Coronavirus: Neustart für Italiens Gastronomie und Kleinhandel

Offene Bars mit Cappuccino und Espresso, belebte Straßen, Schaufenster mit Kleidung im Angebot: Italien feiert am Montag den Neustart von Kleinhandel, Gastronomie und Tourismus nach einem über zweimonatigen Corona-Lockdown. Restaurants, Cafes und Friseursalons sind wieder offen – zwei Wochen früher als ursprünglich geplant. Nur einige Regionen machen vorerst nicht ganz mit.

Die Italiener konnten am Montagvormittag vor Beginn der Arbeit wieder einen Espresso an der Bar genießen oder einen Cappuccino am Tisch serviert bekommen, natürlich unter Beibehaltung der Abstandsregeln.

In der Lombardei mussten Arbeitgeber bei Mitarbeitern die Temperatur kontrollieren. „Wir können maximal sieben Kunden empfangen, das entspricht der Fläche unseres Lokals“, berichtete die Inhaberin eines Cafes unweit des Bahnhofs Cadorna in Mailand.

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Am Tag der ersten, massiven Wiedereröffnung produktiver Aktivitäten in Italien griffen viele Menschen auf das öffentliche Verkehrssystem zurück. In Mailand und Rom wurden mehr Passagiere in den U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen gemeldet. Die Abstandregeln wurden jedoch streng eingehalten.

Besuch von Freunden und Gottesdiensten möglich

Die Italiener dürfen seit Montag Freunde und Gottesdienste besuchen. Der Papst zelebrierte im Petersdom die Messe zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II. und eröffnete somit die größte Kirche der Welt wieder den Gläubigen. Der Petersdom war seit dem 10. März geschlossen gewesen. Versammlungen größerer Gruppen bleiben in Italien aber vorerst verboten.

Die Italiener dürfen sich nunmehr innerhalb ihrer Heimatregion ohne Beschränkungen bewegen, jedoch noch nicht landesweit reisen. Dies wird erst ab 3. Juni möglich sein. Die Fährenverbindungen für Passagiere in Richtung Sizilien wurden jedoch am Montag gestartet. Mehr Züge verkehren auf der Nord-Süd-Achse. Ebenfalls geöffnet werden Museen und Bibliotheken.

Der Präsident Liguriens, Giovanni Toti, protestierte gegen zu strenge Sicherheitsvorkehrungen in Badeanstalten und Lokalen. „Wenn in den Fabriken ein Meter Abstand zwischen Arbeitnehmern genügt, sollte diese Maßnahme doch auch in Bars sowie an den Stränden gelten“, sagte Toti. Die Strände Liguriens seien wesentlich enger als jene der Adria, daher sei es unmöglich, die von der Regierung vorgeschriebenen Abstände von zehn Quadratmetern zwischen den Sonnenschirmen einzuhalten.

Neustart im Piemont teilweise verschoben

Im Piemont ist der Neustart von Bars und Restaurants auf den 23. Mai verschoben worden. Märkte werden erst ab Mittwoch öffnen. Damit soll ihnen mehr Zeit gegeben werden, sich an die Sicherheitsprotokolle anzupassen, meinte Alberto Cirio, der Präsident des Piemont.

Erwartet wird, dass italienweit heute 800.000 Kleinunternehmen, Shops, Restaurants und Bars öffnen. Dies entspricht 68 Prozent der 1,2 Millionen Kleinbetriebe im Land. Mindestens 80.000 davon werden jedoch geschlossen halten, weil die Inhaber die Sicherheitsvorkehrungen als antiökonomisch und den Neustart als nicht rentabel betrachten.

Der Gastronomieverband FIPE sieht unterdessen schwarz. Der Verband rechnet mit einem 55-prozentigen Umsatzrückgang in der Gastronomie bis Ende 2020. 377.000 Jobs seien gefährdet. Die Kundenfrequenz in den Städten und Einkaufsstraßen werde laut Schätzungen des Verbands unter den Erwartungen bleiben.

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