Coronavirus: Schweizer gehen Haare schneiden und Blumen kaufen

Ein neuer Haarschnitt oder Einkäufe für den Garten: Das stand am Montag ganz oben auf den Listen der Schweizer, als das Land erste Schritte aus den Mitte März verhängten einschneidenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft machte, mit denen die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden soll.

Lange Schlangen bildeten sich vor Gartenzentren, als Menschen ein wiedergewonnenes Stück Freiheit nutzten.


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„Ich denke, es ist an der Zeit“, sagte Christiane Ansermet vor dem Schilliger Gartenzentrum in der Stadt Gland am Genfer See. „Wir müssen unser Leben leben.“

Doch vom normalen Alltag ist man noch weit entfernt. Das Personal achtet auf Abstand der Kunden untereinander und desinfiziert die Einkaufswagen. Das Gartencenter war nach den Worten von Inhaberin Anne Schilliger nach der Schließung am 17. März gezwungen, ein Viertel seiner Jahresproduktion wegzuwerfen und hat 15 Prozent des Umsatzes eingebüßt.

„Das ist sehr viel für uns, und es wird schwierig sein, das durchzustehen“, sagte sie stellvertretend für andere Kleinunternehmen.

Leonard Brazzola, Zahnarzt in Lausanne, geht davon aus, dass die Folgen des „Lockdowns“ mehrere Monate lang zu spüren sein werden.

„Dies wird ein kompliziertes Jahr werden“, sagte er. In seiner Praxis darf er immer nur einen Patient behandeln, aus dem Wartezimmer hat er die Zeitschriften entfernt und die Stühle wurden im Abstand von zwei Metern aufgestellt.

In der Schweiz haben sich bisher fast 29.200 Personen mit dem Erreger angesteckt und gut 1.350 Erkrankte sind im Zusammenhang mit der Covid-19-Infektion gestorben. „Die Fallzahlen sinken weiter“, sagte Daniel Koch, Experte für Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). „Das sind sicher gute Nachrichten.“

Doch er betonte die Wichtigkeit der schrittweisen Aufhebung der Beschränkungen, um auf die Lockerungsschritte reagieren zu können. „Man will ja kein Experiment eingehen mit dieser Epidemie“, erklärte Koch. „Nach wie vor ist sehr vieles unbekannt, vieles wissen wir nicht.“

Die Regierung hatte vor knapp zwei Wochen den Ausstieg aus den Einschränkungen in Stufen beschlossen. In einem ersten Schritt können seit Montag neben Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen wie etwa Friseuren auch medizinische Praxen ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Sortimentsbeschränkungen in Lebensmittelläden wurden aufgehoben. Weitere Lockerungen sind für 11. Mai und 8. Juni vorgesehen.

Mitte März wurden in der Alpenrepublik mit wenigen Ausnahmen Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe geschlossen.

Die Regierung greift der Wirtschaft des Landes zur Bewältigung der Folgen der Krisenmaßnahmen mit einem 62 Milliarden Franken schweren Hilfspaket unter die Arme. Die Ökonomen des Bundes rechnen mit der stärksten Rezession sei 45 Jahren.

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