Coronavirus: Expertin sieht Kapazitäten für Stichprobentests gegeben

Die Abschätzung der Dunkelziffer bei den Coronavirus-Erkrankungen durch die angekündigte Stichprobentestung in Österreich führe nicht zur Verknappung der Ressourcen für Tests.

„Diese Testung ist begrenzt und so aufgestellt, dass die Kapazitäten da sind“, sagte die Wiener Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl am Dienstag zur APA. Trotzdem gelte, „man muss mit den Testkapazitäten sorgsam umgehen“.

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Klar sei: „Wir würden alle gerne mehr testen“, so die Wissenschafterin vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität (MedUni) Wien.

Generell werde es aber immer schwieriger, die notwendigen Test-Kits und Reagenzien in größerem Ausmaß auch geliefert zu bekommen. „Die ganze Welt will die gleichen Dinge zur gleichen Zeit. Das ist das Problem.“

Nahezu alle Länder würden derzeit auch nach Informationen dazu suchen, wie gefährlich dieses Virus tatsächlich ist. Dazu gehört die Frage, wie viele Infektionen asymptomatisch verlaufen, so Puchhammer-Stöckl.

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) betonte am Dienstag vor Journalisten, dass die angekündigte Testung der 2.000 Personen in ganz Österreich umfassenden Stichprobe „eine notwendige Idee“ sei, die es zu realisieren gelte. Der asymptomatische Verlauf falle mitunter nämlich gar nicht auf. Die Dunkelziffer sei eine „ganz wesentliche Information“ für die Weiterentwicklung der Strategien gegen das Coronavirus, so der Minister, der die Testung mitangeregt hat.

Puchhammer-Stöckl betonte, dass mehr Wissen über die tatsächliche Verbreitung vor allem in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen und in anderen Schlüsselbereichen vonnöten wäre. Hier sei es entscheidend, wie viele asymptomatische, potenzielle Überträger „dort eigentlich herumlaufen“, so die Virologin.

Gegenüber Schnelltest nach Antikörpern, die quasi direkt neben dem Patienten anzeigen sollen, ob die Person das Virus bereits gehabt hat, rät die Wissenschafterin zur Skepsis. Mit rund 50 Anbietern sei dieses Feld „völlig unübersehbar und teilweise auch gar nicht seriös“, so Puchhammer-Stöckl.

Obgleich es einzelne Tests von „seriöseren Anbietern“ gebe, wisse man über die Aussagekraft oft wenig. Die Wissenschafterin hat mit ihrem Team einen dieser Tests kürzlich überprüft. Es zeigte sich: „Wenn man einen positiven Schnelltest hat, muss man den unbedingt durch einen Labortest bestätigen. Man erspart sich als nicht wirklich etwas.“

Der klassische Weg zum Nachweis von Antikörpern über Labortests sei hingegen „sehr gut geeignet“. Auch an der Meduni Wien werden diese durchgeführt, allerdings gebe es aufgrund der großen Nachfrage auch in diesem Bereich bereits Engpässe, so Puchhammer-Stöckl.

Der nunmehr angekündigten Ausweitung der Maskenpflicht kann die Virologin etwas abgewinnen – auch wenn bekanntermaßen der individuelle Schutz nur beim Tragen von Spezialmasken gegeben ist. Es sei tatsächlich ein Problem, die nötigen Abstände etwa in Supermärkten einzuhalten und die Masken dämmen die Tröpfchenübertragung auf kurze Distanzen ein. Dazu komme auch, dass das Tragen des Schutzes einen psychologischen Effekt mit sich bringen könnte und Menschen mehr auf Distanzierung achten.

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