bei denen ständig etwas zu tun ist, auch ohne täglichen Besucherverkehr. Natürlich ist auch das kulturelle Angebot eine wichtige Aufgabe dieser Museen.

Ist das nicht eine große Chance für naturkundliche Museen, da aufklärend zu wirken?

Auf der Website in Berlin finden Sie die neuesten Informationen zu Corona. Auf der europäischen Plattform zu Citizen Science, die wir kürzlich eröffnet haben, gibt es Projekte, bei denen sich Menschen an der Forschung zu Corona beteiligen können.

Neben dem biologischen Bereich, wo beispielsweise spielerisch der Zusammenhang zwischen der DNA-Sequenz und der Struktur der Virenproteine hergestellt werden kann, gibt es dabei auch Projekte, die sich mit den sozialen Auswirkungen beschäftigen: Dieses Zusammenspiel zwischen Natur- und Sozialwissenschaften könnte auch in Wien viel stärker werden. Dass so ein kleines Virus aus irgendeinem Tier aus China die Weltwirtschaft lahmlegt — das ist doch verrückt!

Wird die Coronakrise bei Ihrem Wiener Start ein Themenschwerpunkt sein?

Ich gehe davon aus, dass wir uns mit den Auswirkungen noch sehr viel länger auseinandersetzen werden und die Angebote an das veränderte Besucherverhalten anpassen werden. Corona wird also eine wichtige Rolle spielen.

Denken Sie für die Forschung an mehr Drittmittel oder daran, den Bund stärker in die Pflicht zu nehmen? Das könnte angesichts der Wirtschaftskrise schwierig werden.

Das stimmt, in Deutschland hatten wir Projekte in der Pipeline, die gestrichen wurden, weil das Geld jetzt gerade zu Corona fließt. Klar. Das ist aber eine Sache, die auszuhandeln ist. Bei den Drittmitteln wird sicherlich etwas wegbrechen. Aber auch an der Corona-Forschung kann sich das Museum beteiligen.

Es wird sicherlich nicht die letzte Krankheit sein, die von Tieren auf Menschen überspringt. Da können die naturkundlichen — oder auch pathologischen — Sammlungen wertvolle Hinweise geben. In Berlin sind sogar Dinosaurierknochen in Hinblick auf Krankheiten untersucht worden.

Ihre Bestellung war von viel Kritik begleitet — von der Tatsache, dass Ihr jetziger Chef in der Jury war bis zu Ihrer politischen Tätigkeit für die deutschen Grünen. Wie werden Sie versuchen, die Kritiker zu überzeugen, dass Sie dennoch die richtige Wahl sind?

Durch meine Arbeit. Das ist natürlich leichter, wenn ich erst einmal vor Ort bin und anfangen kann. Ich hatte mich beworben und erst danach erfahren, dass mein Chef in diesem Auswahlgremium ist. Und: Ja, ich bin seit Mitte der 90er-Jahre Mitglied bei „Bündnis 90/Die Grünen“.

Ich war Sprecherin im Kreisverband Potsdam und dann zwei Jahre Co-Sprecherin des Landesverbandes Brandenburg. Das war kein Posten, sondern tatsächlich ein unentgeltliches Ehrenamt neben Job und Familie. Ich habe in der Zeit unglaublich viel gelernt. Es gibt allerdings Zielkonflikte zwischen Wissenschaft und Politik, deswegen hatte ich mich entschieden, dass ich das nicht weitermache.

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