Coronavirus: Österreicher gehen seltener einkaufen

Seit den Hamsterkäufen in den Supermärkten vom Freitag, dem 13. März hat sich das Einkaufsverhalten in Österreich massiv verändert.

Nach den Ausgangsbeschränkungen durch die Regierung liefert nun eine Studie der Agar Markt Austria (AMA) in Zeiten der Corona-Krise eine Zwischenbilanz. Fazit: Die Österreicher gehen seltener, dafür in größeren Mengen einkaufen.

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Eine repräsentative Studie unter 500 Teilnehmern, die am Donnerstag in einer Video-Pressekonferenz vorgestellt wurde, verdeutlichte das veränderte Verhalten: 58 Prozent der Befragten gehen seltener einkaufen als früher, knapp fünf Prozent der Studienteilnehmer gar nicht mehr. Drei von zehn Befragten sind gleich oft im Supermarkt wie vor der Pandemie.

Hygiene besonders wichtig

Besonders wichtig ist bei den Einkaufskriterien die Hygiene: 50,7 Prozent setzen darauf. Dies erklärt ein wenig auch den Nachfrage-Boom nach WC-Papier, meint Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing.

„Hygiene ist ein ganz eminentes Grundbedürfnis der Menschen und der Artikel, der dem Hygienebedürfnis entgegenkommt wie kaum ein zweiter, ist eben das viel zitierte Klopapier.“

Neben der Hygiene ist auch die Haltbarkeit von Produkten für 30,7 Prozent wichtig, was sich auch zumindest im laut Umfrage vermehrten Kauf von Nudeln (22,2 Prozent) und Konserven (20), Haltbarmilch (17,5), haltbaren Backwaren (16,8) und Reis (15,5) widerspiegelt.

Die Nachfrage nach heimischen Produkten ist laut AMA-Studie ebenso gestiegen. „Die regionale bzw. österreichische Herkunft der Lebensmittel ist gegenüber früheren Umfragen weiter nach vorne gerückt. Auch die Kriterien Qualität und Saisonalität stehen vor dem Preis – anders als in älteren Erhebungen“, führte Blass aus.

Bei der vom 3. bis 7. April durchgeführten Umfrage gaben 9,4 Prozent an, den Ab-Hof-Verkauf, direkt beim Bauern vermehrt zu nutzen. Auch Lieferdienste der Gastronomie (6,6 Prozent) sind angestiegen.

Die rasche Wiederauffüllung der Regale nach den Hamsterkäufen vom 13. März hat wohl mit dazu beigetragen, dass das Vertrauen in die Lebensmittelversorgung für die Befragten groß ist. 96,6 Prozent (56,6 Prozent sehr gut, 40 Prozent eher gut) glauben an die ausreichende Versorgung bis zum Ende der Krise.

Masken bringen mehr Vertrauen in Thekenverkauf

Ein interessantes Detail gab es auch in Sachen Selbstbedienung versus Thekenverkauf von Fleisch-, Wurst- und Käseprodukten aus Rückmeldungen vom Einzelhandel. „Die SB-Verkäufe sind jetzt sicher im Vorteil, aber die Theke ist dabei, schon wieder aufzuholen“, berichtete Blass.

Die Einführung der Maskenpflicht hat hierbei offenbar eine Rolle gespielt. Erste Rückmeldungen aus der Branche lassen darauf schließen, dass man seit der Einführung der Maskenpflicht wieder mehr Vertrauen in die Theke hat.

Auch der Alltag der Menschen hat sich massiv verändert, auch dies war Teil der Umfrage. So gaben 47,2, Prozent an, nun häufiger TV zu sehen und 44,4 Prozent kochen nun häufiger.

Einen zusätzlichen Lebensmittelvorrat haben sich 35 Prozent der Studienteilnehmer zugelegt. Nicht oder nur kaum geändert hat sich der Alltag für ein Zehntel der Befragten. Zum Thema Kochen: Zwei Drittel kochen nun überwiegend mit frischen Zutaten.

Welche Rückschlüsse man für die Zeit danach zieht, wurde ebenso abgefragt. Rund jeder zweite Befragte will künftig stärker auf Hygiene achten.

Zwischen 30 und 40 Prozent möchten auch nach der Krise mehr heimische Produkte oder Lebensmittel direkt beim Bauern kaufen. Ein Viertel nimmt sich vor, weniger Produkte über einen ausländischen Versandhandel zu bestellen, knapp 23 Prozent will weniger verreisen. Nur ein Viertel der Befragten will auch nach dem Ende der Corona-Maßnahmen so weiterleben wie zuvor.

„Regionale, frische Lebensmittel werden wertgeschätzt wie nie zuvor. Diese positive Haltung unseren Lebensmitteln gegenüber möchten wir für die Zeit nach der Krise mitnehmen und verfestigen. Weiterer Schwerpunkt unserer aktuellen Kampagne ‚Unsere Bauern liefern‘ ist die garantierte Versorgung mit heimischen Produkten“, erklärte Blass als Ziel.

Autarkie habe aus wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Sicht einen hohen Wert. „Eine respektvolle Partnerschaft zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel gewährleistet die nachhaltige Selbstversorgung bei wichtigen agrarischen Gütern und wird uns gut durch die Krise führen“, glaubt der AMA-Geschäftsführer.

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