Crossover pur

Andere Hersteller vernachlässigen ihre Supermotos ein wenig, aber nicht so Ducati. Der Beweis: Die optisch grundlegend überarbeitete Hypermotard 950.

Text & Fotos: Oliver Koch
Offen gesagt: Der Motor ist bei der Hypermotard 950 gleich geblieben. Aber ansonsten hat die Audi-Tochter aus Bologna die Supermoto ordentlich umgekrempelt. Wie gesagt, der spurtstarke 937 Kubik große Zweizylinder stammt noch aus der Vorgängerin Hypermotard 939. Die 114 Pferde stellt das wassergekühlte Aggregat über den gesamten Drehzahlbereich umgehend bereit – was wiederum die geschärfte Optik der Supermoto auch fahrtechnisch untermauert. Das fängt beim stärker konturierten Kotflügel an, der an einen Adlerschnabel erinnert, das setzt sich beim breiteren Glas des Scheinwerfers fort und das zeigt sich am durchgehenden Gitterrohrrahmen, der voll zur Geltung kommt, weil Ducati auf Plastikabdeckungen im Heck weitgehend verzichtet. Grundlegend geändert haben die Italiener die Position der Auspuff-Schalldämpfer – die beiden kurzen Endrohre befinden sich nun wieder direkt unter dem ebenfalls kurzen Heck.
Die Italiener spendierten der wendigen, 14.995 Euro teuren Maschine ein Kurven-ABS von Bosch, Schlupfregelung und Wheelie-Steuerung. Das Cockpit ziert eine farbiges, 4,3 Zoll großes TFT-Display, das sogar per Bluetooth mit dem Smartphone kompatibel ist und auch in der Panigale verbaut ist. In der 4000 Euro teureren SP-Variante findet sich auch noch ein Quickshifter, der vielleicht kein Fehler ist, denn beim Kuppeln ist ein harter Zug mit der linken Hand erforderlich. Ansonsten fährt sich die knatternde Zweizylinder elegant; rasche Lastwechsel absolviert sie (auch) aufgrund des schlanken Tanks mühelos, die Vorderbremse greift rasch und unbarmherzig zu, was man jedoch von der rückwärtigen Bremse nicht behaupten kann.
Fazit: Die edle Supermoto ist zwar nicht gerade billig und auch noch ein ziemlicher Schluckspecht (5,5 Liter), erfreut aber im leichten Gelände als auch auf der Straße bei kurzen Touren. Dabei ist sie trotz 870 Millimetern Sitzhöhe auch für kleinere Fahrer geeignet, der neu geformten, schlanken Sitzbank sei Dank.

Typenschein: Ducati Hypermotard 950

Preis: ab € 14.995,- inkl. Steuern und Abgaben; Testmotorradpreis € 14.995,-
Steuer: € 281,10 jährlich
Garantie: 2 Jahre ohne km-Begrenzung
Service: erstes Service nach 1000, danach bei 30.000 km und alle weiteren 30.000 km
Motor: Wassergekühlter Viertakt-Testastretta-Einspritzmotor, 937 cm³, 84 kW/114 PS bei 9000 U/min, max. Drehmoment 96 Nm bei 7250 U/min
Getriebe: Sechsgangschaltung
Antrieb: Kette links
Höchstgeschwindigkeit: 223 km/h
Fahrwerk: Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen, Lenkkopfwinkel 25,0°, 45 mm USD-Gabel, 170 mm Federweg, Mono-Federbein, 150 mm Federweg, vorne 320 mm hydraulische Zweischeibenbremse, hinten 245 mm hydraulische Einscheibenbremse
Regelsysteme: ABS, EVO
Sitzhöhe: 870 Millimeter
Gesamtlänge: 2135 Millimeter
Radstand: 1498 Millimeter
Eigengewicht: 205 Kilogramm
Gesamtgewicht: 375 Kilogramm
Tankvolumen: 14,5 Liter (Benzin)
Reifen vorne: 120/70 ZR17
Reifen hinten: 180/55 ZR17

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