Coronavirus: Peking verschärfte Schutzmaßnahmen nochmals

Die Behörden in Peking haben die Beschränkungen zur Abwehr einer zweiten Coronavirus-Welle abermals verschärft. Zahlreiche Inlandsflüge von und in die chinesische Hauptstadt wurden am Mittwoch gestrichen, nach Angaben der staatlichen „Volkszeitung“ mindestens 1.250.

Damit entfielen rund 70 Prozent aller geplanten Flüge. Die Schulen blieben geschlossen.

31 neue Ansteckungen wurden festgestellt, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Damit summierten sich die Infektionen seit Donnerstag auf 137, die größte Zahl in der chinesischen Hauptstadt seit Februar. Sie werden auf den Ausbruch des Erregers auf einem riesigen Großhandelsmarkt für Obst, Gemüse und Fleisch Ende der vergangenen Woche zurückgeführt. Seitdem wurden die Eindämmungsmaßnahmen immer weiter verschärft.

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Taxis dürfen nicht fahren

Seit Dienstag sind auch alle ausgehenden Taxi-Fahrten und andere Fahrdienste gestrichen, zudem zahlreiche Fernbusverbindungen in die benachbarten Provinzen Hebei und Shandong. Bahnbedienstete wurden staatlichen Medien zufolge aufgefordert, Tickets für Fahrten von und nach Peking voll zurückzuerstatten, offenbar um die Bürger zu ermutigen, auf Reisen zu verzichten.

Schon am Montag hatten die Behörden in mehreren Stadtbezirken wieder Beschränkungen eingeführt, etwa die Schließung von Schulen und Sportplätzen, Sicherheitskontrollen und Körpertemperaturmessungen in Einkaufszentren und Büros. Zudem mussten sich Zehntausende Menschen Corona-Tests unterziehen. Die Bewohner wurden aufgerufen, Menschenmengen zu meiden.

Zahlreiche Wohnviertel abgeriegelt

27 Wohnviertel sind abgeriegelt worden, sie dürfen nur nach einer Fiebermessung und Registrierung betreten werden. Ein Wohnviertel in der Nähe des betroffenen Xinfadi-Großmarktes gilt als besonderes Risikogebiet. Der Markt ist um ein Vielfaches größer als der Tier-und Fleischmarkt in Wuhan, der als Ausgangsort des neuartigen Virus SARS-CoV-2 gilt und wo der Ausbruch des Erregers zu einer kompletten Abriegelung der Elf-Millionen-Metropole geführt hatte.

Experten zufolge dürfte der Virus-Ausbruch in Peking besser zu lokalisieren und unter Kontrolle zu halten sein. Einige Provinzen berichteten aber bereits über Neuinfektionen im Zusammenhang mit dem Pekinger Großmarkt und verhängten Quarantäne-Regeln für Reisende aus der Hauptstadt.

Die jüngsten Fälle sind nach Einschätzung des deutschen Virologen Jonas Schmidt-Chanasit nicht der Beginn der gefürchteten zweiten Welle der Pandemie. „Eine zweite Welle zu postulieren wäre jetzt übertrieben“, sagte Schmidt-Chanasit am Mittwoch dem Radiosender Bayern 2. Ein Ausbruch, wie jetzt in China, könne jederzeit auftreten. „Das hat mich nicht überrascht. Aber wir sehen jetzt auch, wie gut China darauf reagiert“, sagte er. Die ergriffenen Gegenmaßnahmen wirkten überzeugend. China versuche mit sehr strikten Maßnahmen, den lokalen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Das scheine gut zu funktionieren. Darüber hinaus sei der Ausbruch in Peking nicht überraschend, da „ein Großteil der Bevölkerung in China natürlich wie bei uns noch nicht immun“ sei.

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