Coronavirus: „Bald“ 90.000 in Österreich angesteckt

Bald werde sich ein Prozent der österreichischen Bevölkerung, rund 90.000 Menschen, mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, sagte Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), am Donnerstag.

Nur 3,5 Prozent der bisher in Österreich festgestellten Infektionen haben ihre Quelle wahrscheinlich im Ausland, insgesamt 306 Personen.

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92.190 Testungen auf das neuartige Coronavirus sind bis Donnerstagvormittag durchgeführt worden, weit mehr als bisher bekannt. Viele kleine Labors seien noch nicht mit der Schnittstelle verbunden, die direkt Daten ins Epidemiologische Meldesystem (EMS) einspeist, erläuterte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) den enormen Anstieg. Die Laborkapazitäten würden inzwischen für täglich 20.000 Tests reichen.


Von den benötigten Reagenzien seien noch 42.000 vorhanden: „Das zeigt, es ist für die kommenden Tage ausreichend da.“ Danach werde man sich auf dem „extrem engen Markt“ um Nachschub bemühen. Die tägliche Zuwachsrate bei den Infektionen mit aktuell 5,66 Prozent bezeichnete Anschober als „gutes Signal“.


10.923 Infektionen waren Donnerstagmittag behördlich bestätigt. Das Gesundheitsressort schlüsselte zudem die nunmehr 1.749 von Covid-19 Genesenen nach Bundesländern auf: Burgenland (21), Kärnten (51), Niederösterreich (298), Oberösterreich (371), Salzburg (130), Steiermark (99), Tirol (546), Vorarlberg (147), Wien (86).

1.057 Covid-19-Kranke befanden sich zur Behandlung in Krankenhäusern. 227 der Patientinnen und Patienten wurden auf Intensivstationen versorgt. Die Zahl der Toten, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, stieg auf 158, nach Bundesländern: Burgenland (3), Kärnten (2), Niederösterreich (28), Oberösterreich (14), Salzburg (12), Steiermark (35), Tirol (28), Vorarlberg (5), Wien (31).

Die großen Träger von Pflege-Einrichtungen – Caritas, Diakonie, Hilfswerk und Volkshilfe – wandten sich mit einem Hilferuf an Bund und Länder: „Unser Pflegepersonal hat nach wie vor nicht ausreichend Schutzbekleidung zur Verfügung.“ Die Regierung lässt exponierte Berufsgruppen schwerpunktmäßig testen. Man will dem Anteil der „asymptomatisch“ Infizierten bei Supermarkt-Mitarbeitern, Ärzten und Gesundheits- und Pflegepersonal auf die Spur kommen.

Erfreuliche Nachrichten aus der Innsbrucker Klinik: Der erste Patient, der in Tirol wegen einer bestätigten Covid-19-Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden musste, wurde auf die Normalstation verlegt. Der 43-Jährige aus der Gegend um St. Anton musste seit 11. März beatmet werden. „Solche Erlebnisse brauchen wir als Pflegeteam“, sagte der stellvertretende Pflegeleiter der Station, Andreas Spielmann.

Unterdessen gab Allerberger von der AGES bekannt, dass der erste Corona-Fall im Tiroler Skiort Ischgl bereits am 5. Februar aufgetreten ist: eine Schweizer Kellnerin entwickelte zu diesem Zeitpunkt Symptome. Positiv getestet wurde sie erst Wochen später. Ein Barkeeper, dem unterstellt worden war, Dutzende Menschen in einem Apres-Ski-Lokal angesteckt zu haben, war demnach nicht der „Spreader“, sondern vielmehr der Erste von den in Ischgl Erkrankten, der zum Arzt ging und Anfang März positiv getestet wurde.

Ein Firmenchef in Salzburg verkraftete offenbar die psychische Belastung nach der Schließung seines Betriebes wegen der Corona-Krise nicht. Der 47-Jährige soll am Samstag in Straßwalchen (Flachgau) mit einem Radlader auf zwei Personen losgefahren sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes.

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