Coronavirus: Brasiliens Gesundheitsminister im Streit zurückgetreten

Nelson Teich © AFP/Sa

Brasiliens ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro hat in der Corona-Krise bereits seinen zweiten Gesundheitsminister verschlissen: Nelson Teich reichte am Freitag wegen „Unvereinbarkeit“ mit der Corona-Politik des Staatschefs seinen Rücktritt ein.

Teich war weniger als einen Monat im Amt. Seinen in der Bevölkerung beliebten Vorgänger Luiz Henrique Mandetta hatte der Präsident Mitte April entlassen.

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Bolsonaro steht in der Corona-Krise schwer unter Druck: Während die Zahl der Infektionen in dem südamerikanischen Land rasant steigt, hält der rechtsradikale Staatschef Ausgangssperren und andere Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie weiterhin für überflüssig.

Experten weisen darauf hin, dass die Testkapazitäten allerdings sehr begrenzt seien und daher wahrscheinlich viele Fälle unentdeckt blieben. Die Zahl der Infizierten in dem 210-Millionen-Einwohner-Land könne daher um ein Vielfaches höher sein als offiziell angegeben.

Brasilien hatte in den vergangenen Tagen sowohl bei den Corona-Infizierten als auch bei den Verstorbenen im Zusammenhang mit dem Virus einen Negativrekord nach dem anderen vermeldet. Insgesamt sind in Brasilien nach offiziellen Angaben bisher mehr als 14.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. 206.000 Infizierte wurden inzwischen registriert.

Nach den Daten der in den USA beheimateten Johns-Hopkins-Universität liegt das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas damit sowohl bei der Zahl der Todesopfer als auch der Zahl der Infizierten nun auf Platz sechs der am schwersten betroffenen Länder.

Bolsonaro, ein erklärter Bewunderer von US-Präsident Donald Trump, stellt wie dieser auch die von den Bundesstaaten ergriffenen Corona-Schutzmaßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen regelmäßig in Frage. Die Lungenkrankheit Covid-19 bezeichnete er als „kleine Grippe“. Sein vorheriger Gesundheitsminister Mandetta hatte sich für striktere Corona-Auflagen eingesetzt.

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