Coronavirus: Keine Lockerungen der Einschränkungen in Deutschland

Die Spitzen von Bund und Ländern in Deutschland beraten in der Coronavirus-Krise über das weitere Vorgehen. Man sei sich einig, dass eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen derzeit nicht infrage komme.

Alle Länder haben ihre Einschränkungen im öffentlichen Leben ohnehin bereits bis zum Ende der Osterferien verlängert, hieß es nach Angaben aus Koalitionskreisen.

In einer Telefonschaltung wollten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder auch über die Verteilung der medizinischen Schutzausrüstung und Beatmungsgeräte sprechen, die der Bund nun zentral einkauft. Zudem gehe es darum, wie man in Deutschland die Produktion dringend benötigter Güter schnell hochfahren könne.

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Ein weiteres Thema der Schaltkonferenz sei, ob in Deutschland eine Corona-Tracing-App eingesetzt werden solle, um die Bürger auf digitalem Weg und automatisiert vor möglichen Infektionen zu warnen, hieß es in den Kreisen weiter. Auch die Frage einer Maskenpflicht wie in Österreich könnte angesprochen werden. Allerdings hatten schon etliche führende Mitglieder der Bundesregierung klar gemacht, dass sie dies skeptisch sehen. Kanzlerin Angela Merkel habe am Mittwoch früh intern gewarnt, dass man durch eine solche Pflicht nicht das Gefühl einer falschen Sicherheit verbreiten dürfe, hieß es in Regierungskreisen.

Ohnehin gibt es derzeit einen so großen Mangel an Schutzmasken, dass die Versorgung von Krankenhäusern, Pflegeheimen und medizinischem Personal Vorrang haben müsse. Der Virologe Alexander Kekule forderte eine Strategie für eine Lockerung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens. „In drei bis vier Wochen könnte man beginnen zu öffnen“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Die Telefonschaltung von Bund und Ländern findet vor dem Hintergrund einer nur langsam sinkenden Zahl an Neuinfektionen statt. Bis Mitternacht legte die Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts auf 67.366 zu. Insgesamt seien 732 Menschen infolge einer Ansteckung mit dem Coronavirus gestorben, teilte das RKI auf seiner Website mit. Im Vergleich zum Vortag wurden 5453 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der Todesopfer stieg um 149. Nach den RKI-Zahlen ist die Dynamik der Ausbreitung damit leicht gebremst. Die Bundesregierung will diese Zahl von Neuinfektionen aber vor einer möglichen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen deutlich senken.

Die amerikanische Johns-Hopkins-Universität, die eine andere Zählweise nutzt, verzeichnete am Mittwochnachmittag 72.914 Corona-Infizierte in Deutschland. 793 Menschen mit dem Coronavirus seien gestorben. 16.100 Infizierte seien wieder genesen. Den stärksten Anstieg an Infektionen nach den RKI-Zahlen hatte Bayern mit 1687 neu registrierten Fällen zu verzeichnen. In Bayern gibt es mit 225 auch die meisten Todesopfer und zusammen mit Hamburg die höchste Rate an Infektionen pro 100.000 Einwohner. Mittlerweile sind nach RKI-Zahlen in Deutschland rund 3800 Personen über 80 Jahre infiziert, die als besondere Risikogruppe gelten. Das Institut hatte deshalb schon am Dienstag gesagt, es erwarte, dass sich die Zahl der Toten auch in Deutschland stärker erhöhen werde.

Als Voraussetzung für eine Lockerung der Regeln für das öffentliche Leben nach dem 20. April wird zudem der Einsatz einer digitalen App zur Nachverfolgung von möglichen Corona-Infektionen gesehen. Kanzleramtschef Helga Braun begrüßte die Initiative von 130 Wissenschaftlern aus acht europäischen Ländern, die am Mittwoch eine digitale Plattform für solche Apps vorstellten. Das Gesundheitsministerium betonte dagegen, dass dies nur eine von verschiedenen denkbaren Varianten sei.

Die deutsche Bundesregierung hat innerhalb von zwei Wochen nach eigenen Angaben die Rückholung von 187.000 Deutschen aus dem Ausland organisiert. Unter den Rückkehrern seien auch 3000 Bürger aus anderen EU-Ländern, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

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