Coronavirus – Ärzte in Bergamo: „Virus ist das Ebola der Reichen“

Italienische Ärzte des „Papa Giovanni XXIII“.-Krankenhauses in Bergamo, der von der Covid-19-Pandemie am stärksten betroffenen Stadt Italiens, plädieren im Fachblatt „NEJM“ für „mehr gemeindezentrierte Behandlungen“ und weniger Fokussierung auf Kliniken.

„Das Coronavirus ist das Ebola der Reichen und es erfordert eine transnationale Anstrengung“, schrieben die Ärzte.

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Mit einem Brief im prestigereichen „New England Journal of Medicine“ (NEJM) richteten sich 13 Ärzte des Krankenhauses von Bergamo an die Öffentlichkeit. Sie berichten darin, dass sie weit über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus arbeiten.

„Die Katastrophe, die sich gerade in der reichen Lombardei ereignet, könnte überall passieren. Wir Kliniker eines Krankenhauses, das im Epizentrum liegt, raten dringend zu einem Langzeitplan für die nächste Pandemie“, schrieben die Ärzte.

Die Mediziner schildern weiter, dass ihr Krankenhaus hoch kontaminiert – und ein Wendepunkt nicht in Sicht sei. Die Situation sei äußerst schwierig, man arbeite weit unter dem gewohnten Standard.

Ältere Patienten würden nicht wiederbelebt – sie sterben, so die Ärzte in ihrem Schreiben, allein und ohne hinreichende Palliativ-Unterstützung. Die Angehörigen würden telefonisch benachrichtigt.

„Westliche Gesundheitssysteme basieren auf dem Konzept einer patientenzentrierten Behandlung“, schrieben die Ärzte, „aber in einer Epidemie braucht es eine Änderung der Perspektive hin zu einem Konzept gemeindezentrierter Therapie.“

Italien ist europaweit das stärkste von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land. Insgesamt gab es mit Stand Samstagvormittag 86.498 bestätigte Coronavirus-Infektionen. 9.134 Menschen sind seit Beginn der Epidemie am 20. Februar an Covid-19 gestorben, fast drei Mal so viele wie im ursprünglichen Coronavirus-Epizentrum China. 10.950 Patienten sind inzwischen genesen.

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