Coronavirus-Bilanz heizt Lockerungsdebatte in Deutschland an

In Deutschland wird angesichts einer deutlichen Entspannung bei der Ausbreitung der Coronavirus-Fälle über weitere Lockerungsschritte diskutiert.

So wurde am Freitag ein Konzept für die schrittweise Rückkehr zu Gottesdiensten angekündigt. In Schleswig-Holstein sollen ab Mai schrittweise Veranstaltungen wiederaufgenommen und der Tourismus geöffnet werden.

„Der Ausbruch ist – Stand heute – wieder beherrschbar und beherrschbarer geworden“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn in Berlin.

Die Zuversicht der deutschen Bundesregierung speiste sich auch aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), das einen weiteren Erfolg meldete: Ein Infizierter steckt nun rechnerisch weniger als einen anderen Menschen an. Die Rate müsse aber dauerhaft unter eins bleiben, forderte RKI-Chef Lothar Wieler.

Die Zahl der Neuinfizierten in Deutschland ist laut RKI auf um 3.380 auf 133.830 gestiegen. Die Zahl der Todesfälle infolge einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus legte binnen 24 Stunden um 299 auf 3868 zu. Rund 81.800 Menschen sind demnach genesen.

Die Landesregierung des nördlichen Bundeslandes Schleswig-Holstein legte Überlegungen für einen schrittweise Öffnung des Tourismus und die Wiederaufnahme von Veranstaltungen ab Mai vor.

Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz erlaubten auch größeren Geschäften unter Auflagen ab Montag eine Öffnung, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzieren. Sachsen ordnete neben der Lockerung aber auch eine Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nachverkehr an.

Schulen und Geschäfte sperren schrittweise auf

Bund und Länder hatten angesichts zurückgehender Infektionszahlen bereits am Mittwoch beschlossen, die strikten Kontaktsperren schrittweise zu lockern. Ab Montag können Geschäfte wieder öffnen und später auch ältere Kinder in die Schule gehen.

Am 30. April solle die Wirkung der Maßnahmen überprüft werden. Auch wenn die Bundesländer bei den Lockerungen unterschiedlich vorgehen, zeigte sich die Bundesregierung zufrieden. Es gebe etwa bei der Öffnung der Läden nur Abweichungen in „Nuancen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Allerdings beschlossen etwa Niedersachsen und Schleswig-Holstein, dass auch Einkaufszentren unter harten Auflagen wieder öffnen dürfen. In Bayern und im Saarland soll dies dagegen untersagt bleiben. Nordrhein-Westfalen hatte bereits am Donnerstag angekündigt, dass es auch Möbelmärkte öffnen will.

Der Wirtschaft geht dies nicht weit genug. Alle Unternehmen seien unabhängig von ihrer Größe in der Lage, gesundheitliche Vorgaben zum Abstand von Kunden und Hygienemaßnahmen umzusetzen, sagte der Präsident des Handelsverbands HDE, Josef Sanktjohanser, nach Beratungen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Lockerungen nur für kleinere Geschäfte bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern seien willkürlich.

Altmaier kündigte Vorschläge an, wie eine weitere Öffnung der Wirtschaft gelingen könne, ohne die gesundheitliche Lage zu gefährden. Hintergrund ist, dass nach Angaben von Mittelstands-Präsident Mario Ohoven jeder zweite Mittelständler vor dem Aus steht, sollte der „Shutdown“ der Wirtschaft noch vier weitere Wochen andauern.

Als eine Voraussetzung für weitere Öffnungen war eine Corona-App zur Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten genannt worden.

Die deutsche Bundesregierung einigte sich zwar intern auf die Nutzung einer App. Gesundheitsminister Spahn dämpfte aber Erwartungen, dass diese in Kürze verfügbar sei. Dies wurde von den oppositionellen Grünen kritisiert.

Der Abgeordnete Konstantin von Notz betonte im „Handelsblatt“, „dass eine solche App ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung der weiteren Ausbreitung von Covid-19 sein kann“.

Derzeit gibt es gegen die Krankheit weder ein wirksames Medikament noch eine Impfung, die die Pandemie besiegen könnte.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, kündigte allerdings an, dass demnächst in Deutschland die klinische Prüfung eines Impfstoffes anlaufe. Weltweit seien derzeit vier solcher Tests gestartet worden.

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