Coronavirus: Überalterung ist nun die größte Gefahr für die EU

Coronavirus trifft die 70+ am härtesten — Nur in Japan ist Bevölkerungs-Anteil der Alten höher

Und diese Spitze bilden beim Bevölkerungsanteil von Menschen ab 70 (weltweit nur übertroffen von Japan mit 21,8 Prozent) Italien (17,5), Griechenland (16,7), Portugal (16,7), Finnland (16,1) und Deutschland (15,9).

Österreich liegt in diesem weltweiten Vergleich der Seniorenquote mit 14,2 Prozent auf dem 19. Platz und damit im unteren Drittel der EU-Staaten.

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In der Gesamtsicht finden sich unter den weltweit 20 Staaten mit den höchsten Seniorenanteilen, 16 Vertreter Europas.

Afrika ist viel jünger

Damit verbinden Experten das Gefahrenmoment, dass die Seuche in Europa ein viel größeres Gemetzel anrichten wird als auf anderen Kontinenten. Daten des italienischen Gesundheitsamtes zeigen nämlich, dass an der Alterssgrenze von 70 die Sterberate von Infizierten sprunghaft auf 15,3 Prozent ansteigt und dann ab 80 schon 23,2 Prozent und ab 90 dann 25,6 Prozent beträgt.


Demografisch bessere Ausgangsbedingungen als Europa, weil geringere Bevölkerungsanteil der 70+, haben in der Corona-Pandemie beispielsweise Australien, USA, Südostasien, Südamerika und die Länder Afrikas.

Geringe Investitionen

Allerdings kommen auf dem afrikanischen Kontinent zwei andere Gefahrenmomente für die Bevölkerung zum Tragen: ein weitgehend unterentwickeltes Gesundheitssystem und das enge Zusammenleben der Menschen in altersübergreifenden Familienverbänden. Ein Beispiel: Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt Algerien mit 17 offiziell registrierten Corona-Toten als traurigen Spitzenreiter auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land kommt mit seinen 42,2 Millionen Einwohnern nicht einmal auf die Hälfte der Wirtschaftsleistung Österreichs und gibt auch davon wiederum nur 6 Prozent für das Gesundheitssystem aus und nicht Österreichs 10 Prozent.

Familienclans als Gefahr

Außerdem zeigen Daten der UNO, dass auf keinem Kontinent die Generationen so eng zusammenleben wie in Afrika — was einer rasanten Ausbreitung des Coronavirus Tür und Tor öffnet. 14 Prozent der afrikanischen Haushalte beherbergen sowohl Kinder unter 15 als auch Senioren über 60. Diese Quote der Mehr-Generationen-Haushalte liegt damit laut UNO auf dem Niveau von Asien und viel höher als in Europa oder den USA (2 Prozent).

Viele Vorerkrankungen

Neben dem unterentwickelten Gesundheitssystem und dem engen Zusammenleben in Familienclans beschwört auf dem afrikanischen Kontinent in der Coronakrise auch ein dritter Faktor große Gefahren herauf: die insbesondere in der bitterarmen Sahelzone bereits bestehende gesundheitliche Beeinträchtigung der Menschen durch Hunger und Luftverschmutzung. Die WHO führt den Ländergürtel um die Mitte Afrikas als eines der am meisten verpesteten Gebiete.

Der Brennpunkt Indien

Gleiches gilt auch für das Riesenland Indien mit seinen 1,3 Milliarden Menschen. Auch dort sind Atemwege und Lungenfunktion Zigtausender aufgrund der Luftverschmutzung bereits geschädigt – und bieten jetzt dem Coronavirus eine willkommene Angriffsfläche. Allerdings: Indien könnte in dem Desaster von seiner verhältnismäßig jungen Bevölkerungsstruktur profitieren.

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Der Bevölkerungsanteil der Über-70-Jährigen beträgt nur 3,8 Prozent. Allerdings hat Indien zuletzt nur 4 Prozent der Wirtschaftsleistung für die Entwicklung des Gesundheitssystems aufgewendet. Und: In jedem siebten Haushalt leben mehrere Generationen unter einem Dach.

„Gefahr für Menschheit“

Summa summarum also kein Wunder, dass UNO-Generalsekretär Antonio Guterres am Mittwoch die Ausbreitung des Coronavirus als „Bedrohung für die gesamte Menschheit“ bezeichnet hat. Er verknüpfte damit Aufruf an die Staatengemeinschaft, den ärmsten Ländern der Erde jetzt zu Hilfe zu eilen.

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