Dann kommt was Schönes

Nena & Band gaben in Gmunden ein fantastisches Konzert

Sie versprach, wiederzukommen: Nena (60) sang, tanzte und unterhielt ihr Publikum am Rathausplatz in Gmunden.
Sie versprach, wiederzukommen: Nena (60) sang, tanzte und unterhielt ihr Publikum am Rathausplatz in Gmunden. © W. Spitzbart

Hinter der Umzäunung lugen Leute herein. Ob man die nicht einfach hereinlassen kann? Es ist nämlich so, sagt Nena, in der „neuen Welt“ werden Türen geöffnet. So einfach. Begrenzungen schmecken Nena nicht, ebenso wenig Regeln: „Dürft ihr aufs Klo gehen oder ist das auch verboten?“

Das Areal aufgeteilt in Bühne, zentral auf dem Boden sitzende Besucher und rundherum Bestuhlung. Dazu Datenerfassung (Name, Telefonnummer), temporäre (hoffentlich) „Sicherheitsdemokratie“. Mit der unsexy Stimme der Vernunft: unter den gegebenen Umständen das Maximum. Massenhaft dichtes Gedränge wäre grob fahrlässig (und ist derzeit eben nicht erlaubt). Deshalb ein „Picknick-Konzert“, was ziemlich bieder klingt.

„Woodstock ohne LSD“ (Nena) hat deutlich mehr Witz.

Den Einschränkungen zum Trotz ein fantastisches Konzert am Sonntag auf dem Rathausplatz in Gmunden. Nena aufgekratzt, witzig, enorm einnehmendes Wesen. Dazu eine scheppernde, kräftig aufspielende Band.

Rock’n’Roll, Baby! Verglichen mit oft glatt gebügelten Studioaufnahmen tut es den Songs unglaublich gut, sie live auf dreckiger und härter zu bürsten.

Die Stimme klingt noch aufmunternd-jugendlich

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Gabriele Susanne Kerner, der vom Spanienurlaub als Kind der Kosename „Nena“ (kleines Mädchen) geblieben ist, eröffnet mit gefühligem „Genau Jetzt“. Sie lässt gleich die Kracher „Nur Geträumt“ und „Rette Mich“ folgen. Längst vergangene Achtzigerjahre? Inmitten der Coronatrübsal sehr heutige, dringend nötige Farbtupfer. Nenas Stimme klingt noch immer aufmunternd-jugendlich, Sehnsucht nach Leben in „Immer Weiter“ oder „Wunder Gescheh’n“.

Das punkige Girlie (mit 60!), das auf der Bühne den Lippenstift nachzieht. Die Discotänzerin, Nena schüttelt ihre Mähne, hält die altehrwürdige Tradition des Headbangens hoch. Erfrischend auch Co-Sängerin Emily, zu „Willst Du Mit Mir Gehn“ kudern sich die beiden an. Wären doch auch ein tolles Pärchen!

Die großen Hits, mittelalten Besucher rieselt das Gänsehäutchen. „Leuchtturm“ finalisiert Nena auf der E-Gitarre, schmettert das Riff zu „Jumpin’ Jack Flash“. Zwei Kugeln mit der Aufschrift „LOVE“ segeln zu „99 Luftballons“ ins Publikum. Liebe den „Menschen, Tieren und Pflanzen der Welt“, sagt die Chefin. Daran ist nun gar nichts falsch.

Längerer Zugabenblock („Irgendwie Irgendwo Irgendwann“, „Licht“), herzerwärmend die Utopie „Zusammen“. Love & Peace, die Band variiert flockig Elvis’ „That’s Alright (Mama)“. Nena lässt dazu mit einem Mantra ausklingen: Nichts ist mehr wie früher, und das ist gut so./Jetzt kommt was Schönes.

Bezaubernder Abend, eine Überrumpelung. Nena kündigte an, nächstes Jahr wieder in Gmunden spielen zu wollen.

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