Corona-Krise ließ Agrarexporte im 1. Halbjahr stark steigen

Die Corona-Krise hat die heimischen Agrar- und Lebensmittelexporte im ersten Halbjahr deutlich steigen lassen. Die Importe erhöhten sich hingegen nur leicht. Die Ausfuhren kletterten im Vergleich zur Vorjahresperiode um 4 Prozent auf 6,329 Mrd. Euro, die Einfuhren stiegen um 1 Prozent auf 6,334 Mrd. Euro. Damit habe Österreich erstmals fast eine ausgeglichene Handelsbilanz in diesem Bereich, sagte AMA-Marketing-Chef Michael Blass am Montag bei einer Online-Pressekonferenz.

Vor allem eine starke Nachfrage nach österreichischen Produkten in Deutschland – u.a. Milchprodukte, Obst, Getreide, Mehl und Backwaren – habe zu dem Exportplus beigetragen, so der AMA-Marketing-Chef. Rindfleisch wurde hingegen weniger nach Deutschland geliefert, bei Schweinefleisch gab es ein Plus.

Deutschland liegt mit einem Anteil von 36 Prozent an den gesamten österreichischen Agrar- und Lebensmittelexporten an erster Stelle, gefolgt von den anderen EU-Staaten. Die Exporte in die USA und Asien legten laut AMA Marketing weiter zu, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Wichtige heimische Exportprodukte sind Getränke – etwa Red Bull, Milchprodukte, veredeltes Obst und Gemüse, Wurst-, Schinken- und Speckwaren sowie Backwaren.

„Die Zahlen sind kein Grund in Jubelgeschrei auszubrechen“, sagte Blass. Es sei „keine strukturell nachhaltige Entwicklung“, sondern vielmehr der Corona-Krise geschuldet.

Die heimische Lebensmittelindustrie mit 200 Unternehmen und 27.000 Beschäftigte erlebte im ersten Halbjahr eine „Hochschaubahn der Nachfrage“. Es habe Hamster- und Vorziehkäufe im Lebensmitteleinzelhandel und gleichzeitig coronabedingte Umsatzausfälle in der Gastronomie, im Tourismus und Hotellerie sowie der Eventbranche geben, sagte Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer, bei der heutigen Pressekonferenz.

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Vom 9. bis zum 15. März 2020 seien die Einkaufszahlen in den Supermärkten stark angestiegen. In diesem Zeitraum sei der Umsatz mit Fertiggerichten (+ 417,3 Prozent), Mehl: (+ 377,1 Prozent), Teigwaren (+ 358,4 Prozent) und Gemüsekonserven (+ 275,6 Prozent) nach oben geschossen, verwies Koßdorff auf Zahlen des Marktforschers Nielsen. Um die Nachfrage im März zu decken, hätte die Betriebe die Produktion im Mehrschichtbetrieb gefahren.

Nachdem die Nachfrage im März (+ 11,2 Prozent) aufgrund der Vorratskäufe stark stieg, ging es im April (- 8,4 Prozent) und Mai (- 8,2 Prozent) bergab, im Juni (+ 1,0 Prozent) gab es ein kleines Plus. Die Fachverband-Geschäftsführerin sprach von einer „roten Null“ für die Lebensmittelindustrie. Das abgesetzte Produktionsvolumen lag im 1. Halbjahr 2020 bei 4,238 Mrd. Euro (- 0,2 Prozent). „Wir sind krisenbedingt mit einem blauen Auge davongekommen“, so das Resümee von Koßdorff.

Für das zweite Halbjahr ist die Lebensmittelindustrievertreterin wegen der Corona-Krise nicht sonderlich optimistisch. „Eine Entspannung ist nicht in Sicht.“ Aufgrund des ungewissen Ausblicks für den Wintertourismus und fehlenden Veranstaltungen sowie Events erwartet die Branchenvertreterin „eine schwierige Marktsituation“. Unter anderem die Brauereien und andere Getränkeproduzenten würde weiterhin unter Umsatzeinbrüchen leiden.

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