„Covid-19“ ist eine „zache“ Erfahrung

Selbst ein „leichter“ Verlauf ist keine Erholung und das Virus beschäftigt die ganze Familie über Wochen

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Von Torbergs Tante Jolesch stammt die Weisheit: „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist“. Und in diesem Sinne ist auch ein „leichter“ Verlauf einer Covid-19-Erkrankung keinem zu wünschen – doch oft nicht zu verhindern.

Bei uns wurde das Virus vermutlich durch den Teenager in den Haushalt eingeschleppt. Zumindest zeigte er als Erster Symptome: Hohes Fieber, Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen.

Und damit begann eine dreiwöchige Phase, in der das gesamte Familienleben vom Virus bestimmt wurde. Nach mehreren Telefonaten — die sich insgesamt über zwei Tage zogen — mit dem Hausarzt und der Gesundheitshotline 1450, hatte er einen Testtermin in Ansfelden und fünf Tage nach den ersten Symptomen fuhren wir ins Test-Drive-In.

Das Fieber war nach dem dritten Tag zwar abgeklungen, doch wirklich gesund war der junge Mann noch nicht, trotzdem ließ er den Test tapfer über sich ergehen. Ein guter Tipp: Nehmen Sie sich einen kleinen Behälter mit, dann hält man den Brechreflex beim Rachenabstrich leichter aus. Drei Tage nach dem Test meldete sich zum ersten Mal die Gesundheitsbehörde und sprach die Absonderung für den jungen Mann aus … und das Virus wanderte samt den Symptomen zu meiner Frau und mir.

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Dadurch wiederholte sich die Telefon-Session. Und auch der Krankheitsverlauf war ähnlich, nur dauerte es leider dem Alter entsprechend deutlich länger. Ja, verglichen mit den bisher überstanden Erkrankungen ist Covid-19 echt „zach“. Erst nach zehn Tagen hatte ich das Gefühl, dass es wirklich besser wird und absolut „marathonfit“ fühle ich mich immer noch nicht. Und zum Glück darf derzeit eh keiner zum Essen eingeladen werden, denn mit dem Abschmecken tue ich mir auch noch etwas schwer. Aber es ist überstanden und irgendwie hat man das Gefühl, dass es ein Glück ist.

Langes Warten

Ein Problem, das nach dem Lockdown besser werden sollte, ist die Kommunikation zwischen Behörde, Gesundheitshotline, Hausarzt und Patient. Zumindest in unserem Fall wirkte es eher unkoordiniert. Daraus resultieren Warte- und Stehzeiten – bis man einen Testtermin hatte, bis man ein Ergebnis hatte, bis man einen Bescheid hatte – die ein erfolgreiches Contact Tracing unwahrscheinlich scheinen lassen. Und es resultieren daraus auch Unsicherheiten — und Unsicherheit gibt es rund um Covid-19 leider viel zu viel. Unsicherheiten bei den Kollegen und Nachbarn und auch bei einem selbst — wird es noch schlimmer, welchen Verlauf nimmt die Krankheit bei mir und was kann und soll ich tun?

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Aus dieser Unsicherheit kann Angst entstehen. Hätten wir nicht familiäre Anbindung in „Griffweite“, wäre auch die Versorgung problematisch. Denn es ist zwar hilfreich, wenn einem der Arzt Medikamente per Telefon verschreiben kann, aber wie kommt man zu den Medikamenten, wenn man das Haus nicht verlassen darf? Denn bis auf die Corona-App, die einem zweimal am Tag fragt, ob es einem eh gut geht, ist zumindest im Normalfall keine Betreuung vorgesehen. Positiv formuliert: Man wird in Ruhe gelassen.

Von Herbert Schicho

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