Coronavirus: Kroatiens Ritt auf der Rasierklinge

Urlaubsland im politischen Stop-And-Go-Modus: Neue Maskenpflicht — Offene Grenzen

Kroatiens Regierung versucht in Sachen Tourismus einen Spagat zwischen Beschränken und Lockern.
Kroatiens Regierung versucht in Sachen Tourismus einen Spagat zwischen Beschränken und Lockern. © xbrchx - stock.adobe.com

Kroatien kämpft in der Corona-Pandemie um sein Sommerleiberl — und versucht im Kampf um Urlaubsgäste einen Polit-Spagat zwischen neuen Restriktionen und Lockerungen. Die Infektionslage im auch bei Österreichern beliebten Urlaubsland ist weiter angespannt. Das Europäische Zentrum für Seuchenbekämpfung meldete für Kroatien am Mittwoch 25,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Verlauf der letzten 14 Tage.

Das ist eine Virusausbreitung, die fast doppelt so hoch liegt wie in Österreich (14,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen). Allerdings: Die Dynamik geht in Kroatien vorerst zurück. Wurden am vergangenen Wochenende noch deutlich mehr als 100 neue Coronafälle pro Tag gemeldet, sind es in den letzten Tagen jeweils um die 50.

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Brennpunkte in der Verteilung der aktuell 1183 aktiven Fälle liegen im Ballungsraum Zagreb (356) sowie in östlichen Grenzgebieten zu Ungarn, Serbien und Bosnien (184). Entlang der touristisch wichtigen Westküste liegen die Fallzahlen vergleichsweise niedrig: beispielsweise 46 in Istrien, 50 im Raum Zadar, 93 in der Region auf Höhe von Split mit den vorgelagerten Ferieninseln Brac und Hvar.

Maskenpflicht verschärft

Aber Kroatiens Regierung ist auch durch jüngste Warnungen aus dem Ausland alarmiert. Seit letztem Montag gilt wieder Maskenpflicht in den Gesundheitseinrichtungen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in den Handelsbetrieben sowie für Hotel- und Küchenangestellte. Zudem wurden die Vorschriften für Ansammlungen mit mehr als 100 Teilnehmern am letzten Freitag verschärft.

Vorsicht auf Kroatisch

Andererseits pfeift Kroatien aber auf die Empfehlungen der EU-Kommission, bei der Einreiseerlaubnis für Menschen aus Nicht-EU-Mitgliedsstaaten besondere Vorsicht walten zu lassen. In einer mit Samstag, 11. Juli 2020, datierten Verlautbarung der kroatischen Regierung scheint für Tourismusgäste aus aller Welt nur mehr eine Beschränkung auf: Sie müssen einen negativen Coronatest vorweisen, der bei Grenzübertritt nicht älter als 48 Stunden sein darf. Damit schert Kroatien also aus der Phalanx der Vorsichtigen in der EU deutlich aus.

Das erzeugt freundliche Nasenlöcher in der kroatischen Tourismusbranche: Am vergangenen Samstag wurden erstmals in diesem Jahr mehr als 500.000 Urlaubsgäste verzeichnet, davon 430.000 aus dem Ausland mit den Schwerpunkten Deutschland, Slowenien, Tschechien, Polen, Österreich, Slowakei und Ungarn. Im Geschäftsverlauf liege man damit verglichen mit dem Sommer 2019 etwa bei der Hälfte, so der kroatische Tourismusverband. Einen neuen Gästeschwall erwartet man schon am kommenden Wochenende aus Großbritannien, Frankreich und Skandinavien.

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