Coronavirus: Merkel rechnet mit langer Frist bis Krisen-Überwindung

Angela Merkel © AFP/Schreiber

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Deutschen auf eine lange Zeit bis zur Überwindung der Coronavirus-Pandemie eingeschworen.

Es gebe zwar erste Erfolge beim Kampf gegen die Ausbreitung, sagte sie am Donnerstag in Berlin. Aber die Infektionsrate sei wieder gestiegen, schränkte sie mit Verweis auf das Robert-Koch-Institut (RKI) ein.

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RKI-Chef Lothar Wieler hatte zuvor erklärt, seine Hoffnung, dass die Ansteckungsrate unter den Wert eins falle, habe sich nicht erfüllt. Merkel forderte, die Menschen müssten weiter diszipliniert die Einschränkungen befolgen, sonst wären alle Fortschritte umsonst.

Sie zeigte sich skeptisch zu Vorschlägen, nach den Osterferien Schulen wieder zu öffnen. „Ich halte die Schulen natürlich nicht für die Orte, an den man mit den einfachsten Maßnahmen den Abstand sicherstellen kann, den man braucht.“

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn und Wieler warnten vor falschen Hoffnungen auf eine Normalisierung des Alltags.

Der Verzicht auf Händeschütteln oder der Mindestabstand von 1,5 Metern werde auch bei einer Lockerung der Einschränkungen für lange Zeit gelten, sagte Spahn. Voraussetzung für den Verzicht auf einige Maßnahmen sei, dass die Kontaktsperren auch über die bevorstehenden Ostertage strikt eingehalten würden.

Neuinfektionen stiegen um vier bis fünf Prozent

Die Debatte über einen sogenannten Exit aus den Kontaktsperren wird seit Tagen durch die RKI-Zahlen befeuert. Die Zahl der Neuinfektionen stieg in dieser Woche täglich nur noch um vier bis fünf Prozent. Die Gesamtzahl der Infektionen wird mit rund 108.000 Fällen beziffert. Fast 50.000 Menschen schätzt das RKI bereits als genesen ein.

„Wir können das Land gegen das Virus verteidigen“, sagte Merkel und appellierte an die Deutschen, „durchzuhalten“. Sie machte deutlich, dass die Regierung Entscheidungen über die Lockerung nicht nur von der Ausbreitung der Infektionen abhängig machen wolle.

Es gebe ein ganzes Set an Kriterien, zu denen auch gehöre, wie stark das Gesundheitssystem beansprucht sei, sagte die Kanzlerin. Nach Angaben von Spahn werden derzeit mehr als 3.000 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern intensiv behandelt.

Auch bei Lockerungen dürfe man nur kleine Schritte „in Spannen von zwei, drei Wochen“ gehen, warnte die Kanzlerin. Auf keinen Fall dürfe eine Rückkehr zu mehr Normalität dazu führen, dass sich das Virus wieder verbreite und das Gesundheitssystem erneut vor die Gefahr einer Überforderung stelle.

Das sogenannte Corona-Kabinett beschloss ein Konzept von Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Spahn, um die Produktion von Schutzausrüstung wie Masken in Deutschland und Europa zu erhöhen.

Beide Minister sprachen von einem jährlichen Milliardenbedarf an Masken. Merkel sagte, dass man auf EU-Ebene besprechen wolle, wie man wieder mehr Schutzmaterial in Europa produzieren könne.

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