Da sitzt der arme Tor

Premiere: „Faust Short Cuts“ in der Studiobühne des Landestheaters

Friedrich Eidenbergers Spiel überzeugte
Friedrich Eidenbergers Spiel überzeugte © Philip Brunnader

Draußen an der Fassade schmückt sich das Linzer Landestheater mit klugen Sprüchen des Dichterfürsten. „Hier bin ich Mensch“ und so.

Tatsächlich, motzt Fritz, liegt die letzte Aufführung von Goethes Klassiker mehr als zehn Jahre zurück. Im Zelt campiert Fritz vor dem Landestheater und wird erst weichen, wenn sie endlich wieder „Faust I“ geben.

Von g’feanzt bis liebevoll

Keine Scheu vor dem Klassiker! Friedrich Eidenberger verwickelt das Publikum fast beiläufig und ganz schön g’feanzt in das hochdramatische Geschehen der „Tragödie erster Teil“. Wie ihn schon als Zwölfjährigen die Theaterlust packte, als er bei einer Aufführung als Statist werkte. Text hatte er auch, mit Inbrunst: „Mi-auuu!“

Regisseurin Nele Neitzke nähert sich dem „Faust“ in ihrer Bearbeitung liebevoll und mit einigem Humor. Sie greift wesentliche Szenen auf, komprimiert die Story auf gut nachvollziehbare Elemente. Die innere Leere Fausts, die er mit Hilfe des Teufels mit weltlichen Vergnügungen füllen will.

Die schäbige Männerkumpanei, der – so viel zeitgemäße Botschaft soll schon sein – das Wohl des schönen und gutgläubigen Gretchens schnurzegal ist. Premiere von „Junger Klassiker – Faust Short Cuts“ für Leute ab 13 war am Sonntag in der Studiobühne der Linzer Kammerspiele. Eidenberger spielt alle, also zumindest die wichtigsten Rollen, wie sie ihm von der legendären Aufführung erinnerlich sind.

Ein dumpf an der Welt und an sich verzweifelter Faust, der den Pakt mit dem charmanten, witzig-schlauen Mephisto eingeht. Den Pudel spielte damals tatsächlich ein Pudel (er hieß Jamie Oliver), der sich jetzt in Fritzens Zelt verirrt. Wüstes Gerangel, das kläffende Vieh entpuppt sich schließlich („des Pudels Kern“!) als Mephisto.

Bei allem Spaß nehmen Neitzke und Eidenberger das Stück ernst. Sorgfältig und eindringlich, mit gut gesetzten Pausen, die berühmten Monologe. Da steht er nun, der arme Tor, auch wenn er gerade im Campingsessel lümmelt. Reduzierte Requisiten, eine Kuchengabel als Kamm für den eitlen Teufelsgeck und als Schwert, das Gretchens Bruder meuchelt. Düsteres Ende mit Gretchen, die im Wahn ihr Kind tötete.

Eidenberger, 1993 in Vöcklabruck geboren, ist seit einem Jahr fix im Ensemble des Jungen Theaters. Seine Darbietung famos, wunderbar locker und doch in jedem Moment auf das Wechselspiel der Figuren konzentriert. Das Zelt könnte er jetzt verlassen, das Landestheater hat seinen fast gültigen „Faust“. Riesenapplaus nach 80 Minuten.

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